Wehrmedizinische Monatsschrift

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Editorial
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Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Blutversorgung in der Bundeswehr:​ Resilienz im Einsatz und in der Verteidigung



Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Die Entwicklung der Transfusionsmedizin im militärischen Kontext:​ Von experimentellen Ansätzen zur modernen Einsatzlogistik




Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Damage Control Resuscitation







Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Vollbluttransfusion – Status quo der Entwicklungen






Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Die Vollblut-Ausbildung im Sanitätsdienst der Bundeswehr – Konzept,​ Implementierung und Qualifikationsprofil




Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Massivtransfusion im militärischen Kontext


Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Prähospitale Transfusion im zivilen und militärischen Bereich:​ Systematische Evidenzanalyse zu lyophilisiertem Plasma,​ ­Erythrozytenkonzentraten,​ Vollblut und Fibrinogen






Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Transfusionsregister am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zur Erfassung der Langzeitfolgen für Spender und Empfänger von Blutprodukten



Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Die Abteilung Transfusionsmedizin und Hämotherapie am BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz


Tagungen und Kongresse
Sitzung des Arbeitskreises „Geschichte und Ethik der Wehrmedizin“ beim 56.​ Jahreskongress 2025 der DGWMP e.​ V.​ in Papenburg

Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage Juni 2026
Transfusionsmedizin und Hämotherapie PDF

Transfusionsregister am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zur Erfassung der Langzeitfolgen für Spender und Empfänger von Blutprodukten1

Transfusion Registry at the Bundeswehr Hospital Berlin:
Exploring the Long-term Effects of Blood Transfusions and Donations

Jennifer Jerscha,c,2, Katja Schneiderb*, Lorenz Wolfc, Lars Stephand, Amelie Garmattere, Kai Zacharowskia, Michael Benkerc, Rico Müllerd, Benjamin Friedrichsona, Jan Andreas Klokaa, Elina Nürenberg-Golouba

1 Zur besseren Lesbarkeit wird bei Personenangaben überwiegend die maskuline Form (Patient, Soldat usw.) benutzt; angesprochen sind damit alle Geschlechter.

2 Jennifer Jersch und Katja Schneider haben diesen Beitrag in gemeinsamer Erstautorenschaft erstellt.

a Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsmedizin Frankfurt

b Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

cKlinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

d Abteilung Laboratoriumsmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

e Klinik für Innere Medizin, Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Zusammenfassung

Die Transfusion von Blutprodukten hat sich von einer lebensrettenden Akutmaßnahme zu einem breiten therapeutischen und wissenschaftlichen Feld mit komplexen Risiken und Interaktionen entwickelt. Jährlich werden allein in Deutschland Millionen Blutprodukte verarbeitet und Transfusionen verabreicht. Akute Reaktionen sind dank moderner Hämovigilanzsysteme gut dokumentiert, doch zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen fehlen belastbare Daten.

Mit dem digitalen Transfusionsregister der Blood Donor and Recipient Long-Term Outcome Study (LOS) wird am Bundeswehrkrankenhaus Berlin ein multidisziplinäres Langzeitregister etabliert, um die Gesundheitseffekte zu untersuchen und wissenschaftliche Grundlagen für innovative Leitlinien in der Transfusionsmedizin zu schaffen. Dieser Beitrag stellt die wissenschaftliche Grundlage, das Studiendesign sowie die Bedeutung des Registers vor.

Schlüsselwörter: Bluttransfusion, Langzeitfolgen, Hämovigilanz, Blutspender, Registerstudie

Summary

The transfusion of blood products has evolved from a life-saving emergency treatment into a broad therapeutic and scientific field with complex risks and interactions. Annually, millions of blood products are processed and administered in Germany alone. While modern hemovigilance systems effectively document acute reactions, there is a lack of comprehensive data on long-term health effects. The Blood Donor and Recipient Long-Term Outcome Study (LOS) is establishing a multidisciplinary long-term registry at the Bundeswehr Hospital Berlin to examine health outcomes and develop a scientific foundation for new guidelines in transfusion medicine. This article discusses the scientific basis, study design, and importance of the registry.

Keywords: blood transfusion; long-term outcomes; hemovigilance; blood donors; registry study

Einleitung

Bluttransfusionen sind ein essenzieller Bestandteil der modernen Medizin. Die Europäische Union setzt mit dem neuen Gesetz zur Regulierung von Substanzen menschlichen Ursprungs (Substances of Human Origin, SoHO) einen hohen Standard für die Dokumentation aller Prozesse von der Blutspende bis zur Transfusion, um den optimalen Schutz von Spender und Empfänger zu gewährleisten [5]. Heute werden akute Nebenwirkungen von Bluttransfusionen wie febrile nicht hämolytische Reaktionen, transfusionsassoziierte Kreislaufüberlastung (transfusion-associated circulatory overload, TACO) oder transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz (transfusion-related acute lung injury, TRALI) durch nationale Meldepflichten und Hämovigilanzsysteme konsequent erfasst [6]. Allerdings sind bisher die langfristigen Auswirkungen auf Empfänger und Spender weitgehend unerforscht. Epidemiologische Studien zeigen, dass transfundierte Patienten auch nach Jahren im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine höhere Sterblichkeit aufweisen [10]. Für Spender bleiben vor allem Fragen zur Eisenhomöostase sowie zu den physiologischen und psychologischen Langzeitfolgen unbeantwortet.

Ziel dieses Beitrags ist es, den medizinischen Hintergrund für die Langzeituntersuchungen von Spender- und Empfängerpopulationen zu erläutern und die Registry Study for Research of Blood Donor and Recipient Long-Term Outcomes (LOS) vorzustellen, die mit Unterstützung des Bundeswehrkrankenhauses Berlin evidenzbasierte Erkenntnisse generieren soll. Gerade in Krisensituationen, in denen Blut als lebenswichtige Ressource für die Versorgung Verwundeter eine zentrale Rolle spielt, kommt der epidemiologischen Evidenz, der Studienanlage und ihrer Relevanz für das Sanitätspersonal der Bundeswehr besondere Bedeutung zu.

Langzeitwirkungen bei Transfusionsempfängern

Neuere Metaanalysen zeigen, dass perioperative Transfusionen, insbesondere bei Herz- und Thoraxeingriffen, mit einer langfristig erhöhten Mortalität assoziiert sind [16]. In einer Auswertung von 39 Studien mit 180 074 Patienten war die frühe Sterblichkeit bei transfundierten Patienten fast viermal so hoch wie bei nicht transfundierten Patienten (odds ratio, OR 3,87) [16]. Das erhöhte Sterblichkeitsrisiko persistierte auch langfristig; eine Langzeitnachverfolgung von 1–15 Jahren wurde in den berücksichtigten Studien durchgeführt. Nach einem Median von 6,4 Jahren Nachverfolgung war das Risiko, nach einer transfusionspflichtigen Operation zu versterben, noch doppelt so hoch (OR 2,01). Eine schwedische Registerstudie zu gastroösophagealen Tumoren konnte zeigen, dass perioperative Bluttransfusionen mit einem 50 % höheren Sterberisiko innerhalb von drei Jahren einhergingen (hazard ratio, HR 1,50), das auch nach Ausschluss der 30 Tage-Mortalität bestehen blieb (HR 1,30) [3]. Beide Analysen belegen keine Kausalität, da Confounding trotz statistischer Adjustierung nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Exakte Daten zum durchgeführten Eingriff, zur Indikation und zu den Komorbiditäten können diese Wissenslücke auch im Zusammenhang mit Transfusionen schließen.

Neben der Sterblichkeit rücken auch immunologische Komplikationen in den Fokus der Forschung. Alloimmunisierung gegen Erythrozytenantigene kann zu verzögerter Hämolyse, Transfusionsverzögerungen und erhöhter Morbidität führen. Der Aufbau einer Immunantwort hängt von patientenbezogenen Faktoren wie akuter Entzündung, chronischen Erkrankungen und Immunsuppression ab. Fieber, Infektionen und inflammatorische Schübe (z. B. akute Thoraxsyndrome bei Sichelzellanämie) verstärken das Risiko der Alloimmunisierung, während Immunsuppression oder Asplenie es reduzieren. Gleichzeitig spielen Produktfaktoren wie Lagerungsdauer und Leukozytendepletion eine Rolle [1]. Diese Mechanismen verdeutlichen, dass langfristige Beobachtungen über den Transfusionszeitpunkt hinaus sowie detaillierte medizinische Daten und Aufzeichnungen zur Intervention erforderlich sind, um die Auswirkungen von Bluttransfusionen zu verstehen.

Langzeitfolgen bei Blutspendern

Blutspenden sind für viele Menschen ein wiederkehrender Akt altruistischer Fürsorge. Die Sicherstellung der Spendergesundheit ist nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine zentrale Voraussetzung für die nachhaltige Fortführung der Transfusionsmedizin. Dies stellte auch die Weltgesundheitsorganisation nachdrücklich fest [6]. Der „Healthy Donor Effect“ (HDE) beschreibt das Phänomen, dass Blutspender im Durchschnitt gesünder sind als die Allgemeinbevölkerung. Diese Selektion kann jedoch dazu führen, dass potenzielle gesundheitliche Auswirkungen des Blutspendens systematisch unterschätzt werden. Eine skandinavische Kohortenstudie mit über 1,18 Millionen Blutspendern zeigte nach Adjustierung für den HDE eine um 7,5 % reduzierte Mortalität pro zusätzliche jährliche Spende [14]. Hinsichtlich spezifischer Erkrankungen ergab eine chinesische Registerstudie bei männlichen Spendern ein adjustiertes relatives Risiko (RR) für maligne Erkrankungen von 0,82; insbesondere für Leber-, Lungen- und Ösophaguskarzinome wurde ein niedrigeres Risiko beobachtet; das Risiko für Hirntumoren war jedoch leicht erhöht (RR 1,19) [13]. Ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko ließ sich in einer australischen Studie mit über 4 000 Spendern nicht nachweisen [9].

Von besonderer Relevanz für die Spendersicherheit ist die Prävention von Eisenmangel, der häufigsten Folge regelmäßiger Blutspenden [2]. Prämenopausale Spenderinnen sind durch die menstruelle Blutung zusätzlich gefährdet: Starke Menstruationsblutungen waren in einer niederländischen Studie mit 473 prämenopausalen Spenderinnen mit einem 3,56-fach erhöhten Anämierisiko assoziiert [4]. Eine finnische Analyse von 79 157 Spendern nach hämoglobinwertbedingter Rückweisung einer Blutspende ergab, dass 84,5 % der Betroffenen auch bei verlängerten Spendenintervallen keine Hämoglobin-Erholung aufwiesen, wobei Frauen mit 14,4 % eine geringere Erholungsrate aufwiesen als Männer mit 17,6 % [11]. Frauen berichteten zudem häufiger negative Post-Donations-Symptome wie Fatigue und Schwindel (19 % vs. 8 % bei Männern) [12]. Neben physiologischen Faktoren beeinflusst auch die mentale Gesundheit die Spenderkarriere: Spender mit besserer selbstberichteter mentaler Gesundheit wiesen eine höhere Spendenfrequenz auf [8].

Die systematische Quantifizierung physiologischer und psychologischer Risiken und Risikofaktoren ist unerlässlich, um evidenzbasierte Richtlinien für alle Spender, insbesondere für vulnerable Populationen, zu etablieren und alle Patienten langfristig mit lebenswichtigem Blut und Blutprodukten versorgen zu können. Mit der zunehmenden Bedeutung der Warmblutspende, insbesondere in einsatznahen Szenarien, wird die Nachverfolgbarkeit von Spender- und Patientenverläufen zunehmend wichtig. Durch eine systematische Erfassung im Transfusionsregister können mögliche kurz- und langfristige Folgen der Warmblutspende erkannt, bewertet und in evidenzbasierte Spenderrichtlinien überführt werden.

Methodik und Studiendesign des LOS-Registers

Ziele

Ziel der LOS ist es, die Langzeitfolgen von Bluttransfusionen und Blutspenden systematisch zu erfassen und wissenschaftlich zu analysieren. Dazu werden Daten zu Interventionen, Transfusionsindikationen, Blutprodukten, Akutreaktionen, Demografie, Begleiterkrankungen und gesundheitlichen Langzeitparametern (z. B. Verlauf von Schwangerschaften, neu auftretende onkologische und kardiovaskuläre Erkrankungen, neurologische Defizite, Fitness und Fragilität) erhoben. Für Spender sollen wiederholte Spenden, psychische Gesundheit, Ernährung, Aktivität, Lebensqualität, psychosoziale Parameter sowie geschlechtsspezifische Gesundheitsdaten erfasst werden [7].

Aufbau, Ablauf und Datenspeicherung

Das Register ist prospektiv und nicht-interventionell ausgelegt; es werden nationale und internationale Kooperationen angestrebt. Sämtliche Blutspender und Transfusionsempfänger, unabhängig von Alter oder Geschlecht, können nach Einwilligung eingeschlossen werden. Ausschlusskriterien bestehen lediglich bei fehlender Einwilligung [7]. Die Patientendaten werden in einem digitalen System gemäß den Kriterien „Findable, Accessible, Interoperable, Reusable“ (FAIR) verwaltet. Das Transfusionsregister lässt sich im Internet aufrufen; eine zusätzliche Softwareinstallation ist nicht erforderlich. Das medizinische Personal erfasst die Patienten im System und trägt relevante medizinische Daten ein. Die Patienten erhalten zum ersten Mal nach drei Monaten und anschließend jährlich einen Link zu einem Gesundheitsfragebogen. Dieser ist laienverständlich gestaltet und ermöglicht durch Multiple-Choice-Fragen die standardisierte Erfassung von Gesundheitsdaten (Abbildung 1). Für Blutspender ist eine Selbstregistrierung mit regelmäßigen automatisierten Erinnerungen an die Fragebögen vorgesehen.

 

Abb. 1: Aufbau und Ablauf der LOS:
(A) Das medizinische Personal erfasst nach Einwilligung der Patienten essenzielle medizinische Daten in klinischen Episoden während die Patienten ihren Gesundheitszustand regelmäßig in standardisierten Fragebögen schildern.
(B) Die gesammelten Daten können für medizinische und gesundheitsökonomische Forschung und zur Verbesserung der Versorgung genutzt werden.
(C) Die Dokumentensammlung auf der LOS-Website transfusionregistry.org enthält alle wichtigen Vordrucke und umfangreiches Informationsmaterial im PDF-Format (QR-Code). Die Website informiert außerdem Ärzte, Patienten, politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und auch die Öffentlichkeit über die Studie, die Partnerkliniken, die aktuelle EU SoHO Verordnung und viele weitere relevante Themen.

Medizinische und identifizierende Daten der Teilnehmer werden auf Servern der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt getrennt gespeichert und sind durch ein Pseudonym verknüpft. Die pseudonymisierten Daten stehen der Forschung zur Verfügung und werden streng gemäß den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ausgewertet. Die Ärzte einer Klinik können auf die medizinischen Daten ihrer Patienten zugreifen, beispielsweise um den Genesungsprozess nach bestimmten Eingriffen nachzuvollziehen.

Ethik, Governance und Datennutzung

Die LOS hat das positive Ethikvotum der Universitätsmedizin der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Die Studiendokumente (Information und Einwilligung in die Studienteilnahme und zum Datenschutz, Informationsflyer, Datenschutzkonzept) wurden von der Ethikkommission bzw. dem Datenschutzbeauftragten geprüft und den teilnehmenden Zentren zur Verfügung gestellt. Die Datennutzung unterliegt einem gemeinschaftlichen Governance-Modell mit Studienleitung, wissenschaftlichem Beirat und Generalversammlung, an dem sich teilnehmende Studienzentren beteiligen können. Die teilnehmenden Zentren erhalten jährlich umfassende Berichte zu den verwendeten Blutprodukten sowie zu den Patienten. Auch selbständige Forschung an ausgeleiteten Daten ist für die teilnehmenden Kliniken möglich. Dazu prüft der wissenschaftliche Beirat aus Ärzten und Wissenschaftlern das Forschungsvorhaben, um den Schutz und die sinnvolle Nutzung der Patientendaten zu gewährleisten.

Erwartete Ergebnisse und Erkenntnisse

Da sich das Register im Aufbau befindet, liegen noch keine ausgewerteten Daten vor. Basierend auf der vorhandenen Literatur werden folgende Erkenntnisse erwartet:

  • Überlebensraten und Morbidität nach Transfusionen: Die Registerdaten sollen die mögliche Langzeitmortalität quantifizieren und relevante Einflussfaktoren wie Transfusionsindikation, Komorbiditäten, Produktart, Lagerungsdauer und Transfusionsumgebung identifizieren [2][8][16].
  • Immunologische Komplikationen:
    Das Register ermöglicht die prospektive Erfassung der Auswirkungen von Alloimmunisierungen und verzögerten hämolytischen Transfusionsreaktionen. Der Einfluss inflammatorischer Zustände, chronischer Erkrankungen und Produktmerkmale auf die Bildung von Alloantikörpern kann longitudinal untersucht werden [14].
  • Krebs- und Herz-Kreislauf-Risiko bei Spendern:
    Die große Kohorte ermöglicht eine Präzisierung der in China und Australien berichteten Risikoverhältnisse für Tumoren und kardiovaskuläre Erkrankungen [9][13].
  • Wichtige Aspekte der Spendergesundheit wie mentale Gesundheit und Wohlbefinden, Spenderverhalten sowie Reproduktions- und Geschlechtergesundheit können analysiert werden, und gleichzeitig können Spender an der Forschung beteiligt werden [2][4][8][11][12].
  • Qualitätsindikatoren und Benchmarking:
    Durch den Vergleich unterschiedlicher Kliniken lassen sich Qualitätsindikatoren wie die Transfusionshäufigkeit und die Komplikationsrate ableiten. Dies ermöglicht die datenbasierte Optimierung transfu­sionsmedizinischer Prozesse in der Bundeswehr.

Diskussion

Die vorgestellten Studien unterstreichen, dass Bluttransfusionen zwar akut lebensrettend sind, aber langfristige Folgen für Empfänger haben können. Mechanismen wie transfusionsassoziierte Immunsuppression, inflamma­torische Reaktionen und Lagerungsschäden der Erythrozyten könnten zur erhöhten Langzeitsterblichkeit ­beitragen [1]. Die vorliegenden Evidenzen stammen überwiegend aus retrospektiven Registeranalysen; randomisierte Studien fehlen, da Transfusionen meist unumgänglich sind. Eine prospektive Erfassung ermöglicht jedoch, Einflussfaktoren zu kontrollieren und Hypothesen zu formulieren. Für Spender zeigen bisherige Studien heterogene Ergebnisse: Während die Sterblichkeit und das Gesamt-Krebsrisiko tendenziell niedriger sind, könnten bestimmte Tumorarten [13] und Eisenmangel bis hin zur Anämie [11][12] durch häufiges Spenden begünstigt werden. Mentale Gesundheit und Spenderzufriedenheit sind essenziell für eine nachhaltige Transfusionsmedizin. Sie werden jedoch bislang kaum untersucht.

Fazit

Die Einbindung der Bundeswehr eröffnet weitere Perspektiven: Soldaten werden in besonderen Einsatzsituationen transfundiert, sodass das Register auch traumabezogene Langzeitfolgen untersuchen kann. Für das Sanitätspersonal bietet das Register praxisnahe Rückmeldungen zu Transfusionsindikationen, Komplikationen und Outcome, wodurch Fortbildungen und Qualitätsverbesserungen bei der Patientensicherheit unterstützt werden. Auch gesundheitsökonomische Erkenntnisse lassen sich gewinnen, um die Versorgung nachhaltig zu stützen. Dazu müssen die Patienten aufgeklärt und ihre Daten im Transfusionsregister vom medizinischen Personal erfasst werden.

Kernaussagen

  • Gesetzliche Lage:
    Die EU reguliert alle transfusionsrelevanten Prozesse streng und fordert eine 30-jährige Datenaufbewahrung. Die WHO betont den Schutz der Spender.
  • Langzeitrisiken:
    Studien weisen auf eine erhöhte Langzeitsterblichkeit nach Transfusionen hin, deren Ursachen noch unzureichend verstanden sind.
  • Immunologische Komplikationen:
    Alloimmunisierungen hängen von patienten- und produktbezogenen Faktoren ab, Entzündungen erhöhen das Risiko.
  • Spendergesundheit:
    Blutspenden gelten überwiegend als sicher, bestimmte Gruppen profitieren jedoch von individuell angepassten Spenderichtlinien.
  • Digitales Register (LOS):
    Das Register soll mit hohen ethischen und technischen Standards Wissenslücken zu Langzeitfolgen von Transfusionen und Spenden schließen.
  • Bedeutung für die Bundeswehr:
    Es unterstützt Qualitätsverbesserung, evidenzbasierte Entscheidungen und Forschung, vorausgesetzt, mit konsequenter Aufklärung und Datenerfassung.

Literatur

  1. Arthur CM, Stowell SR. The Development and Consequences of Red Blood Cell Alloimmunization. Annu Rev Pathol. 2023;18:537-564. mehr lesen
  2. Didriksen M, Thørner LW, Larsen MAH, Sørensen E, Burgdorf K, Mikkelsen S, et al. The impact of health-related quality of life and depressive symptoms on blood donor career-Results from the Danish blood donor study. Transfusion. 2021;61(5):1479-1488. mehr lesen
  3. Edholm D, Linder G, Hedberg J, Rouvelas I, Johansson J, Lindblad M, et al. Perioperative blood transfusions associated with reduced survival in gastroesophageal cancers - A Swedish population-based study. Eur J Surg Oncol. 2024;50(12):108690. mehr lesen
  4. Ekroos S, Karregat J, Toffol E, Castrén J, Arvas M, van den Hurk K. Menstrual blood loss is an independent determinant of hemoglobin and ferritin levels in premenopausal blood donors. Acta Obstet Gynecol Scand. 2024;103(8):1645-1656. mehr lesen
  5. European Parliament. Regulation (EU) 2024/1938 of the European Parliament und of the Council [Internet]. EU 2024.[Letzter Zugriff 15. März 2026]; verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:32024R1938 mehr lesen
  6. Harvey AR, Basavaraju SV, Chung KW, Kuehnert MJ. Transfusion-related adverse reactions reported to the National Healthcare Safety Network Hemovigilance Module, United States, 2010 to 2012. Transfusion. 2015;55(4):709-718. mehr lesen
  7. Jan K. Registerstudie zur Erforschung der langfristigen Gesundheitsentwicklung von Blutspender*innen und Blutempfänger*innen [Internet]. Deutsches Register Klinischer Studien 2024.[Letzter Zugriff 16. März 2026]; verfügbar unter: https://drks.de/search/de/trial/DRKS00034405 mehr lesen
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  14. Ullum H, Rostgaard K, Kamper-Jørgensen M, Reilly M, Melbye M, Nyrén O, et al. Blood donation and blood donor mortality after adjustment for a healthy donor effect. Transfusion. 2015;55(10):2479-2485. mehr lesen
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  16. Woldendorp K, Manuel L, Srivastava A, Doane M, Bassin L, Marshman D. Perioperative transfusion and long-term mortality after cardiac surgery: a meta-analysis. Gen Thorac Cardiovasc Surg. 2023;71(6):323-330. mehr lesen

Manuskriptdaten

Zitierweise

Jersch J , Schneider K, Wolf L, Stephan L, Garmatter A, Zacharowski K, Benker M, Müller R, Friedrichson B, Kloka JA, Nürenberg-Goloub E. Transfusionsregister am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zur Erfassung der Langzeitfolgen für Spender und Empfänger von Blutprodukten. WMM 2026;70(5):239-243.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-873

Für die Verfasser

Oberstabsarzt Dr. Katja Schneider

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin

E-Mail: katjaschneider@bundeswehr.org

Oberstabsarzt Dr. Jennifer Jersch

Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin

Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin

E-Mail: jenniferjersch@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Jersch J, Schneider K, Wolf L, Stephan L, Garmatter A, Zacharowski K, Benker M, Müller R, Friedrichson B, Kloka JA, Nürenberg-Goloub E. Transfusion registry at the Military Hospital Berlin: Understanding the long-term effects of blood transfusions and donations. WMM 2026;70(5E):9.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-874

For the Authors

Major (MC) Dr. Katja Schneider

Department of General Surgery

Bundeswehr Hospital Berlin

Scharnhorststraße 13, 10115 Berlin

E-Mail: katjaschneider@bundeswehr.org

Major (MC) Dr. Jennifer Jersch

Department of Anesthesiology

Bundeswehr Hospital Berlin

Scharnhorststraße 13, D-10115 Berlin

E-Mail: jenniferjersch@bundeswehr.org

 

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