Wehrmedizinische Monatsschrift

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Inhaltsverzeichnis
Editorial
Editorial
Mehrdimensionalität der ­Resilienz
Die Polykrise als Dauerlage – Mehrdimensionale Resilienz als adaptive Systemfähigkeit








Individuelle Resilienz
Body-Scan und interozeptive Bewusstheit:​ Neuropsychologische ­Perspektive auf Resilienz in Hochbelastungskontexten




Individuelle Resilienz
Pausen als Waffe gegen Stress:​ Warum bewusste Pausen den Raum für gute Entscheidungen schaffen




Individuelle Resilienz
Human Performance am Beispiel des kognitiv-körperlichen Trainings und dessen Bedeutung zur Leistungssteigerung und Verletzungsprävention





Resilienztraining
Resilienz,​ Führung und Achtsamkeit:​ Betriebliche Gesundheitsförderung als zentrales Element der kollektiven Verteidigungsfähigkeit





Resilienztraining
Psychologische Einsatzbereitschaft stärken:​ Implementierung eines Operativen Resilienztrainings in die Einsatzausbildung der Deutschen Marine




Organisationale Resilienz
Netzwerke der Hilfe stärken die Resilienz


Resilienztraining
Wie lässt sich Resilienz in der Bundeswehr trainieren? Vom Modellprojekt zum skalierbaren Ausbildungssystem im betrieblichen Gesundheitsmanagement




Organisationale Resilienz
Arbeitsgestaltung als Resilienzfaktor – Potenziale eines modernen Arbeitsschutzes


Organisationale Resilienz
Organisationale Resilienz im Sanitätsdienst unter disruptiven ­Bedingungen:​ Erkenntnisse aus dem Military Design Thinking ­Workshop „Resilienzverbund+“

Institutionelle Resilienz
Das Democratic Resilience Center – gesamtgesellschaftliche und politische Resilienz:​ Eine universitäre Antwort auf die Polykrise



Tagungen und Kongresse
Bericht über das Enneker Forum Tegernsee 2026

Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage November 2026
Resilienztraining PDF

Psychologische Einsatzbereitschaft stärken:
Implementierung eines Operativen Resilienztrainings in die Einsatzausbildung der Deutschen Marine

Strengthening Psychological Readiness: Implementing Operational Resilience into German Navy Predeployment Training

Andrea Milbrodta

a Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine, Neustadt in Holstein

Zusammenfassung

Moderne militärische Einsätze verlangen neben taktischer, fachlicher und körperlicher Vorbereitung zunehmend eine gezielte psychologische Einsatzbereitschaft (Psychological Readiness). Der Beitrag beschreibt die Entwicklung, Implementierung und das didaktische Konzept eines Operativen Resilienztrainings (ORT), das am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine in die Einsatzausbildung integriert wurde.

Ausgehend von einem international entwickelten Trainingsansatz und Erfahrungen aus der Operation EUNAVFOR ASPIDES wurde ein rund dreieinhalbstündiges Format entwickelt und unmittelbar vor der einsatznahen praktischen Ausbildung in das Führungsseminar eingebunden. Zielgruppe sind die Command Teams der auszubildenden Einheiten, da Führungskräfte sowohl ihre eigene Einsatzbereitschaft als auch die Handlungsfähigkeit ihrer Besatzungen prägen.

Das didaktische Rückgrat ist das Mental Health Continuum als gemeinsames Modell für Selbstwahrnehmung, Kameradenbeobachtung und Führung unter Belastung. Resilienz wird dabei nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Voraussetzung für den Erhalt von Führungs-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Die ersten Erfahrungen aus mehreren Durchgängen sind – auch dank der positiven Resonanz der teilnehmenden Führungskräfte – vielversprechend. Eine wissenschaftliche Evaluation steht noch aus. Der Beitrag zeigt, wie psychologische Einsatzbereitschaft als fester Bestandteil der militärischen Ausbildung verankert werden kann.

Schlüsselwörter: Resilienz; operatives Resilienztraining; psychologische Einsatzbereitschaft; Selbstregulation; Einsatzausbildung; Führung

Summary

Modern military operations increasingly require deliberate psychological readiness alongside tactical, professional, and physical preparation. This article describes development, implementation, and didactic concept of Operational Resilience Training (ORT), which was integrated into pre-deployment training at the German Navy Damage Control Training Centre.

Building on an internationally developed training approach and experience gained during Operation EUNAVFOR ASPIDES, a training format of approximately three and a half hours was developed and integrated into the leadership seminar immediately preceding realistic hands-on training. The target group comprises the command teams of the units under training, as leaders shape both their own readiness and their crews’ operational capability. The Mental Health Continuum serves as the didactic backbone, providing a shared model for self-monitoring, peer observation, and leadership under stress.

Resilience is conceived not as an end in itself but as a prerequisite for maintaining the capacity to lead, decide, and act under pressure. Initial experience across several iterations is encouraging, and acceptance among participating leaders is high. A scientific evaluation is still pending. The article outlines how psychological readiness can be integrated into military training.

Keywords: resilience; operational resilience training; psychological readiness; self-regulation; predeployment training; leadership

Einleitung und Hintergrund

Moderne militärische Einsätze stellen Soldatinnen und Soldaten1 vor komplexe psychische und physische Anforderungen. Hohe Arbeitsdichte, Zeitdruck, Schlafmangel, unvollständige Informationen, dynamische Bedrohungslagen, die Verantwortung für Personal, Material und Auftrag sowie die monatelange Trennung von Familie und dem gewohnten sozialen Umfeld bei eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten prägen den Einsatzalltag. Die Fähigkeit, unter diesen Bedingungen auf hohem Niveau handlungs-, entscheidungs- und führungsfähig zu bleiben, ist von äußerster Bedeutung.

Diese Fähigkeit stützt sich auf mehrere Dimensionen. Während die taktische, fachliche und körperliche Ausbildung bereits auf hohem Niveau steht, hat die psychologische Dimension das Potenzial, das Zusammenwirken der Dimensionen weiter zu verbessern. Das explizite Verständnis der psychologischen Mechanismen, die Leistung unter Belastung tragen, wächst ebenso wie das Wissen über das Potenzial ihrer gezielten Entwicklung – und damit auch ihre systematische Zugänglichkeit. Sie lässt sich strukturiert ausbilden und stellt ein bislang wenig systematisch erschlossenes Potenzialfeld dar. Ihre gezielte Entwicklung folgt damit nicht der Korrektur eines Versäumnisses, sondern dem Anspruch, eine bereits hohe Leistungsfähigkeit weiter zu steigern.

Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit

Der Begriff der Resilienz wird häufig mit psychischer Widerstandsfähigkeit oder mit der Prävention psychischer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Im militärischen Kontext greift dieses Verständnis zu kurz. Resilienz umfasst hier insbesondere die Fähigkeit, unter operativer Belastung die eigene Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten, sich flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und nach Belastungsphasen zielgerichtet zu regenerieren. Sie ist damit kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Anpassungsprozess [13][18] und lässt sich auf den Ebenen von Individuen, Teams und Organisationen betrachten [14][17]. Dieses Verständnis knüpft an den mehrdimensionalen Resilienzbegriff des Leitartikels dieser Ausgabe an [9].

Vor diesem Hintergrund leistet Resilienz einen wesentlichen Beitrag zur psychologischen Einsatzbereitschaft (Psychological Readiness) und stellt eine Voraussetzung für Führungs- und Handlungsfähigkeit unter Einsatzbedingungen dar. Resilienz ist somit kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Erhalt und zur Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit.

Prävention psychischer Belastungsfolgen

Davon zu unterscheiden ist ein zweiter, eigenständiger Begründungsstrang: die Prävention einsatzbedingter psychischer Belastungsfolgen. Die Belastungsfolgen von Auslandseinsätzen sind für die Bundeswehr gut dokumentiert [5][8][19]. Beide Stränge lassen sich über ein gemeinsames Repertoire an Fähigkeiten adressieren: Bereits das ursprüngliche Operational Resilience Training war so angelegt, dass die Fähigkeiten, die im Einsatz die Leistungs- und Handlungsfähigkeit unterstützen, nach dem Einsatz der Erholung und dem Erhalt der Einsatzbereitschaft dienen [1][11]. Ein Training, das Selbstregulation stärkt, kann so die Handlungsfähigkeit unter Belastung erhöhen und zugleich das Risiko dysfunktionaler Belastungsverläufe senken. Für den präventiven Nutzen mentalen Trainings bestehen zudem empirische Hinweise: Ein konsequentes, vorbereitendes Training kann dazu beitragen, das Risiko einsatzbedingter psychischer Verwundungen zu senken, wenngleich die Evidenzlage noch begrenzt ist [3]. Der vorliegende Beitrag rückt die leistungsbezogene Perspektive in den Vordergrund, ohne den präventiven Nutzen zu vernachlässigen.

Vom Konzept zur Realisierung

Während die konzeptionellen Grundlagen der Resilienz breit beschrieben sind, bleibt vielfach offen, wie Resilienz konkret in die militärische Ausbildung überführt werden kann. Genau hier setzt der vorliegende Beitrag an. Er beschreibt die Entwicklung, Implementierung, das didaktische Konzept sowie erste Erfahrungen mit einem operativen Resilienztraining (ORT), das am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (EAZS M) in die Einsatzausbildung integriert wurde, und ordnet diesen Ausbildungsbaustein in die militärische Einsatzvorbereitung ein.

Herkunft und Zielsetzung des Operativen Resilienztrainings

Das Operative Resilienztraining entstand im Kontext des Krieges in der Ukraine. Auf Ersuchen der ukrainischen Streitkräfte nach Ausbildung mentaler Fähigkeiten – von denen sie sich taktische Vorteile erhofften – entwickelten die Joint Medical Services der norwegischen Streitkräfte gemeinsam mit dem Walter Reed Army Institute of Research (WRAIR) das Operational Resilience Training, zugeschnitten auf die Ausbildung ukrainischer Combat Medics [1][11][12]. Ziel war es, Sanitätskräfte an vorderster Front zu befähigen, akute Belastungsreaktionen zu erkennen und zu bewältigen sowie einfache, unmittelbar anwendbare Techniken der psychologischen Selbst- und Kameradenhilfe selbst anzuwenden und in ihre Einheiten zu tragen. Das Programm griff auf die langjährige Resilienzforschung des WRAIR zurück und verband individuelle mit teambezogenen Verfahren zur Stressbewältigung [1].

Inhaltlich sind die vermittelten Fähigkeiten entlang der Phasen Vorbereitung, Leistung und Erholung strukturiert und umfassen unter anderem bewusste Atmung, Aufmerksamkeitssteuerung, Grounding, kognitive Neubewertung und temporale Distanzierung. Sie werden zunächst strukturiert vermittelt, anschließend in Szenarien geübt und schließlich in realitätsnahe Einsatzübungen integriert, in denen Aufgabenbewältigung, Stressregulation und Teamkoordination gleichzeitig gefordert sind [1]. Anders als defizitorientierte Interventionen, die primär auf Symptomreduktion zielen, stärkt das Training die Fähigkeit von Individuum und Team, kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Funktionsfähigkeit trotz Unsicherheit, Schlafmangel, hoher Arbeitslast und potenziell traumatischer Ereignisse aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen [1]. Das ursprüngliche Programm umfasste elf Module mit einem Zeitansatz von 2,5 Tagen.

Übertragung auf die deutsche Marine

Die Übertragung dieses Ansatzes auf die deutsche Marine geht auf die Autorin zurück. Als Stabsoffizierin mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Deutschen Marine und mit Einsatzerfahrung aus sechs Auslandseinsätzen befasst sie sich wissenschaftlich mit psychologischer Resilienz, Selbstregulation, Führung und menschlicher Leistungsfähigkeit in Hochrisikokontexten und entwickelt evidenzinformierte Trainingsansätze zur Stärkung psychologischer Einsatzbereitschaft, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit sowie nachhaltiger Leistungsfähigkeit unter Belastung. Diese Verbindung aus operativer Führungspraxis und wissenschaftlicher Fundierung ermöglicht es, die Anforderungen des Einsatzes mit den psychologischen Grundlagen der Leistungs-, Regulations- und Führungsfähigkeit zu verknüpfen.

Den Ausgangspunkt bildete die Warrior Care Conference im Vorfeld der Invictus Games 2023 (IG23) in Deutschland, für die die Autorin als Single Point of Contact (SPOC) für die Marine und im Protokoll eingesetzt war. Dort stellte Amy Adler (WRAIR) das Operative Resilienztraining vor. Die vermittelten Werkzeuge erwiesen sich als leicht erlernbar, im Krieg erprobt und an die Anforderungen der Marine anschlussfähig. Die Autorin nahm daraufhin Kontakt zu Amy Adler auf, erbat die Unterlagen sowie die Möglichkeit zur Ausbildung und wurde als erste Angehörige der Deutschen Marine im operativen Resilienztraining geschult.

Adaption im Einsatz: EUNAVFOR ASPIDES

Zur Anwendung kam das Training erstmals aus operativer Notwendigkeit während der Operation EUNAVFOR ASPIDES im Jahr 2024 an Bord der HNLMS Karel Doorman. Bereits während der operativen Einweisung im Operational Headquarter in Larissa wurde die psychologische Einsatzbereitschaft ausdrücklich als wesentlicher Erfolgsfaktor hervorgehoben; die Einsatzbedingungen waren durch eine dynamische Bedrohungslage, komplexe multinationale Führungsstrukturen, kurze Reaktionszeiten und hohe Unsicherheit gekennzeichnet. Da die psychologische Einsatzbereitschaft für die erfolgreiche Durchführung des Einsatzes benötigt wurde, verdichtete die Autorin das ursprünglich mehrtägige Programm auf ein etwa dreieinhalbstündiges Format, passte es an die konkreten Anforderungen an und führte es durch – erstmals für das maritime Führungsumfeld, während es zuvor auf die Ausbildung von Sanitätskräften ausgerichtet gewesen war. Teilnehmende berichteten, Techniken unmittelbar in belastenden Einsatzsituationen angewendet und damit konkrete Lagen besser bewältigt zu haben: Die Ausbildung wirkte sich auf die Führung von mehr als tausend Einsatzkräften aus. Damit erbrachte der Einsatz einen überzeugenden Proof of Concept. Eine systematische wissenschaftliche Evaluation erfolgte im Einsatz aufgrund der Gegebenheiten nicht.

Implementierung am Einsatzausbildungszentrum

Nach der Rückkehr aus dem Einsatz und der Versetzung an das Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (EAZS M) entstand die Überlegung, das Training dauerhaft in die Einsatzausbildung zu integrieren. Dafür waren folgende Fragen zu klären:

  • Welche Zielgruppe profitiert am stärksten?
  • Was ist angesichts knapper Ressourcen an Personal und Zeit möglich?
  • An welcher Stelle der Ausbildung ist eine Integration sinnvoll?
  • Welche Inhalte lassen sich im verfügbaren Zeitrahmen vermitteln?
  • Wie gelingt ein nachhaltiger Transfer in die praktische Ausbildung?

Die Entscheidung fiel auf die Einbindung in das Führungsseminar unmittelbar vor Beginn der einsatznahen praktischen Ausbildung.

Das Training richtet sich zunächst ausschließlich an die Command Teams der auszubildenden Einheiten. Dieser Entscheidung liegt eine systemische Wirkannahme zugrunde: Führungskräfte müssen nicht nur ihre eigene Einsatzbereitschaft aufrechterhalten, sondern beeinflussen durch Kommunikations-, Entscheidungs- und Führungsverhalten zugleich Orientierung, Belastung und Handlungsfähigkeit ihrer Besatzungen. Das Training zielt daher nicht primär auf isoliert gestärkte Einzelresilienz, sondern befähigt Führungskräfte, eigene Belastungsreaktionen früh zu erkennen, geeignete Selbstregulationsstrategien anzuwenden und ihre Führungsfähigkeit auch unter hoher Beanspruchung zu erhalten. Dies entspricht einem relationalen Resilienzverständnis, in dem personale Ressourcen erst im Zusammenspiel mit Team und Organisation wirken [9][14], sowie der Bedeutung von Führung als zentralem Hebel der Resilienzförderung [6][10].

Diese Fokussierung folgt der Annahme, dass Führungskräfte das Belastungs- und Leistungsklima ihrer Besatzung maßgeblich prägen. Das eigene Regulationsverhalten wirkt dabei als Modell und Bezugspunkt:

Wer die eigene Anspannung wahrnimmt und steuert, kann auch die Crew unter Belastung stabilisieren, Orientierung geben und deren Handlungsfähigkeit erhalten – eine Koregulation, die die individuelle Selbstregulation auf die Teamebene überträgt.

Das Befinden und das Verhalten von Führungskräften sind eng mit dem affektiven Befinden der Geführten verknüpft [16], und ein tragfähiger Zusammenhalt gilt als wesentlicher Schutzfaktor für die militärische psychische Gesundheit [2]. Die Command Teams sind damit der wirksamste Hebel, um die psychologische Einsatzbereitschaft in der gesamten Einheit unter Beachtung begrenzter Ausbildungsmittel zu verankern.

Ergebnisse: Trainingskonzept und erste ­Erfahrungen

Das aktuelle Training umfasst rund dreieinhalb Stunden und verfolgt vier Lernziele:

  • die Einordnung psychologischer Einsatzbereitschaft als Erfolgsfaktor militärischer Operationen,
  • das Erkennen eigener Belastungsreaktionen,
  • das Wahrnehmen früher Warnsignale bei sich und bei Kameraden sowie
  • die Anwendung ausgewählter Interventionen zum Erhalt von Handlungs-, Entscheidungs- und Führungsfähigkeit unter Belastung.

Es orientiert sich am ursprünglichen ORT, wurde jedoch hinsichtlich des Umfangs, der Zielgruppe und der didaktischen Schwerpunkte an die Rahmenbedingungen der Marine angepasst (Tabelle 1).

Tab. 1: Bausteine des operativen Resilienztrainings und ihre Zielsetzung

Das didaktische Rückgrat ist das Mental Health Continuum. Die hier genutzte, aus dem kanadischen Ursprungsmodell abgewandelte Version [4] bildet die psychische Verfassung entlang von fünf Zuständen ab:

  • optimal einsatzbereit,
  • einsatzbereit,
  • reagierend,
  • belastet und
  • kampfunfähig.

Es dient den Teilnehmenden als gemeinsames Modell zur Einordnung der eigenen Verfassung, zur Selbstbeobachtung und zur Wahrnehmung früher Warnsignale bei Kameraden und bildet zugleich einen gemeinsamen Bezugsrahmen für Kommunikation und Führung unter Belastung. Der Schwerpunkt liegt weniger auf Wissensvermittlung als auf praktisch anwendbaren Selbstregulationsstrategien, die unter Zeitdruck eingesetzt werden können; körpernahe Verfahren zur Wahrnehmung und Regulation innerer Zustände ergänzen die kognitiven Strategien [7].

Die Ausbildung ist in aufeinander aufbauende Schritte gegliedert: Auf eine theoretische Einführung folgt die Vermittlung der einzelnen Instrumente, die anschließend praktisch geübt werden – bewusst in genau den Zusammenarbeitsbeziehungen, in denen die Teilnehmenden später an Bord agieren. Bereits im Seminar werden dadurch konkrete Absprachen getroffen und eingeübt: wer wen unter Belastung wie anspricht und welche gemeinsamen Schlüsselbegriffe genutzt werden. So werden nicht nur individuelle Fähigkeiten trainiert, sondern auch die Zusammenarbeitsbeziehungen im Team unmittelbar gestärkt.

Ein besonderes Merkmal ist die Anbindung an die praktische Einsatzausbildung. Das Training folgt einer gestuften Logik, wie sie bereits das ursprüngliche Programm prägt: Im Führungsseminar werden die Grund­lagen vermittelt; anschließend besteht die Aufgabe darin, die Fähigkeiten zu erlernen, sich anzueignen und im eigenen Handeln wirksam werden zu lassen; schließlich werden sie in der einsatznahen See- und Einsatzausbildung am EAZS M unter realitätsnahen Bedingungen angewandt und beobachtet. Das Operative Resilienztraining ermöglicht damit trainierbare Selbst- und Koregulationsfähigkeiten, die sich unter Belastung in beobachtbarem Führungs- und Teamverhalten widerspiegeln. Perspektivisch sollen resilienzbezogene Verhaltensindikatoren systematisch erfasst werden. Damit endet das Training nicht mit der Seminarveranstaltung, sondern wird durch Anwendung, Beobachtung, Rückmeldung und Reflexion in die Ausbildung integriert.

Seit Beginn der Implementierung wurde das Training in mehreren Durchgängen mit insgesamt rund 60 Teilnehmenden durchgeführt. Die unmittelbaren Rückmeldungen waren überwiegend positiv; hervorgehoben wurden Praxisnähe, Einsatzrelevanz und die Verknüpfung mit Erfahrungen aus ASPIDES. Einzelne Teilnehmende wünschten mehr Übungszeit. Ob unterschiedliche Führungsebenen den Nutzen unterschiedlich bewerten, sollte künftig ebenso untersucht werden wie die grundlegende Wirksamkeit des Trainings, um dessen kontinuierliche Weiterentwicklung sicherzustellen (Abbildung 1).

 

Abb. 1: Entwicklungsweg des Operativen Resilienztrainings – vom ursprünglichen elfmoduligen Programm über die Adaption während EUNAVFOR ASPIDES bis zur Implementierung und geplanten Evaluation am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (Bildrechte: A. Milbrodt)

Parallel zur Ausbildung der Command Teams werden die Einsatzausbilder der Marine im operativen Resilienztraining geschult. Dies verfolgt mehrere Ziele: Zum einen erwerben die Ausbilder selbst die Fähigkeiten der Selbstregulation und können sie in ihrer Rolle unmittelbar anwenden – für die eigene Handlungsfähigkeit ebenso wie dafür, Belastungsreaktionen bei den Auszubildenden frühzeitig zu erkennen und diese mit geeigneten Tools und Techniken zu unterstützen. Zum anderen ist eine eigene Ausbildung in diesen Fähigkeiten Voraussetzung dafür, das entsprechende Verhalten in der praktischen Ausbildung überhaupt beobachten und bewerten zu können. Darüber hinaus schafft die Ausbildung von Multiplikatoren die Grundlage, um das Training nachhaltig und in der Breite in der Marine zu verankern.

Diskussion

Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, psychologische Einsatzbereitschaft nicht ausschließlich als Gegenstand individueller Gesundheitsprävention zu begreifen, sondern als Erfolgsdeterminante militärischer Operationen und als integralen Bestandteil moderner Verteidigung. Das vorgestellte Konzept verbindet international entwickelte Grundlagen mit konkreten Einsatzerfahrungen und integriert das Konzept der psychologischen Einsatzbereitschaft systematisch in die Führungs- und Einsatzausbildung der Deutschen Marine. Die Verknüpfung von theoretischer Ausbildung, praktischer Anwendung und strukturierter Verhaltensbeobachtung verspricht dabei die größten Erfolgsaussichten für einen dauerhaften Transfer in das Einsatzverhalten.

Gegenüber klassischen Resilienz- oder Achtsamkeitsprogrammen liegt die Besonderheit weniger in den einzelnen Methoden als in der konsequenten operativen Rahmung: Resilienz wird als Fähigkeit zum Erhalt von Führungs- und Handlungsfähigkeit unter Belastung vermittelt und nicht als „Wellness“ oder als rein defizitorientierte Prävention [1][15]. Die Fokussierung auf die Command Teams nutzt Führung als systemischen Hebel und adressiert damit zugleich die Team- und Organisationsebene der Resilienz [2][14].

Eine wissenschaftlich belastbare Aussage zur Wirksamkeit ist auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen nicht möglich. Die Rückmeldungen sind informell, die Teilnehmendenzahl ist begrenzt, eine Kontrollbedingung fehlt. Die vorliegende Evidenz zu vergleichbaren psychoedukativen Programmen ist zudem heterogen [4]. Für die weitere wissenschaftliche Bewertung erscheint ein mehrstufiges Studiendesign mit Kontrollgruppen sinnvoll, das Prä-Post-Erhebungen, Verhaltensbeobachtungen, qualitative Interviews und Follow-up-Untersuchungen kombiniert. Individuelle Resilienz bleibt dabei stets in Team- und Organisationsstrukturen eingebettet [9].

Über den maritimen Kontext hinaus adressiert das Konzept eine Fähigkeit, die nicht an eine Teilstreitkraft gebunden ist: Führungs- und Handlungsfähigkeit unter Belastung sowie psychologische Einsatzbereitschaft sind für Führungskräfte in Heer, Luftwaffe und Marine gleichermaßen bedeutsam – national wie international. Das Format lässt sich nicht unverändert auf jeden Einsatzkontext übertragen; sein Kern – die systematische, führungszentrierte Ausbildung psychologischer Einsatzbereitschaft – ist jedoch grundsätzlich replizierbar. Da das Training vollständig auch in englischer Sprache vorliegt, kann es unmittelbar mit internationalen Partnern durchgeführt werden. Dies ist im Rahmen internationaler Kooperationen (Seeausbildung und Mobile Training Teams) am EAZS M geplant. Damit bietet der Ansatz einen anschlussfähigen Rahmen, der über die Marine hinaus für andere Teilstreitkräfte und Partnerstreitkräfte von Interesse ist.

Fazit

Psychologische Einsatzbereitschaft lässt sich als trainierbare, operativ relevante Fähigkeit verstehen. Das operative Resilienztraining zeigt einen konkreten Weg, sie systematisch in die militärische Ausbildung zu überführen: als führungszentrierten Baustein, der an internationale Grundlagen und reale Einsatzerfahrung anschließt, an die praktische Ausbildung angebunden ist und Resilienz als wesentlichen Baustein von Führungs- und Handlungsfähigkeit versteht. Die nächsten Schritte liegen in der wissenschaftlichen Evaluation und der Multiplikation innerhalb der Marine. Je anspruchsvoller der Einsatz, desto wichtiger wird die psychologische Einsatzbereitschaft.

Kernbotschaften

  • Psychologische Einsatzbereitschaft ist ein militärischer Erfolgsfaktor und muss systematisch trainiert werden wie taktische und körperliche Fähigkeiten.
  • Das Operative Resilienztraining überführt Resilienz in eine operative Fähigkeit zum Erhalt von Führungs- und Handlungsfähigkeit unter Belastung.
  • Die Integration in das Führungsseminar adressiert bewusst die Command Teams als systemischen Hebel für Besatzung und Auftrag.
  • Das Mental Health Continuum dient als gemeinsame Sprache für Selbstwahrnehmung, Kameradenbeobachtung und Führung unter Belastung.
  • Erste Erfahrungen sind ermutigend; eine mehrstufige wissenschaftliche Evaluation steht noch aus.

Literatur

  1. Adler AB, Nordstrand AE, Engen HG. Frontline Stress: The Role of Operational Resilience Training. In: Vermetten E, Frankova I, Lortkipanidze S, et al.: Digital Innovations for the Prevention and Treatment of PTSD in Military Contexts. IOS Press 2026;6–13. mehr lesen
  2. Bühler A, Zimmermann P, Wesemann U, et al. Unit Cohesion – A Protective Factor For Military Mental Health? Direct and Mediated Associations. WMM 2023;67(9):e1-1–e1-7. mehr lesen
  3. Di Nota PM, Bahji A, Groll D, Carleton RN, Anderson GS. Proactive psychological programs designed to mitigate posttraumatic stress injuries among at-risk workers: a systematic review and meta-analysis. Syst Rev 2021;10(1):126. mehr lesen
  4. Fikretoglu D, Liu A, Nazarov A, Blackler K. A group randomized control trial to test the efficacy of the Road to Mental Readiness (R2MR) program among Canadian military recruits. BMC Psychiatry 2019;19:326. mehr lesen
  5. Hauffa R, Brähler E, Biesold K-H, et al. Psychische Belastungen nach Auslandseinsätzen – Erste Ergebnisse einer Befragung von Soldaten des Einsatzkontingentes ISAF VII. Psychother Psychosom Med Psychol 2007;57(9-10):373–378. mehr lesen
  6. Hoffmann MA. Im Einsatz und im Leben: Bestehen in der Belastung – Resilienz ist auch Führungsaufgabe. WMM 2024;68(11):470–472. mehr lesen
  7. Hör A. Body-Scan und interozeptive Bewusstheit: Neuropsychologische Perspektive auf Resilienz in Hochbelastungskontexten. WMM 2026;70(10).
  8. Kowalski JT, Hauffa R, Jacobs H, et al. Deployment-related stress disorder in German soldiers: utilization of psychiatric and psychotherapeutic treatment. Dtsch Arztebl Int 2012;109(35-36):569–575. mehr lesen
  9. Krick A, Hör A, Milbrodt A, et al. Polykrise als Dauerlage – Mehrdimensionale Resilienz als adaptive Systemfähigkeit. WMM 2026;70(10) [in diesem Heft].
  10. Krick A, Wunderlich I, Felfe J. Gesundheitsförderliche Führungskompetenz entwickeln. In: Michel A, Hoppe A: Handbuch Gesundheitsförderung bei der Arbeit. Wiesbaden: Springer; 2022:213–231.
  11. Nordstrand AE, Engen HG, Adler AB. Expanding the Toolkit for Medics in Combat: Operational Resilience Training. WMM 2024;68(11):473–474. mehr lesen
  12. Nordstrand AE, Engen HG, Rønning L, Gjerstad CL, Adler AB. Psychological resilience on the frontlines: operational resilience training for Ukrainian combat medics. Mil Psychol 2026 Jul2:1-11 mehr lesen
  13. Polusny MA, Erbes CR. A dynamic, multilevel approach to conceptualising and designing resilience research in the context of military stress. Stress Health 2023;39(S1):40–47. mehr lesen
  14. Raetze S, Duchek S, Maynard MT, et al. Resilience in Organizations: An Integrative Multilevel Review and Editorial Introduction. Group Organ Manag 2021;46(4):607–656. mehr lesen
  15. Reivich K, Shatté A. The resilience factor: 7 keys to finding your inner strength and overcoming life’s hurdles. New York: Broadway Books; 2003. mehr lesen
  16. Skakon J, Nielsen K, Borg V, Guzman J. Are leaders’ well-being, behaviours and style associated with the affective well-being of their employees? A systematic review of three decades of research. Work Stress 2010;24(2):107–139. mehr lesen
  17. Soucek R, Ziegler M, Schlett C, et al. Resilienz im Arbeitsleben – Eine inhaltliche Differenzierung von Resilienz auf den Ebenen von Individuen, Teams und Organisationen. Gr Interakt Organ 2016;47(2):131–137. mehr lesen
  18. Southwick SM, Bonanno GA, Masten AS, et al. Resilience definitions, theory, and challenges: interdisciplinary perspectives. Eur J Psychotraumatol 2014;5(1):25338. mehr lesen
  19. Wittchen H-U, Schönfeld S, Kirschbaum C, et al. Traumatic experiences and posttraumatic stress disorder in soldiers following deployment abroad: how big is the hidden problem? Dtsch Arztebl Int 2012;109(35-36):559–568. mehr lesen

Erklärung zum Interessenkonflikt

Die Autorin führt außerhalb ihrer dienstlichen Tätigkeit kommerzielle Trainings- und Weiterbildungsangebote im Bereich Leistungsfähigkeit und Resilienz durch. Das dargestellte operative Resilienztraining ist eine dienstliche Tätigkeit im Rahmen der Bundeswehr; eine finanzielle Förderung durch Dritte erfolgte nicht.

Manuskriptdaten

Zitierweise

Milbrodt A. Psychologische Einsatzbereitschaft stärken: Implementierung eines operativen Resilienztrainings in die Einsatzausbildung der Deutschen Marine. WMM 2026;70(10):479-484.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-983

Verfasserin

Fregattenkapitän Andrea Milbrodt

Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine

Wieksbergstr. 54/1, 23730 Neustadt in Holstein

E-Mail: andrea1milbrodt@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Milbrodt A. [Strengthening Psychological Readiness: Implementing Operational Resilience Training into the German Navy Predeployment Training Navy]. WMM 2026;70(10):479-484.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-983

Author

Commander (Navy) Andrea Milbrodt

Naval Damage Control Training Centre

Wieksbergstr. 54/1, D23730 Neustadt in Holstein

E-Mail: andrea1milbrodt@bundeswehr.org


1 Die in diesem Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen. Auf durchgehende Doppelnennungen wird zugunsten der Lesbarkeit verzichtet.

Resilienztraining PDF

Wie lässt sich Resilienz in der Bundeswehr trainieren?
Vom Modellprojekt zum skalierbaren Ausbildungssystem im betrieblichen Gesundheitsmanagement1

How Can Resilience Be Trained in the Bundeswehr?
From a Pilot Project to a Scalable Training System for Occupational Health Management

Patrick Scheidta, Steffen Huppmannb, Martin Sanderc, Thomas Emserd

a Sanitätszentrum, Idar-Oberstein
b Bundeswehr-Dienstleistungszentrum, Veitshöchheim
c Bildungszentrum der Bundeswehr, Mannheim
d Sanitätsunterstützungszentrum, Stetten a.k.M.

1 Die in diesem Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf Personen jeden Geschlechts (m/w/d). Auf eine Doppelnennung und gegenderte Bezeichnungen wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Neuausrichtung Deutschlands gewinnt die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig bringen steigende Fehlzeiten, insbesondere infolge psychischer Erkrankungen sowie Anforderungen an die Arbeitgeberattraktivität neue Herausforderungen mit sich. Resilienz erweist sich hierbei als zentraler Faktor für die Sicherstellung der individuellen Leistungsfähigkeit und der organisationalen Durchhaltefähigkeit.

Bestehende Ansätze des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) weisen jedoch Defizite in Bezug auf Systematik und praktische Umsetzung auf. Im Sanitätsunterstützungszentrum Cochem (SUZ COC) wurde gemeinsam mit dem Bildungszentrum der Bundeswehr (BiZBw) in Mannheim und dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Veitshöchheim (BwDLZ VHH) ein integrativer Präventionsansatz entwickelt, der Verhaltens- und Verhältnisprävention mit der Qualifizierung interner Multiplikatoren kombiniert. Das modular aufgebaute, dreistufige Ausbildungssystem ist praxisorientiert und skalierbar. Erste Implementierungen zeigen eine hohe Akzeptanz sowie den Aufbau eines belastbaren Ausbilder-Netzwerks.

Schlüsselwörter: Resilienz, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Ausbildungssystem, Einsatzbereitschaft, Multiplikatoren, Bundeswehr

Summary

Against the backdrop of Germany’s realigned security and defence policy, the personnel operational readiness of the Bundeswehr is becoming increasingly crucial. At the same time, rising absenteeism – particularly due to mental illnesses – and changing expectations regarding employer attractiveness pose new challenges. In this context, resilience is a key factor in ensuring both individual performance and organisational endurance.

However, existing corporate health management approaches lack systematic structure and practical implementation. At the Medical Support Centre Cochem (SUZ COC), in cooperation with the Bundeswehr Education Centre and the Bundeswehr Service Centre Veitshöchheim, an integrative preventive approach was developed. This approach combines behavioural and structural prevention with the qualification of internal multipliers. The modular, three-tiered training system is practically oriented and scalable. Initial implementations demonstrate high acceptance and the successful establishment of a resilient instructor network.

Keywords: resilience; corporate health management; training system; operational readiness; multipliers; Bundeswehr

Einleitung

Vor dem Hintergrund der verstärkten sicherheitspolitischen Ausrichtung Deutschlands auf die Landes- und Bündnisverteidigung, die sich unter anderem in der erhöhten Präsenz an der NATO-Ostflanke, der Stationierung einer Brigade in Litauen sowie der signifikanten Stärkung der NATO-Response Force manifestiert, nimmt die Bundeswehr eine zentrale Rolle innerhalb der kollektiven Verteidigungsarchitektur ein [13]. Daraus ergibt sich eine gesteigerte Bedeutung der personellen Einsatz­bereitschaft als entscheidende Determinante der mili­tärischen Leistungsfähigkeit. Parallel dazu rückt die ­gesundheitsfördernde Ausgestaltung im Kontext der Arbeitgeberattraktivität von Führungspraktiken verstärkt in den Fokus, da diese seit 2013 zunehmend von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern eingefordert wird [6]. Aktuell liegen die krankheitsbedingten Ausfallzeiten bei etwa 15 bis 22 Tagen pro Kopf und Jahr [2]. Ein differenzierter Blick zeigt, dass Beamtinnen und Beamte mit durchschnittlich 21,6 Tagen Fehlzeiten rund 2,3 Tage weniger aufweisen als Tarifbeschäftigte (24 Tage) [5]. Die Unterschiede lassen sich vor allem durch die Tätigkeitsstruktur erklären: Tarifbeschäftigte arbeiten häufiger in körperlich anstrengenden Bereichen. Ein noch stärkerer Einflussfaktor ist die Laufbahngruppe, da die Krankheitstage mit zunehmendem Qualifikationsniveau deutlich sinken. Beschäftigte des einfachen Dienstes weisen nahezu dreimal so viele Fehltage auf wie jene des höheren Dienstes. Dieses Gefälle korreliert in der Regel mit einer höheren Gesundheitskompetenz und einer intensiveren Nutzung präventiver Maßnahmen. Als Treiber steigender Fehlzeiten kommt psychischen Erkrankungen hierbei eine zentrale Rolle zu. Denn seit mehreren Jahren steigen diese stetig an und sind derzeit mit 12,5 % der AU-Tage auf Platz drei der Verursacher von Fehlzeiten, mit der Tendenz, bald einen noch höheren Stellenwert einzunehmen [1].

Um dem entgegenzuwirken, muss die individuelle bzw. die organisationale Resilienz deutlich gestärkt werden. Resilienz, verstanden als psychische, physische und organisationale Einsatzbereitschaft, beschreibt die Kompetenz, flexibel auf Belastungen und Krisen zu reagieren und die Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Bisherige Systeme innerhalb der Bw, insbesondere das BGM, das sich mit Prävention befasst, weisen hier ein mehr als deutliches Verbesserungspotential auf. Darum ist es das Ziel dieses Projekts, ein erprobtes, praxisorientiertes Ausbildungssystem vorzustellen, das Resilienz und Durchhaltefähigkeit systematisch, skalierbar und nachhaltig in der Truppe und bei den zivilen Beschäftigten verankert, um den bestehenden personellen Herausforderungen sowie den Belastungen in der Landes- und Bündnisverteidigung wirksam zu begegnen.

HintergrundundProblemstellung

Die Evidenz für die Notwendigkeit robuster organisationaler Strukturen für gesundheitsfördernde Maßnahmen wird wiederholt berichtet [7][8]; diese werden vom Sanitätsdienst ausdrücklich eingefordert. Insbesondere im Verteidigungsfall entscheidet die resiliente Leistungsfähigkeit über Durchhaltefähigkeit und operative Wirksamkeit.

Die bisherige Praxis der Bundeswehr zeigt heterogene Ergebnisse. Während einzelne Dienststellen eine kontinuierliche Gesundheitsförderungskultur etablieren konnten, ist in anderen Bereichen eine nachhaltige Implementierung bislang nicht verlässlich erfolgt. Dies unterstreicht auch die gesundheitsökonomische Begleitstudie des Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Kooperation mit der Charité Berlin, die den sozialen und ökonomischen Nutzen von BGM-Strukturen systematisch evaluiert [11]. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass BGM-Koordinierende (BGM-K) häufig auf externe Anbieter angewiesen sind, deren Angebote nur eingeschränkt auf den militärischen Kontext übertragbar sind. Des Weiteren ist die fehlende Qualifikation des Personalkörpers die häufigste Herausforderung bei militärischen sowie zivilen Dienststellen, um eigenständige, nachhaltige Maßnahmen zu verstetigen.

Vor diesem Hintergrund wurde in einem Modellprojekt des Sanitätsunterstützungszentrums Cochem (SUZ COC) ein integrativer Präventionsansatz entwickelt.

Modellprojekt „Gesunde Lebensführung“

Im SUZ COC wurde ein Ansatz implementiert, der Bewegung, Ernährung, Sucht- und Stressprävention mit Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention der klassischen betrieblichen Gesundheitsförderung verknüpft. Die Qualifizierung interner Multiplikatoren in den jeweiligen Teilbereichen der Säule Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) aus dem BGM der Bw soll der Fragmentierung durch Insellösungen entgegenwirken. Dieser Ansatz wurde zwischen 2023 und 2025 sowohl im Taktischen Luftwaffengeschwader 33 (TaktLwG 33) in Büchel als auch beim Zentrum Operative Kommunikation (ZOpKomBw) in Mayen getestet. Die erste Säule des von Oberstarzt Dr. Thomas Emser entwickelten Modells spielte hierbei eine zentrale Rolle.

Parallel dazu wurde am Standort Idar-Oberstein durch die mehrjährige Kampferfahrung ukrainischer Soldaten, die an der Artillerieschule Idar-Oberstein ausgebildet wurden, verdeutlicht, dass die Notwendigkeit verläss­licher Präventionsprogramme besteht. Aus dem Modellprojekt sind die ersten Ansätze entstanden, um ein ­skalierbares Ausbildungssystem zu entwickeln. Viele Nationen hatten bereits vor Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine die Relevanz des Resilienztrainings erkannt. Das internationale Präventions- und Trainingsprogramm U.S. Army Comprehensive Soldier Fitness Program (CSF) [4] belegt die Bedeutung protektiver Faktoren für eine positive Entwicklung. Innerhalb der Bundeswehr gibt es bereits Programme wie das Stärken- und Ressourcentraining [10], deren flächendeckende Implementierung jedoch bislang ausblieb. Ergänzend bestehen spezifische Trainingskonzepte im Bereich der psychologischen Einsatzfähigkeit (PEF) [12], insbesondere für Spezialkräfte, zur Förderung von Hardiness und Teamorientierung.

Die Erfahrungen aus dem Modellprojekt zeigten, dass die nachhaltige Umsetzung von Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) vor allem durch unzureichende Gesundheitskompetenz auf allen Ebenen, fehlende Qualifikation des Durchführungspersonals sowie unterschiedliche Akzeptanz auf der Führungsebene erschwert wird. Vor diesem Hintergrund entwickelten das SUZ COC, das Bildungszentrum der Bundeswehr (BiZBw) und das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Veitshöchheim (BwDLZ VHH) gemeinsam ein multiplikatorgestütztes Ausbildungssystem. Hierbei wurden bisherige Informationen und neue Ideen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Die Konzeption erfolgte interdisziplinär unter Einbindung von Dienststellenleitern, Truppenärzten, Psychologen, Sportwissenschaftlern sowie Beauftragten BGM (Bea BGM) und BGM-K.

Konzeption des Ausbildungssystems

Das Qualifizierungskonzept ist modular und dreistufig aufgebaut (Abbildung 1).

Abb. 1: Das dreistufige BGM-Basis-Multiplikatoren-Ausbildungssystem der Bundeswehr

(Bildrechte: P. Scheidt, S. Huppmann, M. Sander, T. Emser, 2026)

 

Stets praxisorientiert und ohne PowerPoint-Frontalunterricht ausgerichtet, ist es erlebnisorientiert konzipiert. Daher ist es hochkomplex und bedarf geisteswacher, agiler Ausbilder.

BGM-Basis-Multiplikator (16 UE)

Die erste Ebene, der „BGM-Basis-Multiplikator“ (BBM) mit integriertem Resilienz-Training, umfasst 16 Unterrichtseinheiten (UE). Dieser wird vorzugsweise als Blockveranstaltung, alternativ modular durchgeführt. Die Ausbildung erfolgt im Tandem-Prinzip durch mindestens zwei qualifizierte Ausbilder und ist konsequent praxisorientiert ausgerichtet. Inhaltlich gliedert sie sich in vier Themenfelder mit jeweils theoretischen und praktischen Anteilen: BGM (inkl. betrieblicher Gesundheitsförderung, Arbeits- und Gesundheitsschutz (AGS), Führung und Organisation (FuO) sowie Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), Resilienz (individuell, Team, Führung, Organisation), agiles und wertschätzendes Führen sowie Fehlzeitenmanagement.

Die Ausbildung ist zielgruppenadaptiv und richtet sich an alle Dienstgradgruppen. Sie vermittelt anwendungsorientiertes Grundlagenwissen, fördert Gesundheitskompetenz sowie soziale Fähigkeiten und reduziert die Umsetzungshürden im Dienstalltag. Der erfolgreiche Abschluss wird durch ein Zertifikat bestätigt, das sich inhaltlich am Leitfaden Prävention der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 20 SGB V) sowie an den Vorgaben des BGM der Bundeswehr (Zentrale Regelung A-849/1, nicht öffentlich zugänglich) orientiert [3].

BGM-Basis-Multiplikatoren-Ausbilder(40UE)

Die zweite Ebene, der „BGM-Basis-Multiplikatoren-Ausbilder“ (BBMA), umfasst 40 Unterrichtseinheiten (UE), die im Rahmen des Trainings „Gesundheitsprävention“ (Trainingsnummer 904770) am BiZBw zu erwerben sind. Sie baut inhaltlich auf der ersten Stufe auf, ohne dass diese zeitlich angerechnet wird. Auch hier erfolgt die Durchführung im Tandem-Prinzip mit mindestens einem Ausbilder und einem Master-Ausbilder. Die Ausbildung vertieft die vier definierten Themenfelder und lässt sich hinsichtlich des Umfangs und der Schwerpunktsetzung flexibel gestalten. Sie richtet sich an besonders geeignete Multiplikatoren und schließt mit einer Lehrprobe im Rahmen einer BGM-Basis-Multiplikatoren-Schulung ab. Mit dem erfolgreichen Abschluss wird die Befähigung zur eigenständigen Durchführung der Basisausbildung in den jeweiligen Fachbereichen (einzelnen Modulen) oder im Gesamtkonzept zertifiziert.

BGM-Basis-Multiplikatoren-Master-Ausbilder(80UE)

Die höchste Qualifikationsstufe bildet der „BGM-Basis-Multiplikatoren-Master-Ausbilder“ (BBMMA) mit insgesamt 80 UE, die teilweise über bestehende Formate, wie das Training „Stressprophylaxe“ (Trainingsnummer 905250) am BiZBw, abgebildet werden können. Zwingende Voraussetzung für diese Stufe ist die vorherige Qualifikation als Ausbilder. Die ebenfalls praxisorientierte Ausbildung vertieft die Inhalte der vier Themenfelder auf konzeptioneller und didaktischer Ebene. Sie richtet sich an besonders qualifiziertes Personal und schließt mit einer Lehrprobe sowie einer schriftlichen Ausarbeitung ab. Der erfolgreiche Abschluss berechtigt zur ­Durchführung sowohl der Basis- als auch der Ausbilderqualifikation in allen Themenfeldern. Ergänzend wird empfohlen, die Qualifikation durch das Stärken- und Ressourcentraining [10] oder entsprechende Pro­gramme des BiZBw zu erweitern, um die Qualität und Standardisierung der Maßnahmen weiter zu erhöhen.

ErgänzendeAusbildung(24UE)

Um der Rolle des Master-Ausbilders vollumfänglich gerecht zu werden, benötigen Teilnehmende eine Qualifikation zum Resilienz-Trainer. Diese nach § 20 SGB V zertifizierte Ausbildung wird derzeit noch extern auf dem zivilen Markt eingekauft, einheitlich bei einem Anbieter sowie unter kontinuierlicher Absprache und Anpassung der Ausbildungsinhalte. Dabei wurde das LOOVANZ-Modell ausgewählt, das auf den klassischen sieben Resilienzfaktoren (Lösungsorientierung, Optimismus, Opferrolle verlassen, Verantwortungsübernahme, Akzeptanz, Netzwerkorientierung, Zukunftsplanung) basiert und vom Entwickler Dr. Henry Kauffeldt wissenschaftlich evaluiert wurde [9].

Künftig soll dieser externe Einkauf nach Möglichkeit durch eine von zwei Optionen ersetzt werden: Option 1 sieht die Nutzung des Stärken- und Ressourcentrainings von Frau Dr. Krick an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) vor, während Option 2 die Implementierung eines eigenen, adäquaten Trainings direkt am BiZBw umfasst.

Qualitätssicherung

Zur nachhaltigen Sicherung des Qualitätsstandards ist eine regelmäßige Fortbildung für alle Ausbilder sowie Master-Ausbilder im Umfang von 30 UE innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren vorgesehen. Hierzu können weiterführende Trainings des BiZBw besucht oder die seit 2026 etablierte, erstmals vom SUZ COC ausgerichtete und nun einmal jährlich stattfindende Arbeitstagung Resilienz genutzt werden, die nachhaltig am BiZBw fest verortet ist.

Nachhaltigkeit

In der Vergangenheit zeigte sich insbesondere bei der Qualifizierung von BGM-K und Bea BGM häufig die Problematik, dass Trainings stark personengebunden waren.

Nach dem Ausscheiden der entsprechenden Akteure konnten die Maßnahmen trotz institutioneller Verankerung aus verschiedenen Gründen häufig nicht fortgeführt werden. Um diesem strukturellen Defizit entgegenzuwirken, wurde das vorliegende Multiplikatoren-System zwar fest an das BiZBw geknüpft, jedoch bewusst von einzelnen Akteuren entkoppelt. Das System trägt sich durch seine Konzeption selbst und sorgt für einen stetigen Nachschub an Ausbildern sowie Master-Ausbildern. Eine verpflichtende Einführung dieser Ausbildung für BGM-K (als Master-Ausbilder) und Bea BGM (als Ausbilder) würde diesen Effekt weiter verstärken. Damit wäre für diesen Personenkreis eine hochwertige Qualifizierung mit direktem, nachhaltigem Mehrwert für die Truppe sichergestellt. Des Weiteren sollte darüber nachgedacht werden, zumindest das Basis-Modul in der allgemeinen Grundausbildung sowie die Ausbilderschulung an den Unteroffizier- und Offiziersschulen verpflichtend in die Ausbildung zu integrieren.

Ergebnisse und Erfahrungen

Die in den Jahren 2025 und 2026 durchgeführte Pilotphase verzeichnete bei den Teilnehmenden, die querschnittlich aus allen Bereichen und Ebenen der Bundeswehr ausgewählt wurden, eine hohe Akzeptanz sowie eine verbesserte Gesundheitskompetenz. Das Konzept wurde bereits erfolgreich unter anderem am SUZ COC, dem BwDLZ VHH, dem BiZBw, dem Bundesamt für ­Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), dem Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr (ZOpKomBw) sowie dem Sanitätsunterstützungszentrum Kümmersbruck erprobt. Des Weiteren wurden bereits mehrere Durchgänge für den Sozialdienst der Bundeswehr realisiert, bei denen die Resonanz durchweg positiv ausfiel und vermehrt die Forderung nach einer festen Implementierung als reguläres Training in der Bundeswehr aufgestellt wurde. Aktuell stehen dem Netzwerk drei Master-Ausbilder und zwölf Ausbilder zur Verfügung. Weitere Schulungen sind bereits geplant, und die Nachfrage ist hoch. Die Integration des Konzepts in die bestehenden Ausbildungsstrukturen für Bea BGM und BGM-K wird derzeit geprüft. Die bisherigen Aktivitäten führten zu einer erweiterten institutionellen Vernetzung; eine erste Arbeitstagung „Resilienz“ im April 2026 bündelte die bestehenden Ansätze und brachte weitere relevante Akteure zusammen. Eine Veröffentlichung der detaillierten Ergebnisse wird in Bezug auf den (Aus-)Bildungskongress 2026 angestrebt.

Diskussion

Die Ergebnisse der ersten Pilotierungsphasen verdeutlichten den akuten Bedarf an strukturell verankerten ­Resilienzkonzepten innerhalb der Streitkräfte, werfen jedoch zugleich kritische Fragen zur langfristigen Implementierung auf. Während das dreistufige Ausbildungssystem methodisch die Abhängigkeit von externen zivilen Anbietern reduziert, bleibt der tatsächliche Hebel im stark fordernden Dienstalltag der Truppe von grundlegenden internen Faktoren abhängig: dem Skalierungsdruck, der realen Führungskultur und dem kollektiven Leistungswillen. Mit derzeit lediglich drei Master-Ausbildern steht das System vor einem personellen Engpass, der eine schnelle und flächendeckende Multiplikation behindert. Um den nachgewiesenen, positiven Trend der gesteigerten Gesundheitskompetenz dauerhaft abzusichern, ist eine Abkehr von freiwilligen Teilnahmen unvermeidlich. Eine verpflichtende und systemische Verankerung des Basis-Moduls in den Laufbahnlehrgängen kann ein homogenes Resilienzniveau im gesamten Personalkörper sicherstellen. Darüber hinaus greift eine rein methodische oder strukturelle Betrachtung zu kurz.

Schlüsselrolle: Führungskultur

Der Erfolg dieses Ausbildungssystems steht und fällt mit der gelebten Führungskultur auf allen Hierarchieebenen. Solange gesundheitserhaltende Maßnahmen und das Einfordern mentaler wie physischer Robustheit seitens der Vorgesetzten nicht aktiv vorgelebt, sondern als bürokratische Zusatzaufgabe missverstanden werden, verpufft die Wirkung der Module im Dienstalltag. Ein resilienter Personalkörper, der den extremen Belastungen der Landes- und Bündnisverteidigung standhalten soll, erwächst nicht allein aus theoretischen Lehrinhalten, sondern erfordert ein kompromissloses Bekenntnis zum ­militärischen Leistungswillen. Wenn in Teilen der Organisation die Bereitschaft nachlässt, die eigene Kom­fortzone zugunsten einer durchgängigen, harten Ein­satz­bereit­schaft zu verlassen, gerät die strategische Abschreckungs- und Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte in Gefahr. ­Resilienztraining darf daher nicht als passive „Wohlfühl-Intervention“ missverstanden werden, sondern muss als aktives Führungswerkzeug dienen, um den Leistungswillen gezielt einzufordern und zu härten. Zukünftige Evaluationen müssen zudem über eine gesundheitsökonomische Betrachtung hinausgehen und die direkte Korrelation zwischen den Trainingsstufen und der tatsächlichen, robusten Durchhaltefähigkeit unter einsatznahen Belastungsbedingungen empirisch überprüfen.

Fazit

Resilienz ist als strategischer Faktor für militärische Leistungsfähigkeit und organisatorische Durchhaltefähigkeit zu betrachten. Den Führungskräften kommt hierbei eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung und Förderung gesundheitsförderlicher Maßnahmen zu. Das vorgestellte Modell adressiert bestehende strukturelle Defizite durch einen konsequent skalierbaren Ansatz sowie durch standardisierte und zertifizierte Ausbildungsformate im Sinne des § 20 SGB V [3][9][14].

„(Prävention)Machenistwiewollen,
nureineStufeweitergedacht!“

Danksagung

Für die Unterstützung auf dem Weg von der Idee bis zur fertigen Schulung bedanken wir uns für die stetige Unterstützung bei:

Generalarzt a. D. Prof. Dr. Horst-Peter Becker, Oberstarzt Dr. Norbert Hanhart, Oberstarzt d. R. Dr. Markus Müller, Regierungsdirektorin Dr. rer. soc. Anastassiya Hör, Oberfeldarzt Dr. Mareike Schinke, Oberstleutnant Dr. phil. Jürgen Löffler, Oberfeldarzt Simone Schaffstein, Oberstabsarzt Tina Cucchiara, Dipl.-Wirtsch.-Ing. Thomas Fleischer, Burkhard Tuchert M. A., Dipl.-Sportpäd. Sven Mlejnek, Michael Bruhn-Hollien, Christian Brüder, Hauptmann d. R. Dipl.-Sportwiss. Thomas Bach, Hauptmann Dipl.-Sportl. Andreas Maltsev, Oberleutnant Alexander Biegel, Oberfeldwebel Sarina Löh, Stabsunteroffizier ­Lisa-Marie Wiegner und Lars Pommerening.

Kernbotschaft

  • Die personelle Einsatzbereitschaft erfordert robuste, interne und strukturierte Präventionsmaßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement.
  • Das dreistufige Ausbildungssystem bietet eine praxisorientierte Qualifizierung vom Basis-Multiplikator bis zum Master-Ausbilder.
  • Interne Multiplikatoren reduzieren die Abhängigkeit von externen Anbietern, senken damit die Kosten und sichern die Praxisnähe.
  • Systematisches Resilienz-Training steigert nachweislich die individuelle Leistungsfähigkeit und die organisationale Durchhaltefähigkeit.
  • Der Erfolg des Netzwerks basiert maßgeblich auf der Akzeptanz und der Vorbildfunktion der Führungskräfte.

Literatur

  1. Badura B, Ducki A, Meyer M, Baumgardt J, Schröder H Fehlzeitenreport 2025. [Internet]. Springer 2026 [letzter Zugriff 10. August 2026];verfügbar unter: https://arbeitsmedizin.umg.eu/fileadmin/Redaktion/Arbeitsmedizin/Daten_Website_UMG/Fehlzeitenreport_2025.pdf
  2. BMI (Hrsg.). Gesundheitsförderbericht 2023 der unmittelbaren Bundesverwaltung (GFB 2023). Berlin: Bundesministerium des Innern; 2025.[Internet].BMI 2025.[letzter Zugriff 12. August 2026];verfügbar unter: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/oeffentlicher-dienst/BMI25070_gfb-2023.html mehr lesen
  3. BMVg (Hrsg.). Zentrale Regelung A-849/ 1: Betriebliches Gesundheitsmanagement. Berlin: Bundesministerium der Verteidigung; 2024. (nicht öffentlich zugänglich)
  4. Cornum R, Matthews MD, Seligman MEP. Comprehensive Soldier Fitness: Building resilience in a challenging institutional context. [Internet]. 2011 [letzter Zugriff 10. August 2026]. Verfügbar unter: https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/a0021420 mehr lesen
  5. DAK-Gesundheit (Hrsg.). Gesundheitsreport 2026. [Internet]. DAK 2026.[letzter Zugriff 10. August 2026];verfügbar unter: https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/220630/data/b242a4c60c99dbc954dc93c778636815/260622-download-report-gesundheitsreport-2026.pdf mehr lesen
  6. Elbe M, Scherzer J, Schuster P. Gesundheit und Wellbeing im Militär: Ein Vergleich anhand der Personalbefragungen in der Bundeswehr der Jahre 2013, 2016 und 2020. WMM 2023; 67(6):251-259. mehr lesen
  7. Emser T, Schiffer V, Hanhart N, Wesemann U, Muschner P, Dierich A, Willmund G. Lebensqualität als ein Resilienzfaktor bei Sanitätskräften im Katastropheneinsatz. WMM 2024; 68(4):161-169. mehr lesen
  8. Kauffeldt H., AHAB-Akademie (Hrsg.). LOOVANZ. Das Resilienz-Trainingsprogramm für Erwachsene zur Stressbewältigung: Trainermanual und Kurskonzept nach § 20 SGB V. Berlin: AHAB-Akademie; 2023. mehr lesen
  9. Krick A, Felfe J. Führung und Gesundheit in der Bundeswehr. Berlin: Springer-Verlag; 2024. mehr lesen
  10. Krick A, Felfe J. Stärken- und Ressourcentraining (SRT): Konzeption und Evaluation eines evidenzbasierten Resilienzprogramms. Hamburg: Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr Hamburg); 2020.
  11. Ludwig S, Seeland U, Arnold L, et al. Analyse des gesundheitlichen und sozialen Nutzens sowie gesundheitsökonomische Evaluation von Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der Bundeswehr in Deutschland.Gesundheitswesen 2024;86(S05):S339 mehr lesen
  12. Mair A, da Silva D, Renner K, Wesemann U. Training der psychologischen Einsatzfähigkeit für Spezialkräfte. WMM 2025;69(4):46–153. mehr lesen
  13. NATO. Strategic Concept 2023 [Internet].NATO 2026.[letzter Zugriff: 10. August 2026];verfügbar unter:https://www.nato.int/content/dam/nato/webready/documents/publications-and-reports/strategic-concepts/2022/290622-strategic-concept.pdf mehr lesen
  14. Werner EE, Smith RS. Journeys from childhood to midlife: Risk, resilience, and recovery.Pediatrics 2004;114(2):492. mehr lesen

 

Manuskriptdaten

Zitierweise

Scheidt P, Huppmann S, Sander M, Emser T. Wie lässt sich Resilienz in der Bundeswehr trainieren? Vom Modellprojekt zum skalierbaren Ausbildungssystem im betrieblichen Gesundheitsmanagement. WMM 2026;70(10):485-489.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-985

Für die Verfasser

Hauptmann Patrick Scheidt, MBA

Sanitätszentrum Idar-Oberstein

Am Rilchenberg 30, 55743 Idar-Oberstein

E-Mail: patrick1scheidt@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Scheidt P, Huppmann S, Sander M, Emser T. [How Can Resilience Be Trained in the Bundeswehr? From a Pilot Project to a Scalable Training System for Occupational Health Management]. WMM 2026;70(10):485-489.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-985

For the Authors

Captain Patrick Scheidt, MBA

Medical Centre Idar-Oberstein

Am Rilchenberg 30, D-55743 Idar-Oberstein

E-Mail: patrick1scheidt@bundeswehr.org

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