Human Performance am Beispiel des kognitiv-körperlichen Trainings und dessen Bedeutung zur Leistungssteigerung und Verletzungsprävention
Human Performance Illustrated by Cognitive-Physical Training and its Importance for Performance Enhancement and Injury Prevention
Daniel Kaptaina
a Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, Saarbrücken
Zusammenfassung
Um den hohen Anforderungen und Bedürfnissen in der Ausbildung und im Einsatz von Spezialkräften gerecht zu werden, wurden Konzepte wie HPO (Human Performance Optimisation) etabliert. Ziel und Inhalt sind die ganzheitliche Betreuung und Unterstützung der Hochwertressource „Operator“ (Spezialeinsatzkräfte) im Bereich physischer, mentaler, kognitiver und sozialer Programme und Maßnahmen. Die hohen körperlichen und kognitiven Beanspruchungen in dieser Verwendungsreihe erfordern nicht nur ein dauerhaftes Training, sondern sind oftmals auch Grund für körperliche Überbeanspruchung und Verletzungen, die nicht allein durch reines konditionelles Training kompensiert werden können. Daher sind Maßnahmen wie die Kombination aus kognitiv-konditionellem Training sinnvoll.
Die Trainingswissenschaft hat seit Jahren Beweise dafür, dass das Gehirn und der Bewegungsapparat hiervon besonders profitieren. Konzepte wie das visuomotorische Training sind daher Bestandteil in Trainingsprogrammen diverser Spezialeinheiten. Dieser Artikel zeigt die Effekte und Maßnahmen beispielhaft auf, um den Nutzen im Kontext HPO zu verdeutlichen.
Schlüsselwörter: Human Performance Optimisation, Kondition, Kognition, Visuomotorik, Trainingsplanung, Prävention, Spezialkräfte
Summary
To meet the demanding requirements of special operations forces, Human Performance Optimisation (HPO) frameworks have been developed to provide holistic support across physical, cognitive, psychological, and social domains. Operators – as high valuable assets – are exposed to substantial physical and cognitive demands, resulting in an increased risk of strain and injury that cannot be addressed through physical conditioning alone.
Consequently, integrated cognitive-physical training approaches have gained importance in performance enhancement and injury prevention. Research indicates that such interventions promote beneficial adaptations in both the neural and musculoskeletal systems, thereby improving motor control and performance under demanding conditions. As a result, visuomotor training, which combines cognitive and physical challenges, has become an important component of training programmes within special operations units.
This article examines the rationale, applications, and benefits of cognitive-physical training within the broader framework of HPO.
Keywords: human performance optimisation; physical preparedness; cognition; visuomotoric skills; training planning; prevention; special forces
Einleitung
„Mens sana in corpore sano“. Auch wenn dieser Leitsatz mehrere tausend Jahre alt ist, hat er doch mehr Aktualität denn je zuvor. Zum einen, weil die praktischen Erfahrungen und die Wissenschaft eindeutig gezeigt haben, dass Geist und Körper zusammenwirken. Zum anderen haben sich in den letzten Jahren Studien gemehrt, die belegen, dass die geistige Kapazität die Kondition beeinträchtigt – und dies gilt auch vice versa [31][32][36][41][54] –, denn kognitive und motorische Prozesse benötigen neuronale Ressourcen, was als Motor-cognitive Interference beschrieben wird [37][51].
Dies zeigt sich darin, dass höhere kognitive Anforderungen die motorische Leistung und die Gleichgewichtsstabilität beeinträchtigen [4], während ausgeprägte kognitive Fähigkeiten die motorische Kontrolle in komplexen Situationen fördern [29]. Dieses Wechselspiel der kognitiv-motorischen Interferenz gilt es zu reduzieren, um eine gesteigerte taktische Performance zu erzielen [19].
Diese Aspekte sind vor allem für Soldaten bzw. Personen relevant, die in hochgefährlichen Situationen von maximaler kognitiver wie konditioneller Leistung abhängig sind. Daher gilt es, Maßnahmen und Strategien zu etablieren, die die Leistungsfähigkeit (HP – Human Performance) optimieren, denn es geht nicht weniger als um die Leistungsfähigkeit und das Leben unserer Einsatzkräfte. Die Verantwortlichen in den Verbänden, aber auch in Politik und Gesellschaft, haben aus Gründen der Fürsorgepflicht, aus Respekt und zum Erhalt der Motivation, dafür zu sorgen, dass eine Betreuungsstruktur gegeben ist, die zu einer steten Einsatzbereitschaft führt und die Gesundheit der Einsatzkräfte im Fokus hat. Dies und die Tatsache, dass eine „funktionierende“ Einsatzkraft auch „länger funktioniert“, zeigen, dass sowohl die ökonomische [16][45][53] als auch die strategische [46] Komponente eine bedeutende Rolle spielen.
Daher sind ganzheitliche Programme wie HPO (Human Performance Optimisation) vielversprechende und notwendige Strategien [7][34]. Abbildung 1 unterstreicht diesen ganzheitlichen Ansatz:
Abb. 1: Ganzheitlichkeit des HP-Programms (Bildrechte: D. Kaptain, 2026)
Ziel des Beitrags
Dieser Beitrag wird sich vor allem auf das Zusammenwirken des kognitiven wie des konditionellen Bereichs konzentrieren. Denn die physischen und kognitiven Belastungen einiger Einsatzkräfte (v. a. Spezialkräfte) stehen zwar jenen im Spitzensport in nichts nach, in Teilen übertreffen sie die Beanspruchungen deutlich. Jedoch sind die Rahmenbedingungen fundamental andere. Während ein Spitzensportler die Wettkampfbedingungen und Regeln kennt und sich entsprechend vor- und nachbereiten kann, ist die taktische Lage für eine Einsatzkraft meist unklar. Darüber hinaus sind die Konsequenzen und Risiken häufig gesundheitsgefährdend, ja sogar lebensbedrohlich. Der fordernde Dienstalltag aus Ausbildung und Einsatz mit seinen besonderen, körperlichen und mentalen Beanspruchungen, das wöchentliche Einsatztraining stellen eine hohe physische Beanspruchung dar, auf die es sich entsprechend vor- und nachzubereiten gilt. Außerdem sind die Einsatzrealitäten meist durch ein Zusammenwirken von Kondition und Entscheidungsfähigkeit – beides in einem erhöhten Maße – geprägt; nur durch dieses Zusammenwirken ist eine hohe Leistungsfähigkeit gegeben.
Ein ergänzendes und ganzheitliches Training (Kondition und Kognition) in diesem Umfeld ist oftmals schwer dosierbar und zu planen. Die Prinzipien, Erkenntnisse und Lehren aus der Trainingswissenschaft sind damit nicht in Frage zu stellen, sondern sollten im Rahmen dieser Sensibilisierung differenziert betrachtet werden. Dennoch, oder gerade deshalb, dienen Erkenntnisse aus dem Spitzensport und der Trainingswissenschaft als Grundlage für die Etablierung einer taktischen Performance.
Das Ziel ist es, genau wie im Leistungssport, eine Leistungssteigerung über einen möglichst langen Zeitraum zu realisieren und erreichen, denn die Belastungen für den Körper sind jahrelang und fortbestehend. Schließlich steht hierbei neben allen körperlichen Beanspruchungen auch der kognitiv-mentale Aspekt im Zentrum der Betrachtung. Diese extremen Strapazen müssen darüber hinaus über mehrere Tage hinweg bei Schlaf- und Nahrungsmittelknappheit bis hin zum Verzicht aufrechterhalten werden. Damit sind nicht nur die Physis, sondern auch die geistige Belastbarkeit stark gefordert. Unter solchen Bedingungen muss die Einsatzkraft blitzschnell und glasklar Entscheidungen treffen, die oftmals zwischen Leben und Tod unterscheiden. Damit Belastungen, wie oben aufgezählt, über mehrere Jahre aufrechterhalten werden können, sind eine nachhaltige Vorbereitung sowie ein begleitendes Trainings- und Betreuungskonzept wie HPO unabdingbar [48].
Die Zusammensetzung und Ausprägung dieses Motorik-Konditions-Mixes ist abhängig vom derzeitigen Leistungsstand des Operators, dem Ziel (Anforderungsprofil) und den zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen (Zeit, Trainings- und Betreuungsmöglichkeiten).
Beanspruchungen militärspezifischer Verwendungen und resultierende Überlastungen
Die folgenden Ausführungen dienen dazu, einen groben Einblick bzgl. der spezifischen körperlichen Belastungen zu erhalten und hierfür zu sensibilisieren. Militärische Ausbildung und Einsätze sind mit hohen Verletzungsraten verbunden [1][24][33][43]. Goodman et al. [12] fanden heraus, dass ca. 19 % der Soldaten während der Gefechtsausbildung einer orthopädischen Behandlung unterzogen werden mussten, wobei 4 % aller Soldaten dauerhafte medizinisch-orthopädische Behandlungen benötigten. Mehr als die Hälfte aller untersuchten Fälle betraf die Knie- und Schultergelenke. Die Verletzungsquoten während der militärischen Ausbildung waren hoch und bezifferten sich auf 6 bis 12 Soldaten (von 100) je Monat innerhalb der Grundausbildung. Wilkinson et al. [50] führten ebenfalls an, dass sich während der Ausbildung ca. 58,6 % der Soldaten verletzten. Auch in dieser Untersuchung wurden hauptsächlich Verletzungen der unteren Körperhälfte (71 %) genannt, v. a. des LWS-Bereichs (14 %), der Knie (19 %) und der Sprunggelenke (15 %). Aktivitäten, die mit einer Verletzungsprävalenz in Zusammenhang stehen, waren: Gefechtsausbildung (30 %), andere militärische Ausbildungsinhalte (26 %) und Sport (22 %). Jones et al. [17] sahen im intensiven militärischen Training ebenfalls einen Risikofaktor für Verletzungen. Knapik et al. [27] gaben an, dass über 50 % der untersuchten Soldaten sich während der Ausbildung verletzt hatten und definierten als Risikofaktoren die geringe körperliche Leistungsfähigkeit (gemessen anhand der 2-Meilen-Laufzeiten und der Sit-up-Wiederholungen), was auch in anderen Studien beobachtet wurde [35][40].
Die gängigsten Verletzungen des Bewegungsapparates betrafen, einer Untersuchung von Taanila et al. [45] zufolge, auch den unteren Rücken/LWS (20 %) und die unteren Extremitäten (16 %). Diese Verletzungen traten ebenfalls v. a. während der Gefechtsausbildung in Verbindung mit hohen Trag- und Ausrüstungslasten sowie bei Märschen auf. Einschränkungen und Verletzungsbilder der Wirbelsäule und der Kniegelenke führten in hohem Maße (44 %) zu einem Rezidiv [45]. Possley & Johnson [38] geben Hinweise auf ein hohes Verletzungsrisiko durch militärspezifisches Kampfsporttraining/Nahkampf, da hier 55 von 1025 Soldaten Verletzungen am Bewegungsapparat erlitten, was deren weitere Ausbildung teilweise stark beeinträchtigte, da in 24 % der Fälle eine medizinische Anschlussbehandlung erforderlich war. Auch hier waren v. a. Knie- und Schultergelenke betroffen. Die Auswirkungen von militärischem Training und Gefechtssituationen (Stressexposition) führen nach Henning et al. [13] auch langfristig zu einer Verschlechterung der körperlichen und militärischen Leistungsfähigkeit und sind durch eine Reduktion von anabolen Hormonen, Muskelmasse und Knochendichte gekennzeichnet. Daher empfehlen diese im Vorfeld bzw. zur Nachsorge Maßnahmen (Kraft- und Konditionstraining) zu ergreifen, die darauf abzielen, Faktoren (Muskelmasse und die damit verbundenen hormonellen Reaktionen) zu maximieren.
Allein diese Übersicht und kurze Darstellung unterstreichen die Notwendigkeit ganzheitlicher Präventionsprogramme zur Reduktion ausbildungsbedingter Verletzungen bei Soldaten und Angehörigen der Einsatzverbände.
Die Rolle des Gehirns und das Zusammenspiel von Kognition und Kondition
Geht es um Bewegungsmuster, Gelenkstabilisierung und allgemeine motorische Kontrolle, so führt kein Weg an der Koordination und damit an der Leistungsfähigkeit und -funktion des Gehirns vorbei. Anspruchsvolle kognitive Trainingsaufgaben können die Gehirnleistung steigern [8].
Die neuronale (koordinative) Fähigkeit kann somit als Grundlage aller motorischen Fähigkeiten verstanden werden, was insbesondere für militärische und taktische Anforderungen von zentraler Bedeutung ist [21]. Das Gehirn und das Nervensystem benötigen jedoch dieselben Energieressourcen wie die übrigen Organsysteme (Energie). Kognitive und motorische Funktionen teilen sich im Spiel neuronale Ressourcen, was motor-kognitive Interferenzen zur Folge hat [18]. Die Ermüdung (bzw. reduzierte Leistungsfähigkeit) des einen Systems bedingt eine Beeinträchtigung des anderen Systems (motor-cognitive interference), was zu einem erhöhten Verletzungsrisiko führen kann bzw. damit in Verbindung steht. Personen mit geringerer kognitiver Leistungsfähigkeit haben ein erhöhtes Verletzungsrisiko [3]. Leistungssportler, die ihre kognitiven Fähigkeiten verbessern, zeigten bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben eine sicherere Gelenkbiomechanik als Sportler mit niedrigerem konditionell-kognitivem Leistungsniveau [10][14]. Dies kann sowohl als Hinweis auf das Präventionspotenzial hinsichtlich von Verletzungen gedeutet werden als auch als Potenzial zur Aufrechterhaltung einer erhöhten kognitiven Leistung bei gleichzeitig hohen konditionellen Beanspruchungen verstanden werden.
Die Bedeutung von Kondition und Kognition im Kontext der Verletzungsprävention
Vor allem im Bereich der Tactical Performance ist mentale Ermüdung oder Erschöpfung bei Einsatzkräften ein elementares Thema, da sie leichter unbemerkt bleibt, währendkörperliche Erschöpfungserscheinungen relativ eindeutig identifizierbar sind. Die Folgen mentaler Erschöpfung und kognitiven Abbaus sind jedoch häufig entscheidend und können lebensbedrohlich werden. Nicht nur im präventiven Sinne (Schmerzempfinden), sondern auch in der herabgesetzten Reaktionsfähigkeit, der Inhibierung und der Präzision. All dies kann zu zeitverzögerten Reaktionen oder gar Fehlern führen, die im Kontext „Schießen/Close Quarters Battle“ über Leben und Tod entscheiden.
Langsame visuelle Wahrnehmung und verzögerte kognitive Verarbeitung reduzieren die Reaktionsgeschwindigkeit und die Entscheidungsfindung von Individuen. Um die gleiche Leistung zu erreichen, müssen visuell-kognitive Defizite durch einen höheren motorischen Aufwand (z. B. Kraft, Geschwindigkeit) kompensiert werden [15][34][49]. Eine größere Muskelaktivierung und höhere Geschwindigkeit erhöhen die mechanische Belastung und verringern die Bewegungsqualität (sog. Speed-Accuracy-Trade-off), wodurch das Verletzungsrisiko steigt [28][30].
Die Einbindung kognitiver Aufgaben in motorische Übungen verbindet die Vorteile von kognitivem und körperlichem Training und führt zu deutlich besserem (motorisch-) kognitivem Output [26][31][41][42][47].
Lösungsansatz:
Konditionstraining in Verbund mit kognitiven Übungen (Visuomotorik)
Bei einem solchen Ansatz werden spezielle (computerbasierte) Übungen mit kognitiven Anforderungen mit konditionellen Aufgaben kombiniert. Beispielsweise Reaktionsübungen auf visuelle Reize, die mit parallel durchzuführenden motorischen Aufgaben (Agilität / Richtungswechsel) kombiniert werden. Der Fokus liegt mehr auf den visuellen, kognitiven und koordinativen Impulsen, und (etwas) weniger auf den konditionellen Anforderungen. Durch einen besonderen Fokus auf die taktischen Anforderungen des militärischen Trainings (Zielerfassung/Freund-Feind-Kennung) und die entsprechenden körperlichen Reaktionen (Bewegungsmuster/Gewandtheit) wird der Transfer nach dem Prinzip „train as you perform“ bzw. SAID (Specific Adaptation to Imposed Demand) befolgt.
In der sich ständig ändernden bzw. meist unklaren und gefährlichen (durch Feindeinwirkung beeinflussten) Lage, in der das Gleichgewicht zwischen körperlicher Leistung und geistiger Schärfe entscheidend ist, tauchen stets neue kognitive Modalitäten auf, die es durch ein Training der kognitiven Flexibilität anzupassen gilt. Somit werden idealerweise unterschiedliche, unvorhergesehene kognitive und körperliche Anstrengungen kombiniert und mittels anspruchsvoller Aufgaben darauf abgestellt, die körperliche Verfassung und die geistige Ausdauer parallel und progressiv auszubauen.
Abb. 2: Beispiel für ein kognitiv-konditionelles Training, hier: VisuomotorikTM (Bildrechte: Skillcourt® GmbH, 2026)
Durch diese Integration kognitiver Aufgaben, die Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktionen erfordern, in das körperliche Trainingsprogramm, zielt ein kombiniertes Training darauf ab, das Gehirn und die Kondition zu trainieren. Durch die gezielte Gewöhnung an konditionelle Stressfaktoren und gleichzeitige kognitive Anforderungen lernt ein Operator, die Belastungen anspruchsvoller Ausbildungsabschnitte (z. B. CQB) und realer Einsätze besser zu bewältigen. Zielsetzung und nachgewiesene Effekte [6][9][52] zeigt Tabelle 1.
Tab. 1: Effekte und Nutzen des visuomotorischen Trainings
Um die Effekte dieses Trainings zur nachhaltigen und umfassenden Leistungsfähigkeit in diesen beiden Bereichen zu optimieren, sind konditionelle und kognitive Trainingsstimuli essenziell.
Denn die kognitiven, konditionellen und koordinativen Fähigkeiten sind im militärischen Bereich von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören z. B. Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen sowie kognitive Leistungsfähigkeit unter körperlicher Belastung.
Eine solche Kombination von konditionellen und kognitiven Trainingsinhalten entspricht den realen Anforderungen und erwirkt spezifische Anpassungen auf diese Reize (gemäß dem Hebb’schen Prinzip „what wires together, fires together“). Daher ist sowohl die eingängige Diagnostik als auch das Training der konditionellen und kognitiven Fähigkeiten auf die realen visuell-kognitiv-motorischen/konditionellen Anforderungen (vgl. SAID-Transfer) zu beziehen.
Durch ein Training, das koordinative Übungen (Agilität etc.) mit kognitiven Aufgaben verknüpft (idealerweise mit sehr hohem Transfer auf die Alltagsaufgaben), wird dieser Ansatz verfolgt. Die Integration eines solchen visuomotorischen Ansatzes in das Konditionstraining kann für Soldaten einen hohen beidseitigen Transfer und Nutzen bieten.
Generell muss im Vorfeld jedoch sichergestellt sein, dass ein Trainingskonzept dauerhaft umsetzbar ist, und allein im Alltag die ausreichende Zeit hierfür gegeben ist. Orientiert an den Erkenntnissen und jahrzehntelangen Erfahrungen aus dem Leistungssport sollte eine ähnliche Periodisierung angewandt werden, die sich bspw. am Einsatzzyklus (battle rhythm) – wenn vorhanden – orientiert.
Durch die vorherige Analyse der Bewegungsmuster, Belastungsformen und allgemeinen Anforderungen an die Kondition werden die Trainingsinhalte entsprechend festgelegt.
Durch regelmäßige Tests werden nicht nur der Effekt des Trainings, sondern auch der physische Leistungsstand des Operators ermittelt. Dies kann als ein Bestandteil der Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Verbandes und damit auch der Wirkung, verstanden werden. Auch hier sind Parallelen aus dem Leistungssport zulässig.
Eine Planung sollte demnach mindestens einen Zeitraum von 3–6 Monaten sowie die darin enthaltenen Belastungsphasen (Lehrgänge/Übungen/Einsätze) berücksichtigen, um eine adäquate Belastungssteuerung und -planung zu ermöglichen.
Auch im Hinblick auf die Thematik „Return to Combat“ bzw. HPR (Human Performance Restoration) – also die Wiederherstellung nach Verletzungen (siehe Abbildung 3), kann ein solches Training sehr effizient und effektiv sein [2].
Denn die Steigerung beider Komponenten (Kondition und Kognition) ist auch hier der Lösungsansatz, idealerweise in engem Zusammenwirken und mit möglichst realitätsnahem Transfer. Dies gilt vor allem, wenn die Bewegungsqualität (neuromuskuläre Kontrolle) und die Verletzungsprävention im Fokus stehen. Denn solche Multikomponenten-Trainingsprogramme wie das neuromuskuläre Training können das Risiko nicht-kontaktbedingter Kreuzbandverletzungen (ACL) bei Sportlern um bis zu 45 % und bei Sportlerinnen sogar um bis zu 70 % senken [5]. Diese Integration kognitiver Aufgaben in return-to-sport-tests (RTS) ist entscheidend, um das Re-Verletzungsrisiko zu reduzieren [11]. Durch die Aktivierung neuronaler Strukturen und Kapazitäten im militärspezifischen Training konnte gezeigt werden, dass dieser Faktor die konditionellen Ressourcen effektiver steigert als ein „isoliertes“ Konditionstraining [19].
Die Grundprinzipien der Trainingslehre sollten auch in einem Verbund von kognitiv-konditionellem Training angewendet werden, wie z. B. die Abwechslung von Be- und Entlastungsphasen, die Verwendung verschiedener Trainingsinhalte und die Fokussierung auf einen Schwerpunkt, z. B. Blockperiodisierungsmodelle [22]. Diese kann an den Anforderungen und/oder den Mängeln des jeweiligen Operators orientiert sein. Daher sollte berücksichtigt werden, dass die Trainingsinhalte von Fall zu Fall (individualisiert) variieren werden, auch wenn Auftrag und damit die Anforderungen gleichbleiben.
Neben den Trainingsinhalten sind Aspekte wie Ernährung, Regeneration und weitere Faktoren, die den HPO-Ansatz verdeutlichen (Ethik, Soziales etc.) von unabdingbarer Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Combat Readiness [22] bzw. die Vorbereitung auf die entsprechenden Verwendungen und Potenzialfeststellungsverfahren [23].
Fazit
Am Beispiel eines visuomotorischen Trainings, also der Kombination aus Kognitions- und Konditionstraining, wird der Nutzen von HPO-Konzepten beispielhaft erläutert.
Die Leistungssteigerung, der hohe Transfer zu den spezifischen Alltagsanforderungen der Operatoren (Spezialeinsatzkräfte) stehen hierbei im Mittelpunkt. Moderne Optimierungsansätze verfolgen stets eine Ganzheitlichkeit (Kognition und Kondition), sowie einen nachhaltigen und trainingswissenschaftlichen Ansatz. Bedingt durch die extremen Anforderungen und die damit verbundenen Verletzungsrisiken in der Ausbildung, Übung und im Einsatz unterstreichen sie erneut die Notwendigkeit spezifischer, individueller und engmaschig betreuter Konzepte. Der stetige Abgleich mit wissenschaftlichen und v. a. praxiserprobten Erfahrungen ist dabei ebenso notwendig.
Gerade in Zeiten der Knappheit an geeignetem hochwertigem Personal und der gesteigerten Bedrohungsszenarien sind solche und ähnliche Programme und Strategien unverzichtbarer Inhalt in der Ausbildung und Begleitung der Einsatz- und Spezialkräfte.
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Manuskriptdaten
Zitierweise
Kaptain D. Human Performance am Beispiel des kognitiv-körperlichen Trainings und dessen Bedeutung zur Leistungssteigerung und Verletzungsprävention. WMM 2026;70(10):467-472.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-978
Verfasser
Prof. Dr. Daniel Kaptain, Korvettenkapitän d.R.
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, Saarbrücken
CORPUS Performance & Gesundheitsmanagement
Weißkirchenerstrasse 39 c, 61440 Oberursel
E-Mail: dk@corpus-performance.de
Manuscript Data
Citation
Kaptain D. [Human Performance Illustrated by Cognitive-Physical Training and its Importance for Performance Enhancement and Injury Prevention]. WMM 2026;70(10):467-472.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-978
Author
Prof. Dr. Daniel Kaptain, Lieutenant Commander
German University of Prevention and Health Management,
Saarbrücken
CORPUS Performance & Gesundheitsmanagement
Weißkirchenerstrasse 39 c, D-61440 Oberursel
E-Mail: dk@corpus-performance.de