Psychische Belastungen, Einsätze und Suizidalität im militärischen Kontext: Eine systematische Analyse von Einflussfaktoren
Psychological Strain, Deployments, and Suicidality in the Military Context:
A Systematic Analysis of Influencing Factors
Natalie Nolepaa, Christian Helmsa, ChristinaAlliger-Horna, Gerd Willmunda
a Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Psychotraumazentrum der Bundeswehr
Zusammenfassung
Ziel dieser systematischen Literaturanalyse war es, den Zusammenhang zwischen Auslandseinsätzen, psychischen Erkrankungen und suizidalem Verhalten im Vergleich zum regulären Dienst zu untersuchen. Mithilfe des PICO-Schemas und der PRISMA-Kriterien wurden 30 Studien ausgewählt, die psychische Erkrankungen wie Depressionen, posttraumatisches Belastungssyndrom und Substanzmissbrauch sowie deren Beziehung zur Suizidalität analysierten.
Die eingeschlossenen Studien belegten, dass keine direkte Kausalität zwischen Auslandseinsätzen und Suizidalität bestand. Psychische Vorerkrankungen erwiesen sich als stabilste Prädiktoren für suizidales Verhalten, unabhängig vom Einsatzort. Stressoren, wie die Konfrontation mit Tod und Gewalt, aber auch chronischer Stress im Regeldienst, verstärken diese Risikofaktoren. Zudem wurden jüngere Soldaten und Männer als besonders gefährdete Risikogruppen identifiziert.
Die Analyse unterstreicht die Notwendigkeit differenzierter Präventionsstrategien, die auf individuelle und strukturelle Faktoren abzielen. Niedrigschwellige psychologische Angebote, Resilienztrainings und die Reduktion von Stigmatisierung könnten langfristig zur Verringerung suizidalen Verhaltens beitragen. Künftige Forschung sollte prospektive Studien im deutschen Kontext einbeziehen, um spezifische Präventionsprogramme weiterzuentwickeln.
Schlüsselwörter: psychische Belastungen, militärische Einsätze, Suizidalität, Einflussfaktoren
Summary
This systematic literature review aimed to investigate the relationship between overseas deployments, mental health disorders, and suicidal behavior compared to regular service. Using the PICO framework and PRISMA criteria, 30 studies were selected that analyzed mental health disorders such as depression, PTSD, and substance abuse, along with their connection to suicidality.
The included studies demonstrated no direct causality between overseas deployments and suicidality. Preexisting mental health conditions emerged as the most consistent predictors of suicidal behavior, regardless of deployment. Stressors such as exposure to death and violence, as well as chronic stress during regular service, amplified these risk factors. Furthermore, younger soldiers and men were identified as particularly vulnerable risk groups.
The analysis highlights the need for targeted prevention strategies that address individual and structural factors. Low-threshold psychological services, resilience training, and stigma reduction could contribute to the long-term reduction of suicidal behavior. Future research should include prospective studies in the German context to further develop specific prevention programs.
Keywords: psychological strain; military deployments; suicidality; influencing factors
Einleitung
Angesichts der multiplen weltweiten Krisen kommt den militärischen Kräften eine immer größere Bedeutung zu. Unter anderem soll die Bundeswehr zur Sicherung der europäischen Sicherheit und damit indirekt zur Landesverteidigung eingesetzt werden. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, braucht es eine einsatzbereite Truppe, die nicht nur individuell fit ist, sondern auch im militärischen Verband funktioniert. Hierfür bedarf es psychisch und physisch gesunder Soldaten. Insbesondere suizidale Krisen haben teils verheerende Folgen, die sowohl auf individueller Ebene als auch in Form von Gruppeneffekten auf Kameraden und Angehörige wirken können. In der Vergangenheit wurde ein Zusammenhang zwischen besonderen Verwendungen im Ausland und gesteigerten Suizidraten suszipiert, weshalb ähnliche Effekte auch bei besonderen Verwendungen zum Schutz der europäischen Sicherheit zu erwarten wären.
Der Suizid ist jedoch ein komplexes Phänomen, das in allen menschlichen Gesellschaften beobachtet wird. Die Ursachen reichen von biologischen über psychologische bis hin zu sozialen Faktoren. Forschungen legen nahe, dass die einzigartige Struktur des menschlichen Gehirns eine Rolle spielen könnte. Kulturen entwickeln darüber hinaus Mechanismen, um suizidalen Krisen vorzubeugen. Religiöse und moralische Normen können hierbei schützend wirken, indem sie Verhaltensregeln implizieren [21][40].
Weltweit ist die Selbsttötung eine der häufigsten Todesursachen durch Gewalt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich etwa 700 000 Menschen durch Suizid [44]. Dennoch bleibt der Suizid statistisch gesehen ein seltenes Ereignis. Suizidale Krisen sind multifaktoriell bedingt. Biologische Prädispositionen wie genetische und epigenetische Besonderheiten, etwa in serotonergen Rezeptoren, können impulsives Verhalten begünstigen [35]. Diese Faktoren wirken zusammen mit psychologischen Prozessen, wie der Umkehr von Wut gegen sich selbst [24], und sozialen Einflüssen, die Zugehörigkeitsgefühle und soziale Normen formen, wie dies in der Interpersonellen Theorie des Suizides von Joiner beschrieben wurde [28].
Diese multifaktoriellen Ursachen haben im militärischen Kontext eine besondere Bedeutung, da hier spezifische Stressfaktoren hinzukommen, welche die Suizidalität begünstigen können. Soldaten sind häufiger besonderen physiologischen und psychologischen Belastungen ausgesetzt, die durch die Anforderungen des Militärdienstes verstärkt werden. Zusätzlich können soziale Faktoren wie Kameradschaft, Gruppendruck, der Verlust von Zugehörigkeitsgefühl sowie eingeschränkte soziale Unterstützung diesen Stress weiter dynamisieren [26]. Studien postulieren, dass diese Belastungen, gepaart mit den bekannten biologischen und psychologischen Risikofaktoren, die Suizidrate in militärischen Organisationen erhöhen können [8].
Beim Militär erfährt Suizidalität eine besondere Aufmerksamkeit. Studien zeigen, dass die Suizidraten in den Streitkräften der Vereinigten Staaten deutlich höher sind als in der zivilen Vergleichsbevölkerung [8]. Auch die Bundeswehr hat auf diese Entwicklung reagiert, unter anderem durch die Einführung eines jährlichen Suizidregisters, das umfangreiche Begleitfaktoren erfasst. Eine Zunahme der Suizidrate wurde jedoch nicht beobachtet [26].
Frühere Vermutungen, dass Auslandseinsätze der Hauptgrund für die hohen Suizidraten seien, wurden durch jüngere Erkenntnisse relativiert [4][20]. Beispielsweise zeigt eine Studie des Psychotraumazentrums der Bundeswehr (PTZBw) [8], dass weniger als ein Drittel der im deutschen Suizidregister erfassten Soldaten Auslandseinsätze absolviert hatten. Zudem waren posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) in weniger als 5 % der Fälle dokumentiert. Stattdessen traten Suizide häufiger bei jungen, männlichen Soldaten [6] in den ersten Dienstjahren [20] auf, was in amerikanischen Studien auf zusätzliche mögliche Stressfaktoren wie den Anpassungsprozess im Militär oder Spezifika der jungen Erwachsenen zurückgeführt wurde [26].
Die Erforschung von Suizidalität ist herausfordernd, da sie als seltenes Phänomen schwierig prospektiv zu erfassen und vielschichtig ist. Retrospektiv-vergleichende Studien sind nützlich, um Risikofaktoren zu identifizieren, stoßen jedoch gerade bei der Zuweisung kausaler Zusammenhänge an Grenzen. Prospektive Kohortenstudien könnten detailliertere Einblicke bieten, würden jedoch große Stichproben über lange Zeiträume von mehreren Jahrzehnten erfordern, deren Rekrutierung aufgrund der freiwilligen Teilnahme schwierig ist.
Im Folgenden soll daher eine systematische Literaturanalyse präsentiert werden, die dazu dienen soll, den aktuellen wissenschaftlichen Stand über die Zusammenhänge zwischen militärischen Einsätzen, psychischen Erkrankungen und Suizidalität darzustellen und zu bewerten.
Methodik
Wir führten eine Literaturanalyse gemäß dem PRISMA-Verfahren (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses) durch. Die Recherche basiert auf den Datenbanken PubMed, APAPsycInfo und PsycArticles. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Inzidenz und Prävalenz von Suizidalität und psychischen Erkrankungen bei Soldaten nach Teilnahme an Auslandseinsätzen im Vergleich zum Regeldienst im Inland, um mögliche Gründe für den Anstieg der Zahlen zu untersuchen.
Um die Literatursuche einzugrenzen, erfolgte eine Begrenzung ausschließlich auf englisch- und deutschsprachige Quellen aus den letzten 15 Jahren, mit Ausnahme einer Quelle, die bis Januar 2025 veröffentlicht wurden, um den aktuellen Forschungsstand abzubilden. Zur Strukturierung der Forschungsfrage wurde eine systematische Literaturrecherche anhand des PICO-Schemas (Tabelle 1) durchgeführt, um relevante Studien für die Arbeit zu identifizieren.
Tab. 1: PICO-Schema mit den vier wesentlichen Suchphrasen der Literatursuche.
Eingeschlossen wurden ausschließlich Originalarbeiten, die einen besonderen Fokus auf Suizidalität und Depressivität bei Soldaten in Auslandseinsätzen und den Regeldienst im Inland legten. Dennoch wurden auch Studien verwendet, die neben den genannten Prädiktoren Erkrankungsbilder wie PTBS und Substanzmissbrauchsstörungen als Outcomes thematisierten. Des Weiteren wurden Literaturarbeiten aus Fachzeitschriften, Fall-Kontrollstudien, Kohortenstudien und Querschnittsstudien mit einbezogen.
Von der Literatursuche ausgeschlossen wurden Artikel, deren Publikationsdatum nicht den genannten Zeitraum betraf, die kein Peer-Review durchlaufen hatten und nicht in englischer oder deutscher Sprache publiziert wurden. Des Weiteren wurden die Referenzen von bereits ausgewählten Forschungsarbeiten überprüft, um weitere relevante Literaturquellen herauszuarbeiten.
Insgesamt konnten anhand des PICO-Schemas 268 Artikel die Suchphrasen erfüllen. Nach Ausschluss von Duplikaten wurden die Abstracts der Arbeiten gescreent und auf Ein- und Ausschlusskriterien überprüft. Die verbliebenen Arbeiten wurden einer Volltextanalyse unterzogen und gemäß der genannten Selektionskriterien ausgewählt. Insgesamt wurden 30 Studien in die Auswertung eingeschlossen (Abbildung 1).
Abb. 1: Prisma Flow Chart für die Literaturanalyse
Ergebnisse
Bei den eingeschlossenen Arbeiten handelt es sich vor allem um quantitative Studien aus den USA. Die Stichproben der verschiedenen Studien bezogen sich auf Soldaten und Veteranen aus den NATO-Staaten.
Eine tabellarische Darstellung der ausgewerteten Publikationen mit kurzer Darstellung der jeweiligen Kernaussagen findet sich im Anhang zu diesem Beitrag (nur im E-Paper unter https://wmm-online.de veröffentlicht).
Suizidrate im Militär
Anhand der einbezogenen Arbeiten konnte festgestellt werden, dass die Suizidrate im Militär in den letzten Jahren angestiegen ist. Laut einer US-Studie verstarben in den Jahren 2005 bis 2009 mehr Soldaten aufgrund von Suiziden als in Kampfeinsätzen [35].
Des Weiteren wurde zeitgleich ein bedeutsamer Anstieg der Suizidrate festgestellt, der zunächst auf die Missionen Enduring Freedom (EF) in Afghanistan und Iraqi Freedom (IF) zurückgeführt wurde. Nach der Teilnahme am Irakkonflikt stiegen die Suizidraten von 11,4 pro 100 000 auf 21,8 pro 100 000 U.S.-Soldaten [6][35]. Bartone verdeutlichte in seiner Arbeit nahezu eine Verdopplung der Suizidraten in den Jahren 2002 bis 2009 und somit einen Anstieg von 10,1 pro 100 000 auf 19,7 pro 100 000 Personen pro Jahr [11]. Während die Suizidrate im Militär im Vergleich zur US-amerikanischen Allgemeinbevölkerung vor dem Jahr 2001 noch niedriger war, kam es in den letzten 20 Jahren zu einem sukzessiven Anstieg, sodass diese bei Veteranen etwa 1,5-mal höher lag als in der Zivilbevölkerung mit 18,0 pro 100 000 Personen [18][38].
Einsätze und Suizidrate
In sieben Studien wird von kleinen statistischen Effekten bezüglich eines Zusammenhangs von Auslandseinsätzen und Suizidalität berichtet. Nach näherer Untersuchung erwies sich jedoch keiner dieser Effekte als ausreichend signifikant, sodass es möglicherweise andere Faktoren gibt, die ausschlaggebend für die erhöhte Suizidrate sein könnten. Beispielsweise konnten einige Studien Verbindungen von erhöhten Suizidraten durch stressbedingte Belastungen feststellen, die sowohl direkt im Auslandseinsatz und im Kampf als auch in Form von chronischen Stressoren im Regeldienst auftreten können [14][19]. Dies konnte auch von Ursano et al. gezeigt werden, die Zusammenhänge zwischen Stress und einer erhöhten Vulnerabilität für psychische Erkrankungen und Suizidalität untersuchten. Während Soldaten in Auslandseinsätzen häufiger Stress durch direkte Bedrohung oder physische Gefahr ausgesetzt waren, zeigte auch alltagsbezogener Stress im Regeldienst einen erheblichen Einfluss auf die mentale Gesundheit [45]. Anestis et al. begründeten dies vor allem mit zwischenmenschlichen Konflikten unter den Soldaten oder strikten Hierarchien, die eine besondere Anpassungsfähigkeit erfordern [7]. Besonders bei Einsätzen in Kriegsgebieten können Soldaten starken Stressoren ausgesetzt sein, die das Auftreten von psychischen Erkrankungen fördern können. Dabei zeigte sich, dass die Belastungen durch Einsätze in Krisengebieten einen signifikanten Einfluss auf die Entstehung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Belastungsstörungen haben können [11][30][45].
Ursano et al. untersuchten Risikofaktoren, die ursächlich für das Auftreten von Suizidgedanken während Einsätzen in Afghanistan waren. Die Autoren unterschieden dabei zwischen individuellen und umweltbezogenen Einflüssen. Beispielsweise benannten sie soziale Faktoren, wie fehlende Unterstützung oder fehlende Ressourcen für eine psychologische Behandlung und Gesundheitsversorgung, als relevante Merkmale [41]. Vor allem spezifische Einsatzerfahrungen, wie die direkte Konfrontation mit Tod und Gewalt oder der Verlust eines Kameraden, stellen ein erhöhtes Risiko von Suizidalität bei aktiven Soldaten dar [16][37]. Diese Erfahrungen sind jedoch bei einem Großteil des Personals der Einsatzkontingente eine seltene Ausnahme. Damit ist zu betonen, dass kein direkter Zusammenhang zum Auslandseinsatz festgestellt werden konnte, da meist andere Umstände ursächlich waren, die beispielsweise auf individuelle Faktoren der Soldaten zurückzuführen sind [27][42]. Dies konnte auch von Bryan et al. gezeigt werden, die eine nähere Untersuchung über suizidales Verhalten in Assoziation zu spezifischen Kampferfahrungen durchführten. Es wurde schlussgefolgert, dass ein erhöhtes Suizidverhalten eher auf einsatzbedingte psychische Erkrankungen, darunter traumatische Folgestörungen, zurückzuführen sei [16]. In einer anderen Arbeit wurde der Zusammenhang zwischen Kampfeinsätzen und Friedensmissionen in Relation zu psychischen Erkrankungen untersucht. Soldaten, die in Kampfeinsätzen eingesetzt waren, zeigten ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Depressionen (8–10 %) und einer PTBS (12–15 %) im Vergleich zu Soldaten, die in friedenssichernden Missionen eingesetzt worden waren [46]. Auch hier hatten insbesondere Soldaten, die direkte Gewalt erlebt hatten, z. B. durch Kampfhandlungen, Verwundungen oder Tod von Kameraden, ein 2,4-fach erhöhtes Risiko für die Entstehung einer PTBS. Während Kampfeinsätze mit erhöhtem Risiko für psychische Störungen assoziiert waren, führte die Teilnahme an Friedensmissionen meist zu anderen Belastungen wie beispielsweise zu chronischem Stress [36][46].
Walker et al. untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen psychischen Diagnosen, Suizidversuchen und Kampfverletzungen nach Einsätzen und konnten feststellen, dass das alleinige Vorhandensein körperlicher Verletzungen kein direktes Risiko für Suizidversuche darstellt. Es zeigte sich jedoch ein erhöhtes Suizidrisiko, wenn zusätzlich zu den Verletzungen psychische Erkrankungen, z. B. PTBS oder Depression, vorlagen [1][43]. Suizidales Verhalten wurde auch im Zusammenhang mit Schuldgefühlen nach Einsätzen untersucht. Bryan et al. bezogen sich in ihrer Arbeit auf die Rolle von Schuldgefühlen bei PTBS-Symptomen durch Kriegshandlungen und hoben hervor, dass insbesondere unverarbeitete Schuldgefühle und moralische Verletzungen das Risiko für Suizidgedanken erhöhen könnten, welche häufig nach traumatischen Erlebnissen während Kampfeinsätzen auftreten [13]. Auch Brenner et al. identifizierten in einer qualitativen Studie Schuldgefühle nach der Rückkehr aus Einsätzen als bedeutsamen Auslöser für suizidale Gedanken. Ein direkter Effekt zu Suizidhandlungen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden [12].
Risikogruppen für suizidales Verhalten
In den einbezogenen Arbeiten konnten Risikogruppen für suizidales Verhalten im Militär herausgearbeitet werden. Faktoren wie das männliche Geschlecht zeigten ein erhöhtes Risiko. Dies lässt sich laut Untersuchungen von Schoenbaum et al. zum einen auf höhere Stressexpositionen in Kampfeinsätzen zurückführen. Zum anderen erfahren männliche Soldaten eine deutliche Stigmatisierung psychischer Probleme und psychiatrischer Symptome, was zu einer geringeren Nutzung der gesundheitlichen Unterstützungsangebote führen kann [39][45]. Ein weiterer Faktor ist das Alter von unter 30 Jahren bei Soldaten, was für eine geringere Erfahrung im Umgang mit Stressoren sowie unzureichende Bewältigungsstrategien zurückgeführt werden könnte und was diese Gruppe anfälliger für psychische Belastungen machen könnte [15][29][45].
Psychische Vorerkrankungen als Prädiktor
Der ausschlaggebendste Prädiktor waren psychische Vorerkrankungen. Betroffene Soldaten zeigten ein signifikant höheres Suizidrisiko, unabhängig davon, ob sie im Auslandseinsatz oder im Regeldienst im Inland tätig waren. Diese Ergebnisse relativieren die Annahme, dass Auslandseinsätze direkt mit einem ansteigenden Suizidrisiko positiv korrelieren [45]. Insbesondere PTBS und Depressionen waren starke Prädiktoren für ein erhöhtes suizidales Risiko. Dennoch muss auch hier betont werden, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Auslandseinsätzen und der Entstehung psychischer Erkrankungen nicht festgestellt werden konnte, da viele Soldaten psychische Symptome bereits vor den Einsätzen aufwiesen [19]. Die Ergebnisse legen folglich nahe, dass psychische Vorerkrankungen das Hauptrisiko von Suizidalität sind und vor allem affektive Erkrankungen, Suchterkrankungen und PTBS wichtige Prädiktoren zu sein scheinen. Soldaten ohne Hinweise für psychische Probleme zeigten ein wesentlich geringeres suizidales Verhalten, auch wenn diese im Ausland eingesetzt wurden [15][19].
Einsätze können das Risiko für suizidale Krisen beispielsweise aufgrund von hohen Stresserfahrungen zwar erhöhen, scheinen jedoch nicht die ausschlaggebende Ursache zu sein. Die individuellen Resilienzfaktoren der Soldaten und der daraus resultierende Umgang mit potenziell traumatischen Ereignissen im Auslandseinsatz scheinen zentrale Punkte zu sein, da diese den Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen maßgeblich beeinflussen können [9][25][39].
Diskussion
Ziel dieser Arbeit war es, anhand einer Literaturrecherche den aktuellen wissenschaftlichen Stand bezüglich des Zusammenhangs von Suizidalität und psychischen Erkrankungen bei Auslandseinsätzen im Vergleich zum regulären Dienst im Inland zu untersuchen. Einzelne Arbeiten fanden als mögliche Einflussfaktoren die direkte Konfrontation mit Tod, Gewalt und den Verlust von Kameraden. Damit verbundene, unverarbeitete Schuldgefühle wurden hier als ein wichtiger Einflussfaktor für die Entstehung psychischer Erkrankungen identifiziert [46]. Dennoch wurde bei den Ergebnissen nur von indirekten Verbindungen gesprochen, da psychische Vorerkrankungen meist schon vor Einsatzbeginn vorlagen [36].
Moralische Verletzungen
Das Empfinden von Schuld, quälenden Selbstvorwürfen und eingeschränktem Selbstwertempfinden sind nicht spezifische, aber typische Symptome depressiver Störungen. Diese sind die häufigsten psychischen Erkrankungen sowohl in zivilen als auch in militärischen Stichproben [34]. Das Auftreten dieser Symptome im Rahmen einer PTBS kann somit häufig als mögliches Zeichen einer komorbiden depressiven Erkrankung gewertet werden. Dies wirft die Frage auf, ob moralische Verletzungen, die häufig mit Schuldgefühlen und moralischen Konflikten einhergehen, eigenständige Konzepte sind oder vielmehr depressive Störungen maskieren, die sich eigenständig oder komorbid zu PTBS entwickelt haben [23].
Gemäß der S3-Leitlinie für unipolare Depressionen [3] erfordert die Behandlung von Depressionen einen evidenzbasierten Ansatz wie Psychotherapie in einem anerkannten Verfahren oder medikamentöse Interventionen. Diese unterscheiden sich signifikant von trauma-fokussierten Therapien, die für PTBS empfohlen werden, oder spezialisierten Programmen für moralische Verletzungen. Eine differenzialdiagnostische Abklärung ist daher essenziell, um die angemessene Therapie einzuleiten und die Symptomlast der Betroffenen effektiv zu reduzieren. Zudem bleibt unklar, ob moralische Verletzungen als Konzept möglicherweise ein therapeutisches Ziel darstellen sollten, das unabhängig von etablierten psychischen Störungen behandelt wird. Die fehlende Anerkennung von moralischen Verletzungen als eigenständige Diagnose im ICD-10, DSM-5 und ICD-11 unterstreicht auch aus Kausalitätsgründen die Notwendigkeit vertiefter Differenzialdiagnostik [2][5].
Psychische Vorerkrankungen
In der systematischen Literaturrecherche waren psychische Vorerkrankungen der stärkste Prädiktor für suizidales Verhalten nach Einsätzen [19]. Psychische Erkrankungen können demnach wie ein Verstärker für Stressoren während der Einsätze wirken und eine Verarbeitung der Ereignisse erschweren [9]. Auch geschlechts- und altersspezifische Faktoren spielen eine Rolle: Männer und jüngere Soldaten (< 30 Jahre) weisen möglicherweise aufgrund dysfunktionaler Bewältigungsstrategien und Stigmatisierung im Umgang mit psychischen Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten auf [35]. Auch geschlechtstypische Effekte sollten hier in Betracht gezogen werden, jedoch konnte hierzu keine aussagekräftige Studienlage gefunden werden, sodass es weiterer Beforschung des suizidalen Phänomens im militärischen Setting bedarf.
Einsätze und Suizidalität
Ein weiterer zentraler Befund war der signifikante Anstieg der Suizidrate im US-amerikanischen Militär, der zunächst mit Kriegseinsätzen im Irak oder Afghanistan aufgrund der zeitlichen Korrelation des Anstiegs diskutiert wurde [15][33]. Studien, die kleine statistische Effekte fanden, konnten diese nach genauerer Untersuchung jedoch nicht als signifikant identifizieren und folglich keine statistisch relevante Bedingung zwischen der Teilnahme an militärischen Einsätzen und Suizidalität feststellen [25]. Ursächlich für Suizidfälle nach diesen Einsätzen waren laut Studienlage eher spezifische Kriegserfahrungen, wie traumatische Erlebnisse innerhalb der Einsätze und stressbedingte Belastungen [13]. Auch Stress wurde in einigen Studien als Prädiktor für die Entstehung von psychischen Erkrankungen identifiziert. Hierbei wurde neben Stress in Auslandseinsätzen auch chronischer Stress im Regeldienst betrachtet, der durch mangelnde soziale Unterstützung und zwischenmenschliche Konflikte möglicherweise die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen kann [41].
Insgesamt zeigt diese Recherche, dass keine allgemeingültige Korrelation zwischen Auslandseinsätzen und Suizidalität besteht. Das Suizidverhalten im Militär ist demnach auf multifaktorielle Komponenten zurückzuführen, welche in bestimmten Risikofaktoren und -gruppen abgebildet oder beschrieben werden können. Psychische Vorerkrankungen sind dabei erwiesenermaßen ein wesentlicher Risikofaktor, der suizidalen Krisen dynamisieren kann.
Limitationen
Die vorliegende Arbeit weist mehrere Einschränkungen auf, die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden sollten. Zum einen handelt es sich bei vielen Arbeiten um US-amerikanische Studien, sodass eine Übertragung auf die Strukturen der Bundeswehr nicht uneingeschränkt möglich ist. Des Weiteren konnten keine prospektiven Kohortenstudien in der Recherche gefunden werden, welche die zeitlichen und kausalen Beziehungen zwischen Auslandseinsätzen, psychischen Erkrankungen und Suizidalität besser darstellen würden.
Ein weiterer limitierender Faktor ist die methodische Vielfalt der einbezogenen Studien, die die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert. Unterschiedliche Definitionen von Suizidalität und psychischen Erkrankungen sowie variierende diagnostische und methodische Ansätze könnten zu einer Heterogenität der Ergebnisse beitragen.
Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der vorliegenden Analyse unterstreichen die Komplexität von Suizidalität und psychischen Erkrankungen im militärischen Kontext. Es zeigte sich, dass keine direkte Kausalität zwischen Auslandseinsätzen und Suizidalität besteht. Vielmehr sind Suizidverhalten und psychische Belastungen das Ergebnis multifaktorieller Einflüsse, die sowohl individuelle als auch strukturelle Faktoren umfassen. Psychische Vorerkrankungen, insbesondere Depressionen, PTBS und Suchterkrankungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese können als Verstärker für Stressoren während der Einsätze wirken und die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse erschweren.
Weitere Forschung ist notwendig, um die Gegebenheiten und Risikokonstellationen im deutschen Kontext abzubilden. Im Idealfall kommen hierbei große prospektive Studiendesigns zum Einsatz, um spezifische Risikogruppen wie junge männliche Soldaten genauer zu untersuchen. Langfristig könnten diese Erkenntnisse dazu beitragen, maßgeschneiderte Präventions- und Interventionsprogramme zu entwickeln und die Gesundheitsversorgung im militärischen Kontext nachhaltig zu verbessern.
Literatur
- Adler AB, Castro CA: An occupational mental health model for the military. Mil Behav Health 2012; 1(1): 41–45. mehr lesen
- American Psychiatric Association (APA) 2013, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). 5. Auflage, Arlington, VA: American Psychiatric Publishing, 2013.
- Anestis MD, Mohn RS, Dorminey JW, Green BA: Detecting Potential Underreporting of Suicide Ideation Among U.S. Military Personnel. Suicide Life Threat Behav 2019; 49(1): 210-220. mehr lesen
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage, Version 5. , letzter Aufruf 27. Januar 2025. mehr lesen
- Armed Forces Health Surveillance Center (AFHSC): Deaths by suicide while on active duty, active and reserve components, U.S. Armed Forces, 1998-2011. MSMR 2012; 19(6), 7–10. mehr lesen
- Bachynski KE, Canham-Chervak M, Black SA, et al.: Mental health risk factors for suicides in the US Army, 2007--8. Inj Prev 2012;1 8(6): 405-12. mehr lesen
- Bartone PT, Homish GG: Influence of hardiness, avoidance coping, and combat exposure on depression in returning war veterans: A moderated-mediation study. J Affect Dis 2020; 265: 511–518. mehr lesen
- Bartone PT, Johnsen BH, Eid J, et al.: Hardiness, avoidance coping, and alcohol consumption in war veterans: A moderated‐mediation study. Stress Health 2017; 33 (5): 498–507. mehr lesen
- Black SA, Gallaway MS, Bell MR, Ritchie EC: Prevalence and Risk Factors associated with suicides of army soldiers 2001–2009; Mil Psych 2016; 23 (4): 433–451. mehr lesen
- Bryan AO, Bryan CJ, Morrow CE, et al.: Moral injury, suicidal ideation, and suicide attempts in a military sample. Traumatology 2014; 20 (3): 154–160. mehr lesen
- Bryan CJ, Clemans TA, Leeson B, Rudd MD: Acute vs. chronic stressors, multiple suicide attempts, and persistent suicide ideation in US soldiers. J Nerv Ment Dis 2015; 203(1): 48-53. mehr lesen
- Bryan CJ, Cukrowicz KC, West CL, Morrow: Combat experience and the acquired capability for suicide. Journal Of Clinical Psychology 2010; 66 (10): 1044–1056. mehr lesen
- Bryan CJ, Griffith JE, Pace BT, et al.: Combat Exposure and Risk for Suicidal Thoughts and Behaviors Among Military Personnel and Veterans: A Systematic Review and Meta-Analysis. Suicide Life Threat Behav. 2015; 45(5): 633-649. mehr lesen
- Bryan CJ, Hernandez AM, Allison S, Clemans T: Combat exposure and suicide risk in two samples of military personnel. J Clin Psych 2012; 69(1): 64–77. mehr lesen
- Bullman T, Schneiderman A: Suicide risk among US Peacekeepers serving in the Bosnia and Kosovo Theater 1996–2002; Am J Epidem 2019; 188(10): 1768–1773. mehr lesen
- Castro CA, Kintzle S: Suicides in the Military: The Post-Modern Combat Veteran and the Hemingway Effect. Curr Psych Rep 2014; 16 (8). mehr lesen
- Chu C, Stanley IH, Hom MA, et al.: Deployment, Mental Health problems, suicidality, and use of mental health services among military personnel. Mil Beh Health 2016; 4(3): 243–250. mehr lesen
- Fanning JR, Pietrzak RH: Suicidality among older male veterans in the United States: Results from the National Health and Resilience in Veterans Study. J Psych Res 2013; 47(11): 1766–1775. mehr lesen
- Frankfurt S, Frazier P: A review of research on moral injury in combat veterans. Mil Psychol 2016; 28(5): 318–330. mehr lesen
- Freud S: Trauer und Melancholie. Gesammelte Werke 2017, Band X: 428-446. mehr lesen
- Helms C, Wertenauer F, Spaniol KU, et al. GD: Suicidal behavior in German military service members: An analysis of attempted- and completed suicides between 2010 and 2016. PLOS ONE 2019; 16 (8): e0256104. mehr lesen
- Hoge CW, Auchterlonie JL, Milliken CS: Mental health problems, use of mental health services, and attrition from military service after returning from deployment to Iraq or Afghanistan. JAMA 2006; 295(9): 1023-1032. mehr lesen
- Inoue C, Shawler E, Jordan CH. Jackson CA: Veteran and military mental health issues. StatPearls 2021. mehr lesen
- Joiner TE: Why people die by suicide. Cambridge, MA: Harvard University Press 2005.
- Kessler RC, Stein MB, Bliese PD, et al.: Occupational differences in US Army suicide rates. Psychol Med 2015; 45(15): 3293–3304. mehr lesen
- LeardMann CA, Matsuno RK, Boyko EJ, et al. ; Association of combat experiences with suicide attempts among active-duty US Service members. JAMA Network Open 2021: 4(2): e2036065. mehr lesen
- LeardMann CA, Powell TM, Smith TC, et al.: Risk factors associated with suicide in current and former US military personnel. JAMA 2013; 310(5): 496-506. mehr lesen
- Levi-Belz Y, Greene T, Zerach G: Associations between Moral Injury, PTSD Clusters, and Depression among Israeli Veterans: A Network Approach. European Journal of Psychotraumatology 2020; 11(1): 1736411. mehr lesen
- Maguen S, Metzler TJ, Bosch J, et al.: Killing in combat may be independently associated with suicidal ideation. Depress Anxiety 2012; 29(11): 918-923. mehr lesen
- Mann JJ, Brent DA, Arango V: The neurobiology and genetics of suicide and attempted suicide: a focus on the serotonergic system. Neuropsychopharmacology 2001; 24(5): 467–477. mehr lesen
- Na PJ, Schnurr PP, Pietrzak RH: Mental health of U.S. combat veterans by war era: Results from the National health and Resilience in veterans study. J Psych Res 2022; 158: 36–40. mehr lesen
- Nichter B, Hill M, Norman S, et al.: Impact of specific combat experiences on suicidal ideation and suicide attempt in U.S. military veterans: Results from the National Health and Resilience in Veterans Study. J Psych Res 2020; 130: 231–239. mehr lesen
- Ruiz F, Burgo-Black L, Hunt SC, et al.: A practical review of suicide among veterans: Preventive and proactive measures for Health Care institutions and providers. Public Health Reports 2022; 138(2): 223–231. mehr lesen
- Sareen J, Cox BL, Afifi TO, et al.: Combat and Peacekeeping Operations in relation to prevalence of mental disorders and perceived need for mental health care: Findings from a large representative sample of military personnel. Arch Gen Psychiatry. 2007; 64(7): 843-852 mehr lesen
- Schoenbaum, M, Kessler RC, Gilman SE, et al.: Predictors of suicide and accident death in the Army study to assess risk and resilience in servicemembers (Army STARRS). JAMA Psychiatry 2014; 71 (5): 493-503. mehr lesen
- Stack S: Suicide: a 15-year review of the sociological literature. Part I: cultural and economic factors. Suicide Life Threat Behav 2000; 30(2), 145–162. mehr lesen
- Ursano RJ, Colpe LJ, Heeringa SG: The Army study to assess risk and resilience in dervicemembers (Army STARRS). Psychiatry 2014; 77(2): 107-119. mehr lesen
- Ursano RJ, Heeringa SG, Stein MB, et al.:: Prevalence and correlates of suicidal behavior among new soldiers in the U.S. Army: Results from the Army Study to assess Risk and Resilience in Servicemembers (ARMY STARRS). Depress Anxiety 2014; 32 (1): 3-12. mehr lesen
- Ursano RJ, Mash HBH, Kessler RC, et al.: Factors associated with suicide ideation in US army soldiers during deployment in Afghanistan. JAMA Network Open 2020; 3(1): e1919935. mehr lesen
- Walker LE, Poltavskiy E, Howard JT: Suicide attempts and mental health diagnoses in combat‐injured service members: A retrospective cohort study. Suicide Life-Threat Behav 2022; 53(2): 227–240. mehr lesen
- Willmund GD, Wertenauer F, Zimmermann PL, et al.: Suicidal behavior in German military service members: An analysis in Suicide and Life-Threatening Behavior. Suicide Life Threat Behav 2018; 48(3): 312–320. mehr lesen
- Willmund GD, Zimmermann PL, Wertenauer, et al.: Posttraumatische Belastungsstörung und suizidales Verhalten bei deutschen Soldaten: Ergebnisse aus dem Suizidregister. WMM 2018; 62(12): 496–504.
- Wittchen HU, Schönfeld S, Kirschbaum C, et al.: Traumatic experiences and posttraumatic stress disorder in soldiers following deployment abroad: how big is the hidden problem? Dtsch Arztebl Int 2012; 109(35-36): 559-68. mehr lesen
- Wong A, Escobar M, Lesage A: Are UN Peacekeepers at risk for suicide? Suicide Life Threat Behav 2001; 31(1): 103–112. mehr lesen
- World Health Organization (WHO): International Classification of Diseases for Mortality and Morbidity Statistics (11th Revision). , letzter Aufruf 27. Januar 2025. mehr lesen
- World Health Organization (WHO): Suicide worldwide in 2019: Global health estimates. Geneva: WHO, 2021. , letzter Aufruf 27. Januar 2025. mehr lesen
Manuskriptdaten
Zitierweise
Nolepa N, Helms C, Alliger-Horn C, Willmund G: Psychische Belastungen, Einsätze und Suizidalität im militärischen Kontext: Eine systematische Analyse von Einflussfaktoren. WMM 2025; 69(4): 154-160.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-442
Für die Verfasser
Natalie Nolepa
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Psychotraumazentrum der Bundeswehr
Scharnhorststraße 13, 10113 Berlin
E-Mail: natalie.nolepa@student.medicalschool-berlin.de
Manuscript Data
Citation
Nolepa N, Helms C, Alliger-Horn C, Willmund G: [Psychological strain, deployments, and suicidality in the military context: a systematic analysis of influencing factors.] WMM 2025; 69(4): 154-160.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-442
For the Authors
Natalie Nolepa
Bundeswehr Hospital Berlin
Bundeswehr Center for Psychotraumatology
Scharnhorststraße 13, D-10113 Berlin
Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in den Streitkräften
Eating, Weight and Body Image Disorders in the Armed Forces
Hubertus Himmericha,b, Inga Schalinskic, Natalie Nolepab,d, Gerd-Dieter Willmundb, Peter Lutz Zimmermanne
a King’s College London, Centre for Research in Eating and Weight Disorders (CREW)
b Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotraumatologie
c Universität der Bundeswehr München, Institut für Psychologie
d MSB Medical School Berlin
e Bundesministerium der Verteidigung, Berlin
Zusammenfassung
Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen sind im militärischen Kontext relevant, da sie nicht nur die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten betreffen, sondern auch die Einsatz- und Rekrutierfähigkeit beeinflussen. Diese narrative Übersichtsarbeit fasst wesentliche nationale und internationale Aspekte dieser Thematik zusammen.Soldatinnen sind eher von Essstörungen oder einer körperdysmorphen Störung mit Gewichts- und Figurproblemen betroffen, während männliche Soldaten stärker zu Adipositas und Muskeldysmorphie neigen. Die hohe Adipositasprävalenz in der Bevölkerung erschwert die Rekrutierung und führt dazu, dass viele Soldaten und Soldatinnen zunächst abnehmen, um die Musterung zu bestehen, danach jedoch unter einem Jojo-Effekt mit erneuter Gewichtszunahme leiden. Militärspezifische Risikofaktoren für Ess- und Gewichtsstörungen umfassen Versetzungen und lange Pendelwege, begrenzte Auswahl an Nahrungsmitteln, eingeschränkte Möglichkeiten zur körperlichen Aktivität bei Einsätzen (z. B. bei der Marine), Stress, Traumaexposition und posttraumatische Belastungsstörung.
Arbeitsmedizinische Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Ess- und Gewichtsstörungen umfassen Früherkennung, Entstigmatisierung und Förderung eines gesunden Maßes an körperlicher Aktivität. Führungskräfte können dabei durch ihre Vorbildfunktion einen wichtigen Beitrag leisten, beispielsweise indem sie eine gesunde Lebensweise vorleben, körperliche Aktivität im Arbeitsalltag aktiv unterstützen und zur Entstigmatisierung beitragen.
Aktuell fehlen randomisierte und kontrollierte Studien (RCTs) zur Behandlung von Essstörungen, körperdysmorpher Störung und Muskeldysmorphie im militärischen Kontext. RCTs zur Behandlung der Adipositas in den Streitkräften legen die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität, Diätberatung, kognitiver Verhaltenstherapie und strukturiertem Monitoring von Körpergewicht, Bauchumfang und Körperzusammensetzung nahe.
Schlüsselwörter: Essstörungen, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung, Adipositas, körperdysmorphe Störung, Streitkräfte
Summary
From a military perspective, eating, weight, and body image disorders are highly relevant as they affect health, operational capability, and recruitment of military personnel. This narrative review summarizes the national and international aspects of this topic. Female soldiers are more likely to suffer from eating disorders or body dysmorphic disorder with weight and shape problems. In contrast, male soldiers are more prone to obesity and muscle dysmorphia. The high prevalence of obesity in the general population leads to recruitment problems. If soldiers lose weight to pass the initial medical examination, weight cycling and weight gain often follow. Military-specific risk factors for eating and weight disorders include deployment and commuting, limitations in food choices and physical activity during deployments (e. g., in the Navy), stress, trauma, and post-traumatic stress disorder.
Occupational health measures against eating and weight disorders include early detection, destigmatization, and promotion of a healthy level of physical activity. The role model function of military leaders can contribute significantly to the latter.There are currently no published randomized controlled trials (RCTs) for the treatment of eating disorders, body dysmorphic disorder, and muscle dysmorphia in the military. RCTs for the treatment of obesity in the armed forces suggest the effectiveness of physical activity, dietary counseling, cognitive behavioral therapy, and structured monitoring of body weight, waist circumference, and body composition.
Key Words: eating disorders; anorexia nervosa; bulimia nervosa; binge eating disorder; obesity; body dysmorphic disorder; armed forces
Ziel der Übersichtsarbeit
Die Prävalenz von Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen nimmt weltweit zu [15]. Auch Angehörige der Streitkräfte sind davon betroffen. In dieser Übersichtsarbeit beleuchten wir die Symptome und die Relevanz dieser Erkrankungen für den militärischen Kontext. Da die Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen überlappende Symptome haben und ähnliche therapeutische Ansätze erfordern, werden sie hier gemeinsam betrachtet. Darüber hinaus stellen wir aktuelle Interventionen und Fortschritte in der Forschung und Behandlung vor.
Krankheitsbilder
Essstörungen
Zu den Essstörungen gehören die Anorexia nervosa (AN), die Bulimia nervosa (BN), die Binge-Eating-Störung (BES), die vermeidend/restriktive Essstörung (englisch: Avoidant Restrictive Food Intake Disorder), Pica1 und die Ruminationsstörung [1][48]. Allerdings gibt es bislang kaum nennenswerte Forschung zur vermeidend/restriktiven Essstörung, Pica und Ruminationsstörung im militärischen Kontext.
Die AN zeichnet sich durch ein deutlich zu niedriges Körpergewicht, eine starke Angst vor Gewichtszunahme und eine gestörte Körperwahrnehmung aus. Letzteres bedeutet, dass Patientinnen und Patienten sich selbst als übergewichtig empfinden, obwohl sie untergewichtig sind. Zu den Symptomen der BN gehören wiederkehrende Essattacken, kompensatorische Verhaltensweisen wie Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln sowie ein Selbstwertgefühl, das übermäßig von der eigenen Körperform und dem Körpergewicht abhängt. Bei der BES kommt es zu wiederkehrenden Essanfällen, jedoch ohne kompensatorische Maßnahmen zur Verhinderung einer Gewichtszunahme [1][48].
Innerhalb der Streitkräfte wurde die Prävalenz von Essstörungen bisher am intensivsten im US-Militär untersucht. Dort liegt sie bei Soldatinnen zwischen 5 bis 12 % und bei Soldaten zwischen 0,1 bis 9 %. Im Vergleich dazu liegt die Prävalenz in der Zivilbevölkerung der Vereinigten Staaten bei Frauen nur zwischen 0,9 und 4,9 % und bei Männern lediglich zwischen 0,3 und 4,0 % [5][45]. BN und BES scheinen dabei die häufigsten Essstörungen bei Militärangehörigen zu sein [16].
Das Risiko, eine Essstörung zu entwickeln, ist bei weiblichen Veteranen höher als bei aktiven Soldatinnen. Mögliche Ursachen sind spezielle Risikofaktoren wie kriegsbedingte Traumata, militärische Sexualtraumata, Partnerschaftsgewalt oder Stress im Anpassungsprozess an das zivile Leben [45]. Auch die Prävalenz von Essstörungssymptomen, bei denen noch nicht die vollständige Diagnose einer Essstörung gestellt werden kann, ist in den Streitkräften erhöht. Häufige Essstörungssymptome im militärischen Kontext sind Essanfälle, Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln, Diätpillen und leistungssteigernden Medikamenten wie Amphetaminen, bei denen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust eine häufige Nebenwirkung sind [5][3][19].
Gibt es Hinweise auf das Vorliegen einer Essstörung, sollten diese schnellstmöglich abgeklärt werden. Für die Abschätzung des medizinischen Risikos bei Patientinnen und Patienten mit AN und BN kann die „Medical Emergencies in Eating Disorders (MEED)“-Checkliste verwendet werden [44]. Hierzu siehe Tabelle 1.
Tab. 1: MEED-Checkliste zur Beurteilung des medizinischen Risikos bei Patientinnen und Patienten mit AN und BN [44]: Jedes einzelne Item zeigt ein alarmierend erhöhtes medizinisches Risiko an.
Adipositas und Übergewicht
Die Adipositas ist durch eine übermäßige Fettansammlung im Körper gekennzeichnet, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Laut WHO-Definition liegt eine Adipositas vor, wenn der Body-Mass-Index (BMI) 30 kg/m² oder mehr beträgt. Als Übergewicht gilt ein BMI zwischen 25 und 30 kg/m² [48–50].
Die Adipositas gilt derzeit als die häufigste vermeidbare Todesursache. Weltweit sind mehr als 2,5 Milliarden Menschen übergewichtig und fast eine Milliarde adipös [50]. Prognosen zufolge wird die Zahl der übergewichtigen Menschen bis 2035 auf 4 Milliarden Menschen ansteigen, und jeder vierte Mensch weltweit (fast 2 Milliarden) wird einen BMI von 30 kg/m2 überschreiten und damit adipös sein [50]. Die gesundheitlichen Folgen der Adipositas betreffen das Herz-Kreislauf-, Atmungs-, Magen-Darm-, Muskel-Skelett- und Immunsystem [43].
Es ist schwierig, körperlich fitte Militärangehörige aus einer Bevölkerung mit einer hohen Prävalenz von Übergewicht und Adipositas zu rekrutieren. Zwischen 2003 und 2011 waren 36 % der männlichen und 30 % der weiblichen Bewerber für die Streitkräfte der USA übergewichtig oder adipös, und etwa 17 % der medizinischen Ausschlussentscheidungen bei Bewerbern für das US-Militär waren auf eine Adipositas zurückzuführen [13][30].
Um nicht zu viele potenzielle Rekruten zu verlieren, wurden die BMI-Anforderungen gelockert oder es wurde den Bewerbern ein Abnehmprogramm nahegelegt [29]. Fitness- und Abnehmprogramme vor dem Eintritt in die Streitkräfte berücksichtigen jedoch nicht den Jojo-Effekt, der nach einer Gewichtsabnahme bei Menschen mit Adipositas häufig auftritt. Daher beginnt die erneute Gewichtszunahme oft schon kurz nach der Aufnahme ins Militär.
Zu den relevanten beruflichen Faktoren, die im militärischen Kontext zu Adipositas führen können, gehören Einsätze, Versetzungen, Pendelfahrten sowie Einschränkungen bei der Auswahl von Nahrungsmitteln und körperlicher Bewegung. Dies trifft besonders auf die Marine zu, wo der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und Getränke hoch und der Zugang zu frischen Lebensmitteln sowie zu körperlicher Betätigung begrenzt ist. Im militärischen Kontext kann auch Stress zu Adipositas und psychischen Erkrankungen führen, weshalb die Adipositas häufig mit Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Essanfällen einhergeht [19].
In einer deutschen Studie, an der Wissenschaftler aus dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und dem Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr beteiligt waren, und die zwischen 2010 und 2022 eine Kohorte von etwa 85 000 Soldatinnen und Soldaten (5,4 % Frauen) analysierte, wurde festgestellt, dass der BMI mit der Dienstzeit deutlich anstieg. Die Prävalenz von Übergewicht stieg zwischen 2010 und 2022 von 33 % auf 40 % und die Prävalenz der Adipositas von 4 % auf 6 %. Bei Soldatinnen und Soldaten, die bis zu 2 Jahre bei der Bundeswehr verbrachten, stieg der BMI nur leicht von 23,4 auf 23,8 kg/m². Bei Soldatinnen und Soldaten, die zwischen 2 und 5 Jahren dienten, von 23,6 auf 24,9 kg/m², und bei Soldatinnen und Soldaten, die zwischen 5 und 12 Jahren dienten, von 23,5 auf 26,0 kg/m² [40].
Hinsichtlich des BMI-Anstiegs über die Zeit sei darauf hingewiesen, dass auch in der Allgemeinbevölkerung der BMI mit zunehmendem Lebensalter ansteigt, im Alter von 50 bis 70 Jahren sein Maximum erreicht und nach dem 70. Lebensjahr wieder abfällt [51].
In einer weiteren Studie dieser Arbeitsgruppe, welche Daten der obligatorischen militärischen Gesundheitsuntersuchungen aus den Jahren 2018 bis 2022 nutzte, wurde die Prävalenz der Adipositas bei etwa 43 000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr analysiert. Sie betrug in diesem Zeitraum etwa 18 %. Männliche Soldaten wiesen ein erhöhtes Risiko für eine Adipositas auf. Der Dienst in einer Kampfeinheit verringerte dahingegen das Risiko, adipös zu werden [41][42].
Die Adipositas führt zu körperlichen Fitness- und Gesundheitsproblemen, einem erhöhten Risiko für Muskel- und Skelettverletzungen und zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angst, Substanz- und Alkoholmissbrauch [14]. Im militärischen Kontext wirkt sie sich aber auch negativ auf die Einsatzfähigkeit und das professionelle militärische Erscheinungsbild aus. So äußerte der damalige Generalinspekteur Harald Kujat bereits im Jahr 2002 zur Adipositas in den deutschen Streitkräften:
„Unabhängig von den Spätfolgen des Übergewichts für Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und Bewegungsapparat leiden die Einsatzfähigkeit und das Ansehen der Bundeswehr“ (zitiert nach [39]).
In einer Studie wurde der Zusammenhang zwischen Adipositas und der Verwendungsfähigkeit von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr für den Marsch sowie den Basis-Fitness-Test untersucht. Während nur 9 % der Gesamtgruppe als „nicht verwendungsfähig“ für den Marsch beurteilt wurden, lag der Anteil bei Soldatinnen und Soldaten mit Adipositas bei 16 %. Ebenso wurden 9,4 % der Gesamtgruppe für den Basis-Fitness-Test als „nicht verwendungsfähig“ eingestuft, während bei den Adipositas-betroffenen Soldatinnen und Soldaten etwa 20 % diese Beurteilung erhielten. Beide Zusammenhänge waren statistisch signifikant [47].
Körperdysmorphe Störung und Muskeldysmorphie
Die körperdysmorphe Störung (englisch: Body Dysmorphic Disorder) ist eine Körperwahrnehmungsstörung, die ähnliche Merkmale wie Essstörungen aufweist. Laut DSM-52 handelt es sich jedoch nicht um eine Ess- sondern eine Zwangsstörung [1]. Patientinnen und Patienten mit körperdysmorpher Störung beschäftigen sich stark mit vermeintlichen Mängeln oder Schönheitsfehlern, die für andere nicht wahrnehmbar sind oder geringfügig erscheinen. Zu den sich wiederholenden Verhaltensweisen der Betroffenen gehören häufiges Betrachten im Spiegel, übermäßige Körperhygiene und Strategien zur Verbesserung ihres Aussehens. Eine spezielle Form der körperdysmorphen Störung ist die Muskeldysmorphie. Diese ist durch die Sorge der Betroffenen gekennzeichnet, dass ihr Körper nicht ausreichend muskulös oder stark ist [1]. Die Muskeldysmorphie wird oft als männliches Äquivalent zur AN betrachtet, obwohl auch Männer an einer AN erkranken und Frauen an einer körperdysmorphen Störung leiden können.
Der Militärdienst erfordert ein hohes Maß an körperlicher Fitness, weshalb ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit auf das Körpergewicht und die Körperform gelegt wird. Männliche Militärangehörige haben vor allem ein erhöhtes Risiko für die Muskeldysmorphie und den Konsum von anabolen Medikamenten und Stimulanzien. Weibliche Militärangehörige haben dagegen eine höhere Prävalenz von körperdysmorpher Störung mit Gewichts- und Figurproblemen und gewichtskontrollierendem Verhalten [3].
Bei Soldatinnen und Soldaten sind eine Überbetonung von körperlichem Erscheinungsbild und Fitness sowie übermäßiger Sport als Mittel zur Stressbewältigung und zur Kompensation eines geringen Selbstwertgefühls oft Risikofaktoren, die bereits vor dem Eintritt in das Militär bestehen. Deshalb ist das militärische Umfeld wahrscheinlich eher als aufrechterhaltender und nicht als ursächlicher Faktor für eine körperdysmorphe Störung oder eine Muskeldysmorphie anzusehen [3].
RED-S-Syndrom
Eine unzureichende Energiezufuhr im Verhältnis zu einem hohen Energieverbrauch durch übermäßige körperliche Aktivität führt zu einer geringen Energieverfügbarkeit, und eine chronisch negative Energiebilanz kann bei Sportlern zu Gesundheitsschäden führen. Dieses Syndrom wurde 2014 vom Expertengremium des Internationalen Olympischen Komitees als relatives Energiedefizit im Sport (Relative Energy Deficiency in Sports, RED-S)-Syndrom eingeführt [31]. Die Folgen von RED-S sind gesundheitliche Konsequenzen und Leistungseinbrüche [10].
Beim RED-S-Syndrom hängt der Gewichtsverlust jedoch weder mit einem restriktiven Essverhalten wie bei der AN noch mit der Vermeidung bestimmter Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen wie bei der vermeidend/restriktiven Essstörung zusammen. Das RED-S-Syndrom wurde bislang nicht in das DSM-5 oder ICD-11 aufgenommen.
Militärangehörige erleben während ihres Trainings oder während ihrer Einsätze Phasen mit einem erheblichen Energiedefizit, was sich auf die endokrine und metabolische Funktion, die Menstruation, die Knochengesundheit, die Immunfunktion, die Magen-Darm-Gesundheit, die Stimmung sowie die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit auswirken kann [34].
Allgemeine und militärische Risikofaktoren
Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit gelten als bedeutende Risikofaktoren für Essstörungen und Adipositas [2][37]. Bei Personen mit Essstörungen und Adipositas sind solche belastenden Kindheitserfahrungen auch mit einem höheren Risiko für weitere psychiatrische Erkrankungen assoziiert [4]. Studien deuten darauf hin, dass belastende Kindheitserfahrungen bei Militärangehörigen zu verminderter Lebensqualität, erhöhter Suizidalität, vermindertem Wohlbefinden und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Essstörungen, Adipositas und posttraumatischer Belastungsstörung führen [24].
Eine posttraumatische Belastungsstörung ist auch ein bekannter Risikofaktor für die Adipositas [36]. Interessanterweise ist die posttraumatische Belastungsstörung mit strukturellen und funktionellen Veränderungen in Gehirnbereichen wie dem präfrontalen Kortex, dem Hypothalamus, der Amygdala und dem Hippocampus verbunden. Diese Gehirnbereiche sind auch mit der Entwicklung von Essstörungen und Adipositas assoziiert [19], was auf eine gemeinsame Vulnerabilität hinweist.
Des Weiteren gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die Risikofaktoren darstellen, zum Beispiel die Einnahme leistungssteigernder und das Aussehen verbessernder Medikamente oder die Verwendung von Abführmitteln oder Diuretika [3].
Berufliche Risikofaktoren sind fehlende Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung bei Militärangehörigen, insbesondere bei solchen, die Büroarbeit verrichten oder bei Matrosen auf Schiffen, sowie der eingeschränkte Zugang zu frischen Lebensmitteln bei Einsätzen oder langes Pendeln und häufige Umzüge [19].
Die Abbildung 1 fasst die genannten Risikofaktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in den Streitkräften zusammen.
Abb. 1: Risiken für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in den Streitkräften.
Arbeitsmedizinische Maßnahmen
Bei der Prävention und Früherkennung können arbeitsmedizinische Maßnahmen helfen. Bei den regelmäßigen medizinischen Untersuchungen sollte überprüft werden, ob Hinweise auf Essstörungen oder das Vorliegen einer Adipositas bestehen. Anamnestische Hinweise sind Erbrechen und Laxanzienmissbrauch sowie eine übermäßige oder nicht ausreichende körperliche Aktivität. Bei medizinischen Routineuntersuchungen sollten Körpergewicht, Körpergröße, Puls, Blutdruck, Bauch- und Hüftumfang gemessen werden. Bei Laboruntersuchungen können niedrige Kaliumwerte auf Erbrechen, Laxanzien- bzw. Diuretikamissbrauch oder übermäßigen Sport hindeuten, während niedrige Leukozytenzahlen typische Folgen eines restriktiven Essverhaltens mit Mangelernährung bei der AN darstellen [23]. Erhöhte Leberwerte und Veränderungen metabolischer Parameter sind für eine Adipositas typisch.
Es sollte eine Reduktion der Gewichtsstigmatisierung erfolgen, damit die Probleme akzeptiert werden und Veränderungen im Arbeitsumfeld geschaffen werden können [35]. Dazu gehört auch ein gesundes Maß an körperlicher Aktivität [11][19].
Dienstsport, Betriebliches Gesundheitsmanagement und militärische Führung
In der Bundeswehr ist Sport während und außerhalb der Arbeitszeit erwünscht. Mit Dienstsport und dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) existieren Möglichkeiten zum Erhalt und zur Förderung der körperlichen Gesundheit [6]. Soldatinnen und Soldaten können mindestens vier Trainingseinheiten pro Woche Dienstsport treiben [7].
Die Bundeswehr bietet seit der Einführung des BGM allen Bundeswehrangehörigen zudem die Möglichkeit, bis zu zwei Stunden pro Woche an gesundheitsförderlichen Maßnahmen während der Dienstzeit teilzunehmen. Diese reichen von Bewegungsangeboten bis zu Ernährungs-, Sucht- und Stressbewältigungsseminaren [9].
Führungskräfte, die selbst körperlich aktiv sind, können Vorbild für unterstellte Soldatinnen und Soldaten sein und andere zu einem hohen Maß an körperlicher Fitness motivieren [28]. Führungskräfte sollten körperliche Aktivität im Arbeitsalltag unterstützen und zur Entstigmatisierung beitragen.
Im Jahr 2011 wurde in der Bundeswehr die Gesundheits- und Fitnessinitiative (GFI) eingeführt. Diese wurde an einer Bundeswehrdienststelle mit 1 010 Mitarbeitenden, die überwiegend Schreibtischtätigkeiten ausübten, über 12 Monate durchgeführt [25]. Das Programm umfasste neben Dienstsport und BGM-Maßnahmen auch Angebote für Sportkurse, Ernährungsberatung, Wissensvermittlung und medizinische Gesundheits- und Fitnessuntersuchungen. Zu Beginn der GFI nahmen 490 der eingeladenen 1.010 Mitarbeiter (48,5 %) teil. Bei Studienende, das war nach einem Jahr, betrug die Teilnehmerzahl nur noch 180 Personen (17,8 %). Die Studienteilnehmenden berichteten von positiven Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihr Gesundheitsbewusstsein, ihre Leistungsfähigkeit, ihr Wohlbefinden, ihr Stressempfinden sowie ihr Bewegungs- und Ernährungsverhalten. Trotz guter Rahmenbedingungen und eines großen Personalaufwands wurde in dieser Modellstudie also keine nachhaltige und umfassende Mitarbeitertbeteiligung erzielt [25].
Behandlungsmaßnahmen
Behandlung der Essstörungen
Trotz der hohen Relevanz dieser Störungen existieren bislang keine randomisierten und kontrollierten Behandlungsstudien (RCTs) für Essstörungen in den Streitkräften. Die generellen Behandlungselemente umfassen Psychoedukation und Selbsthilfe. Für die Behandlung der AN, BN und BES sind Ernährungsrehabilitation, Monitoring der körperlichen Gesundheit und Psychotherapie von zentraler Bedeutung. In bestimmten Fällen kann auch eine pharmakologische Behandlung erwogen werden [18][33]. Für spezifische pharmakologische Empfehlungen wird auf die Leitlinie der World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) für Essstörungen verwiesen [21].
Für die Zukunft wird erwartet, dass Neuromodulation, innovative Psychopharmakologie zur Unterstützung der Psychotherapie sowie Mikrobiom-basierte Therapien eine zentrale und zunehmend bedeutende Rolle in der Essstörungsbehandlung einnehmen werden [20]. Zusätzlich kann die Diagnostik von Risikofaktoren, sowohl allgemein als auch militärspezifisch, dazu beitragen, Behandlungsansätze zu personalisieren und zur Entwicklung neuer Behandlungsansätze beitragen.
Behandlung von Adipositas und Übergewicht
Im Gegensatz zu den Essstörungen existieren für die Behandlung der Adipositas in den Streitkräften RCTs, auf deren Grundlage Gravina et al. eine Metaanalyse durchführen konnten [17]. Basierend auf dieser Metaanalyse können körperliche Aktivität, Ernährungsberatung, kognitive Verhaltenstherapie und strukturiertes Monitoring von Körpergewicht, Bauchumfang und Körperzusammensetzung für Militärangehörige mit Adipositas empfohlen werden [17].
In der Bundeswehr wird seit 2001 federführend am Sportmedizinischen Institut der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit den Truppenärzten das Adipositas-Interventionsprogramm der Bundeswehr (AiPBw) angeboten [8][39]. Dieses ermöglicht zunächst eine Gewichtsreduktion mit anschließender Stabilisierungsphase. Eine retrospektive Kohortenstudie an 1 090 AiPBw-Teilnehmenden von 2001 bis 2011 zeigte eine signifikante Verbesserung von Körpergewicht, BMI, Taillenumfang, Blutdruck und Ergometrieleistung. Der mittlere BMI der Teilnehmer war 33, ± 4,8 kg/m². Nach 12 Monaten zeigten die Teilnehmenden eine statistisch signifikante Gewichtsreduktion von 3,5 ± 5,8 kg und einen Anstieg der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ob diese Gewichtsreduktion auch klinisch signifikant ist, war für die Wissenschaftler fraglich. Die Abbrecherquote war hoch. Nur 63,7 % der Teilnehmenden waren nach 6 Monaten, 43,0 % nach 12 Monaten, 32,2 % nach 18 Monaten und 19,6 % nach 24 Monaten noch im Programm [38].
In Zukunft werden die Glucagon-Like Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptoragonisten (z. B. Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid) voraussichtlich eine zentrale Rolle in der Behandlung der Adipositas sowie der damit assoziierten psychischen und körperlichen Erkrankungen einnehmen [22].
Bei Versagen von psychotherapeutischen und pharmakologischen Interventionen können bariatrisch-chirurgische Therapien in Erwägung gezogen werden. Innerhalb der Bundeswehr bietet die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin eine bariatrische Sprechstunde an. Weitere Fachuntersuchungsstellen für Adipositas finden sich in den Abteilungen für Innere Medizin der Bundeswehrkrankenhäuser Berlin, Hamburg, Koblenz, Ulm und Westerstede.
Behandlung von körperdysmorpher Störung, Muskeldysmorphie und RED-S
Zur Behandlung der körperdysmorphen Störung und der Muskeldysmorphie liegen keine RCTs in militärischen Populationen vor. Allgemein wird eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen, die eine kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler perfektionistischer und egosyntonischer Überzeugungen umfasst, sowie dialektische Verhaltenstechniken und eine Behandlung mit selektiven Serotoninrückaufnahmehemmern (SSRIs) [12].
Die Behandlung des RED-S-Syndroms umfasst das Monitoring der körperlichen Gesundheit sowie die Etablierung einer gesunden Ernährung und angemessene körperliche Aktivität [10]. Für das medizinische Management steht das RED-S Clinical Assessment Tool [32] zur Verfügung. Dieses Instrument müsste jedoch für den militärischen Kontext angepasst werden, da Training und Einsatz hier nicht wie im Leistungssport aus klar definierten Einheiten körperlicher Aktivität bestehen [46].
Tabelle 2 gibt einen Überblick zur Behandlung der Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen.
Tab. 2: Checkliste zur Behandlung der Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in der deutschen Bundeswehr. Details siehe Text.
Diskussion
Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in den Streitkräften wie Essstörungen, Adipositas, körperdysmorphe Störung, Muskeldysmorphie und RED-S-Syndrom sind aufgrund epidemiologischer, psychosozialer, verhaltensbezogener und beruflicher Faktoren ein wachsendes Problem innerhalb der Streitkräfte. Im Militär gab es bisher nur RCTs zur Adipositas, nicht aber zu den anderen hier beschriebenen Störungen.
Unser Übersichtsartikel fokussierte sich auf die aktiven Streitkräfte. Bei Veteranen bestehen allerdings im Hinblick auf Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen noch größere Probleme [26][27]. Trotz verschiedener Initiativen (Dienstsport, BGM, AiPBw, GFI) steigt die Adipositasprävalenz in der Bundeswehr [41][42]. Dies könnte dafür sprechen, dass die derzeitig verfügbaren Präventionsinstrumente für eine effektive Gesundheits- und Fitnessförderung nicht ausreichen [25], was vor dem Hintergrund einer zunehmenden Wichtigkeit der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung besorgniserregend ist. Unzureichende Gesundheitsförderung und Behandlung von Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen im militärischen Kontext könnten langfristig sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Einsatzbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten beeinträchtigen, was negative Auswirkungen auf die Verteidigungsfähigkeit und das Image der Bundeswehr haben könnte.
Interessenskonflikte
H.H. erhält einen finanziellen Beitrag zu seinem Gehalt vom National Institute for Health and Care Research (NIHR) Biomedical Research Centre (BRC) am South London und Maudsley NHS Foundation Trust (SLaM) und am King’s College London (KCL). Außerdem gibt er eine finanzielle Forschungsförderung durch das UK Medical Research Council (MRC) für eine doppelblinde, randomisierte, kontrollierte Machbarkeitsstudie für die Therapie mit oralem Ketamin bei Patientinnen und Patienten mit AN und Depression an. Diese Studie wird im Mai 2025 beginnen. Alle anderen Autoren erklären keinen Interessenskonflikt.
Literatur
- American Psychiatric Association: Diagnostic and statistical manual of mental disorders. 5th ed. Washington, USA: American Psychiatric Press., 2013. mehr lesen
- Amiri S, Sabzehparvar M: Childhood maltreatment and the risk of eating disorders: a meta-analysis of observational studies. Neuropsychiatr 2024; Epub ahead of print; , letzter Aufruf 5. Februar 2025. mehr lesen
- Applewhite B, Olivola M, Tweed C, Wesemann U, Himmerich H: Body dysmorphic disorder, muscle dysmorphia, weight and shape dissatisfaction and the use of appearance-enhancing drugs in the military: a systematic review. BMJ Mil Health 2024; 170: 255-266. mehr lesen
- Bakalar JL, Barmine M, Druskin L, et al.: Childhood adverse life events, disordered eating, and body mass index in US Military service members. Int J Eat Disord 2018; 51(5): 465-469. mehr lesen
- Bodell L, Forney KJ, Keel P, Gutierrez P, Joiner TE: Consequences of making weight: A review of eating disorder symptoms and diagnoses in the United States Military Clin Psychol (New York) 2014; 21(4): 398-409. mehr lesen
- Bundesministerium der Justiz: § 17a Gesunderhaltungspflicht und Patientenrechte. In: Bundesministerium der Justiz (Hrsg.): Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten in der Fassung vom 20. August 2021. mehr lesen
- Bundesministerium der Verteidigung: A1–224/0–1 Sport und Körperliche Leistungsfähigkeit. Version 1.2 vom 02.11.2017. mehr lesen
- Bundesministerium der Verteidigung: Leitfaden Gewichtsabnahme und Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit – Das Handbuch zum “Adipositas-Interventionsprogramm Bw”. Fü San I 1, Bonn 2003, 3. Auflage
- Bundeswehr: Das Betriebliche Gesundheitsmanagement. , letzter Aufruf 15. Dezember 2024. mehr lesen
- Cabre HE, Moore SR, Smith-Ryan AE, Hackney AC: Relative energy deficiency in sport (RED-S): Scientific, clinical, and practical implications for the female athlete. Dtsch Z Sportmed 2022; 73(7): 225-234. mehr lesen
- Coudevylle GR, Ginoux C, Sinnapah S, Bouchard JP: The benefits of physical activity in the workplace for maintaining employee health. Rev Infirm 2024; 73[298]: 36-38. mehr lesen
- Cunningham ML, Griffiths S, Mitchison D, et al.: Muscle Dysmorphia: An overview of clinical features and treatment options. J Cogn Psychother 2017; 31(4): 255-271. mehr lesen
- Defense Health Agency: Defense health board falls church United States. DHB implications of trends in obesity and overweight for the DoD - Fit to fight fit for life. , letzter Aufruf 9. Dezember 2024. mehr lesen
- Fogelholm M, Malmberg J, Suni J, et al.: Waist circumference and BMI are independently associated with the variation of cardio-respiratory and neuromuscular fitness in young adult men. Int J Obes 2006; 30(6): 962-969. mehr lesen
- Galmiche M, Déchelotte P, Lambert G, Tavolacci MP: Prevalence of eating disorders over the 2000-2018 period: a systematic literature review. Am J Clin Nutr 2019; 109(5): 1402-1413. mehr lesen
- Gaviria D, Ammerman A: Eating disorders and disordered eating in servicemen and women: A narrative review. J Clin Psychol 2023; 79(2): 316-373. mehr lesen
- Gravina D, Keeler JL, Akkese MN, et al.: Randomized controlled trials to treat obesity in military populations: A systematic review and Meta-Analysis. Nutrients 2023; 15(22): 4778. mehr lesen
- Herpertz S, Hagenah U, Vocks S, et al.: German Society of Psychosomatic Medicine and Psychotherapy; German College for Psychosomatic Medicine: The diagnosis and treatment of eating disorders. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(40): 678-685. mehr lesen
- Himmerich H, Gravina D, Schalinski I, et al.: Eating- and Weight-Related Disorders in the Armed Forces. Metabolites 2024; 14(12): 667. mehr lesen
- Himmerich H, Keeler JL, Davies HL, et al.: The evolving profile of eating disorders and their treatment in a changing and globalised world. Lancet 2024; 403(10445): 2671-2675. mehr lesen
- Himmerich H, Lewis YD, Conti C, et al.: WFSBP Task Force on Eating Disorders: World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) guidelines update 2023 on the pharmacological treatment of eating disorders. World J Biol Psychiatry 2023; 24: 643-706. mehr lesen
- Himmerich H, McElroy SL: Glucagon-Like Peptide 1 Receptor Agonists in Psychiatry. J Clin Psychopharmacol 2024; 44(3): 207-210. mehr lesen
- Himmerich H, Treasure J: Anorexia nervosa: diagnostic, therapeutic, and risk biomarkers in clinical practice. Trends Mol Med 2024; 30(4): 350-360. mehr lesen
- Kubzansky LD, Bordelois P, Jun HJ, et al.: The weight of traumatic stress: a prospective study of posttraumatic stress disorder symptoms and weight status in women. JAMA Psychiatry 2014; 71(1): 44-51. mehr lesen
- Leyk D, Rohde U, Hartmann ND, et al.: Ergebnisse einer betrieblichen Gesundheitskampagne. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 320-327. mehr lesen
- Littman AJ, Damschroder LJ, Verchinina L, et al.: National evaluation of obesity screening and treatment among veterans with and without mental health disorders. Gen Hosp Psychiatry 2015; 37(1): 7-13. mehr lesen
- Litwack SD, Mitchell KS, Sloan DM, et al.: Eating disorder symptoms and comorbid psychopathology among male and female veterans. Gen Hosp Psychiatry 2014; 36(4): 406-410. mehr lesen
- Lovelace KJ, Manz CC, Alves JC: Work stress and leadership development: the role of self-leadership, shared leadership, physical fitness and flow in managing demands and increasing job control. Hum Res Manag Rev 2007; 17(4): 374-387. mehr lesen
- Manning C: What body composition policies show – and hide – about obesity in the military. War on the Rocks; AUgust 2024; , letzter Aufruf 24. November 2024. mehr lesen
- Mission: Readiness. Too fat to fight. , letzter Aufruf 24. November 2024. mehr lesen
- Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM, et al.: International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med 2023; 57(17): 1073-1097. mehr lesen
- Mountjoy M, Sundgot-Borgen J, Burke, L, et al.: RED-S CAT. Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) Clinical Assessment Tool (CAT). Br J Sports Med 2015; 49(7): 421-423. mehr lesen
- National Institute for Health and Care Excellence: Eating disorders: Recognition and treatment. , letzter Aufruf 24. Oktober 2024. mehr lesen
- O'Leary TJ, Wardle SL, Greeves JP: Energy Deficiency in Soldiers: The Risk of the Athlete Triad and Relative Energy Deficiency in Sport Syndromes in the Military. Front Nutr 2020; 7: 142. mehr lesen
- Phillips J: Weight bias and stigma in healthcare: What are we doing about it? Work 2024; 77(3): 731-733. mehr lesen
- Raise-Abdullahi P, Meamar M, Vafaei AA, et al.: Hypothalamus and Post-Traumatic Stress Disorder: A Review. Brain Sci 2023; 13(7): 1010. mehr lesen
- Rossi E, Cassioli E, Dani C, et al.: The maltreated eco-phenotype of eating disorders: a new diagnostic specifier? A systematic review of the evidence and comprehensive description. Neurosci Biobehav Rev 2024; 160: 105619. mehr lesen
- Sammito S: Das Adipositas-Interventionsprogramm der Bundeswehr. Adipositas - Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 2012; 06(01): 52-54. mehr lesen
- Sammito S, Holtherm C, Lison A: Adipositas-Intervention in der truppenärztlichen Praxis. WMM 2011; 55(11): 262-264. mehr lesen
- Scheit L, End B, Schröder J, et al.: BMI alterations and prevalence of overweight and obesity related to service duration at the German Armed Forces. Healthcare (Basel) 2023; 11(2): 225. mehr lesen
- Scheit L, Schröder J, Will S, et al.: Prevalence of obesity and associated health risks in soldiers of the German Armed Forces. J Occup Med Toxicol 2024; 19(1) : 12. mehr lesen
- Scheit L, Schröder J, Will S, et al.: Prävalenz von Adipositas und damit verbundene gesundheitliche Risikofaktoren bei Soldaten der Bundeswehr. WMM 2024; 68(11): 478-485. mehr lesen
- Schelbert KB: Comorbidities of obesity. Prim. Care 2009; 36(2): 271-285. mehr lesen
- The Royal College of Psychiatrists: Medical Emergencies in Eating Disorders: Guidance on recognition and management (2022, Update October 2023). , letzter Aufruf 24. Oktober 2024. mehr lesen
- Touma DA, Quinn ME, Freeman VE, Meyer EG: Eating Disorders in U.S. Active Duty Military Members and Veterans: A Systematic Review. Mil Med 2023; 188(7-8): 1637-1648. mehr lesen
- Vyas N, Cialdella-Kam L: Comparison of energy and nutrient intake vs. estimated needs in warfighters: An update. Curr Nutr Rep 2020; 9(4): 405-413. mehr lesen
- Willems D, Ghasimi A, Rohde U, Neuhoff I, Andre M: Auswirkungen von „Adipositas“ und „Arterieller Hypertonie“ auf die individuelle Verwendungsfähigkeit. WMM 2023; 67(4): 110-116. mehr lesen
- World Health Organization: ICD-11: International classification of diseases (11th revision). , letzter Aufruf 24. Oktober 2024. mehr lesen
- World Health Organization: Obesity and overweight. , letzter Aufruf 24. November 2024. mehr lesen
- World Obesity Federation: World Obesity Atlas 2023. >, letzter Aufruf 24. November 2024. mehr lesen
- Yang YC, Walsh CE, Johnson MP, et al.: Life-course trajectories of body mass index from adolescence to old age: Racial and educational disparities. Proc Natl Acad Sci USA 2021; 118(17): e2020167118. mehr lesen
1 PICA oder PICA-Syndrom: Essstörung, bei der Menschen Dinge zu sich nehmen, die ungenießbar sind (z. B. Nägel, Holz), als ungenießbar gelten oder als ekelerregend angesehen werden.
2 DSM-5 ist die Abkürzung für die fünfte Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Das DSM-5 ist das dominierende psychiatrische Klassifikationssystem in den USA und spielt dort eine zentrale Rolle bei der Definition von psychischen Erkrankungen.
Manuskriptdaten
Zitierweise
Himmerich H, Schalinski I, Nolepa N, Willmund GD, Zimmermann PL: Ess-, Gewichts- und Körperwahrnehmungsstörungen in den Streitkräften. WMM 2025; 69(4): 161-168.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-440
Für die Verfasser
Oberfeldarzt d. R. Prof. Dr. med. Hubertus Himmerich
Centre for Research in Eating and Weight Disorders (CREW)
Department of Psychological Medicine
Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience
King’s College London
16 De Crespigny Park, London SE5 8AB, UK
E-Mail: hubertus.himmerich@kcl.ac.uk
Manuscript Data
Citation
Himmerich H, Schalinski I, Nolepa N, Willmund GD, Zimmermann PL: [Eating, Weight and Body Image Disorders in the Armed Forces.] WMM 2025; 69(4): 161-168.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-440
For the Authors
Lieutenant Colonel (MC Res) Prof. Dr. med. Hubertus Himmerich
Centre for Research in Eating and Weight Disorders (CREW)
Department of Psychological Medicine
Institute of Psychiatry, Psychology & Neuroscience
King’s College London
16 De Crespigny Park, London SE5 8AB, UK
E-Mail: hubertus.himmerich@kcl.ac.uk