Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg zur Prävention arzneimittelbezogener Probleme und unerwünschter Arzneimittelwirkungen
Clinical-pharmaceutical Services of the Pharmacy Department at Bundeswehr Hospital Hamburg to Prevent Drug-related Problems and Adverse Drug Reactions
Kurzfassung der Originalarbeit “Zube O, Schlüter W, Dicken J, Hensen J, Bertsche T. The Spectrum of Clinical Pharmacy Services in a Non-University Hospital – A Comprehensive Characterization Including a Risk Assessment for Drug-Related Problems and Adverse Drug Reactions. Pharmacy (Basel) 2025;13(6):164”
Olaf Zubea, Wiebke Schlütera,b,c, Johanna Dickena, Jan Hensena, Thilo Bertschea,b,c
a Krankenhausapotheke, Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
b Abteilung für Klinische Pharmazie, Institut für Pharmazie, Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
c Zentrum für Arzneimittelsicherheit, Universität und Universitätsklinikum Leipzig
Zusammenfassung
Arzneimittel spielen eine zentrale Rolle in der Therapie. Arzneimittelbezogene Probleme und unerwünschte Arzneimittelwirkungen können den therapeutischen Erfolg allerdings beeinträchtigen. Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen haben sich in der internationalen Literatur als wirksame Strategie zur Prävention solcher Probleme und unerwünschter Effekte erwiesen. Es stellte sich die Frage, in welchem Umfang und mit welcher Akzeptanz klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen aus der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg heraus angeboten werden, um arzneimittelbezogene Probleme und unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu verhindern.
Nach positivem Ethikvotum wurden Patientenakten strukturiert analysiert, die pharmazeutische Dokumentation gesichtet und standardisierte Interviews mit Apothekern durchgeführt. Zur Risikobewertung wurde der Score des National Coordinating Council for Medication Error Reporting and Prevention (NCC MERP) eingesetzt. Insgesamt wurden 1 000 klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen bei 504 Patienten (mittleres Alter: 69,95 Jahre; 229 weiblich) an 16 705 Behandlungstagen untersucht. Der Schweregrad von 358 identifizierten arzneimittelbezogenen Problemen wurde in 5 % als „sehr schwerwiegend“, in 43 % als „schwerwiegend“ und in 34 % als „mittelgradig“ klassifiziert. In 15 % der Fälle wurde eine tatsächlich aufgetretene unerwünschte Arzneimittelwirkung dokumentiert. Es wurden 932 spezifische Empfehlungen zur Behebung der identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme gegeben. Davon wurden 54 % von den behandelnden Ärzten umgesetzt.
Schlüsselwörter: klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen, Krankenhausapotheke, arzneimittelbezogene Probleme, unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Summary
Drug therapies play a central role in treatment. However, drug-related problems and adverse drug reactions can impair therapeutic success. According to the international literature, clinical pharmacy services have proven to be an effective strategy for preventing such problems and adverse effects. The question arose as to what extent and with what level of acceptance clinical pharmacy services are offered by the Pharmacy Department at the Bundeswehr Hospital Hamburg to prevent drug-related problems and adverse drug reactions.
Following a positive ethics vote, patient records were systematically analyzed, pharmaceutical documentation was reviewed, and standardized interviews with pharmacists were conducted. The National Coordinating Council for Medication Error Reporting and Prevention (NCC MERP) score was used for risk assessment. A total of 1,000 clinical pharmacy services were examined for 504 patients (mean age: 69.95 years; 229 female) over 16,705 treatment days. The severity of 358 identified drug-related problems was classified as “very serious” in 5 %, “severe” in 43 %, and “moderate” in 34 %. An actual adverse drug reaction was documented in 15 %. 932 specific recommendations were forwarded to address identified drug-related problems. Of these, 54 % were implemented by the attending physicians.
Keywords: clinical pharmacy services; hospital pharmacy; drug-related problems; adverse drug reactions
Einleitung
Arzneimittelbezogene Probleme und unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Arzneimittelbezogene Probleme können auftreten, wenn bei Patienten1, insbesondere bei solchen, die viele Arzneimittel gleichzeitig einnehmen, die Eliminationsfähigkeit eingeschränkt wird oder Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln nicht berücksichtigt werden [2]. Solche arzneimittelbezogenen Probleme können insbesondere bei gefährdeten, vulnerablen Gruppen klinische Folgen haben. Diese klinischen Folgen können durch eine eingeschränkte Effektivität der Arzneimitteltherapie oder durch vermeidbare Risiken wie etwa unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursacht sein [4]. Bestimmte Darreichungsformen (z. B. Inhalationsgeräte), komplexe Therapieschemata (z. B. in der Onkologie) und teure Therapien (z. B. in der Onkologie) sind therapiebezogene Variablen, die zusätzliche Risikofaktoren für unerwünschte pharmakotherapeutische oder pharmakoökonomische Folgen bei Auftreten arzneimittelbezogener Probleme darstellen können [8].
Dies führt zu einem erhöhten Beratungsbedarf der behandelnden Ärzte hinsichtlich der korrekten Wahl der Therapie (pharmakodynamisch angemessen) [5], der korrekten Dosierung (pharmakokinetisch angemessen) [6], der korrekten Darreichungsform (pharmazeutisch angemessen) [11] und einer kosteneffizienten Therapie (pharmakoökonomisch angemessen) [9] gemäß der aktuellen Evidenz.
Implementierung von klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen
Zur Prävention von arzneimittelbezogenen Problemen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen hat sich die Integration klinischer Apotheker in ein interprofessionelles Behandlungsteam als sinnvoll erwiesen [10]. Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen haben sich in diesem Sinne laut internationaler Literatur, auch unter erschwerten Grundbedingungen des jeweiligen Gesundheitssystems, als effektive und effiziente Strategie erwiesen [7]. Der Fokus lag bislang allerdings häufig auf besonders vulnerablen Patientengruppen wie Intensivpatienten [3] sowie auf universitären Einrichtungen [1]. Andere medizinische Bereiche mit anderen Patientengruppen wie in der Bundeswehr haben bisher nicht dieselbe Aufmerksamkeit hinsichtlich strukturierter Untersuchungen erhalten, obwohl wahrscheinlich auch ein beträchtlicher Anteil der beispielsweise an Bundeswehrkrankenhäusern behandelten militärischen und zivilen Patienten davon profitieren könnte. Darüber hinaus liefern die meisten bisherigen Studien keine aussagekräftigen Daten zu den klinischen Konsequenzen von arzneimittelbezogenen Problemen, wie beispielsweise tatsächlich auftretenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
Im Rahmen der Arbeit wurde von den Autoren der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg in einer zivil-militärischen Zusammenarbeit mit der Klinischen Pharmazie und dem Zentrum für Arzneimittelsicherheit an der Universität Leipzig erstmals eine strukturierte Analyse des umfassenden Angebots klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen durchgeführt.
Methoden
Die Autoren untersuchten die Empfehlungen zur Behebung arzneimittelbezogener Probleme und zur Prävention unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Rahmen klinisch-pharmazeutischer Dienstleistungen. Dazu wurden Patientenakten analysiert (objektive Bewertung) sowie Interviews mit den durchführenden klinischen Apothekern (subjektive Bewertung) durchgeführt, um die klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen in möglichst allen bettenführenden Abteilungen des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg zu charakterisieren. Es sollten die folgenden Forschungsfragen beantwortet werden:
- Wie viele klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen wurden je Patient und pro Behandlungstag erbracht?
- Wie viele Patienten pro Abteilung profitierten von klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen?
- Wie wurden klinisch-pharmazeutische Dienstleistungenanfragen bearbeitet (z. B. in der Visite, als Konsil im Rahmen der Arzneimittelinformation)?
- Welche Themen wurden in den klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen adressiert?
- Welche Arzneimittelgruppen wurden in den klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen adressiert?
- Wie viel Zeit nahmen die klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen in Anspruch?
- Wie wurden der potenzielle Schweregrad der während der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen auftretenden arzneimittelbezogenen Probleme und die Anzahl der tatsächlich eingetretenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen bewertet?
- Wie wahrscheinlich war das Auftreten der in den klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme?
- Welche Empfehlungen wurden zur Behebung der im klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme gegeben?
- Wie hoch war die Akzeptanz der im klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungsangebot gegebenen Empfehlungen zur Behebung des arzneimittelbezogenen Problems unter den behandelnden Ärzten?
Ergebnisse
Die Autoren berichten von folgenden Ergebnissen zu ihren Forschungsfragen:
- Insgesamt wurden 1 000 klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen von 504 Patienten (mittleres Alter: 69,95 Jahre; 229 weiblich) an 16 705 Behandlungstagen durchgeführt.
- Die Anzahl der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen reichte von 0,36/100 Behandlungstagen in der Dermatologie bis zu 12,47/100 Behandlungstagen in der Onkologie.
- Im Rahmen der Visite wurden 67 % der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen durch Apotheker initiiert.
- Am häufigsten wurde in allen klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen das Thema „Indikationen“ (38 %) adressiert.
- „Wirkstoffe gegen obstruktive Atemwegserkrankungen“ war die am häufigsten betroffene Arzneimittelklasse (11 %).
- Die Bearbeitungszeit für eine jeweilige klinisch-pharmazeutische Dienstleistung betrug am häufigsten 16–30 Minuten (49 %). Onkologie, Kardiologie und Nephrologie beanspruchen den größten Zeitaufwand für die durchgeführten klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen.
- Der Schweregrad von 358 arzneimittelbezogenen Problemen wurde wie folgt klassifiziert: „sehr schwerwiegend“ (5 %), „schwerwiegend“ (43 %), „mittel“ (34 %), „gering“ (15 %), „sehr gering“ (1 %) oder „ohne Auswirkungen“ (1 %).
- Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines arzneimittelbezogenen Problems wurde in 13 % der Fälle als „hoch“ und in 3 % als „sehr hoch“ eingestuft. Bei 15 % der arzneimittelbezogenen Probleme trat tatsächlich eine unerwünschte Arzneimittelwirkung auf.
- Für 504 Patienten wurden 932 spezifische Empfehlungen zur Behebung der im Rahmen der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme ausgesprochen.
- Von den im Rahmen der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen gegebenen Empfehlungen wurden 54 % von den behandelnden Ärzten berücksichtigt. In der Onkologie wurden die meisten individuellen Maßnahmen im Rahmen der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen umgesetzt.
Eine grafische Übersicht (Graphical Abstract) zum Projekt wird in Abbildung 1 dargestellt.
Abb. 1: Graphical Abstract zur Publikation Zube O, Schlüter W, Dicken J, Hensen J, Bertsche T. The Spectrum of Clinical Pharmacy Services in a Non-University Hospital – A Comprehensive Characterization Including a Risk Assessment for Drug-Related Problems and Adverse Drug Reactions. Pharmacy 2025;13(6):164 (https://doi.org/10.3390/pharmacy13060164)
(Erstellt von: Service Satz und Grafik, Universitätsbibliothek Leipzig)
Diskussion
Einordnung des Hintergrunds
Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen haben das Potenzial, arzneimittelbezogene Probleme sowie die daraus resultierenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen zu verhindern. Um jedoch unter Routinebedingungen mit begrenzten Ressourcen effektiv und effizient zu sein, sollten sie bedarfsgerecht priorisiert und an die medizinischen Anforderungen angepasst werden. Folglich sollten die verfügbaren Ressourcen optimal genutzt werden, um die Patientensicherheit anhand patienten- und qualitätsbezogener Parameter möglichst nachweisbar zu erhöhen. Daher ist es nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch für die praktische Umsetzung und eine nachhaltige Versorgung wichtig zu erfassen, welche klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen je nach medizinischer Abteilung angeboten werden. Die thematischen Ziele und der Zeitaufwand sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Besonderes Augenmerk sollte auf die identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme gelegt und deren Behebung sollte angestrebt werden. Letztendlich ist eine klinisch-pharmazeutische Dienstleistung nur dann effektiv, wenn die daraus resultierenden Empfehlungen auch umgesetzt werden. Es ist besonders wichtig festzustellen, ob tatsächlich eine unerwünschte Arzneimittelwirkung aufgetreten ist und durch die Empfehlungen aus einer klinisch-pharmazeutischen Dienstleistung hätte behoben werden können, oder zumindest, welches Potenzial hierfür bestanden hätte.
Einordnung der Ergebnisse
In dieser Studie der Apotheke des BwKrhs Hamburg wurden 1 000 klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen bei 504 Patienten an 16 705 Behandlungstagen untersucht. Die Anzahl der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen erwies sich allerdings je nach medizinischer Fachabteilung als sehr unterschiedlich. Die Teilnahme klinischer Apotheker an den Visiten machte zwei Drittel der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen aus und zeigte die Bedeutung der aktiven Präsenz des Apothekers auf Station. Indikationen und Wirkstoffe gegen obstruktive Atemwegserkrankungen wurden thematisch am häufigsten behandelt. Dies belegt, dass im Alltag durchaus auch die pharmakotherapeutische Einschätzung der Apotheker bei der Indikationsstellung gefragt ist und nicht nur Bewertungen von Arzneimittelinteraktionen und Dosisadjustierungen. Erklärungsbedürftige Arzneiformen wie Inhalativa erwiesen sich erwartungsgemäß als ein „Steckenpferd“ pharmazeutischer Unterstützung auf Station – häufig in Verbindung mit direkten Schulungen am Patienten.
Rund die Hälfte der klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen benötigte eine Bearbeitungszeit von 16 bis 30 Minuten und belegt damit einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Dieser reichte von der Identifikation eines arzneimittelbezogenen Problems über die Recherche von Lösungsstrategien bis hin zu deren Umsetzung in den Behandlungsalltag, einschließlich der Kommunikation mit den beteiligten Ärzten und gegebenenfalls mit den Patienten. Fast jede zweite der identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme wurde als „sehr schwerwiegend“ oder „schwerwiegend“ klassifiziert. Dies belegt die klinische Relevanz und die Dringlichkeit pharmazeutischer Interventionen, die häufig nicht nur formale Verschreibungsprozesse umfassen, sondern auch Aspekte mit erheblicher Bedeutung für die Patienten. Damit wird auch unterstrichen, dass bei fast jedem sechsten arzneimittelbezogenen Problem tatsächlich eine unerwünschte Arzneimittelwirkung auftrat. Bei 1 000 Interventionen wurden in fast allen Fällen Empfehlungen an die behandelnden Ärzte gegeben. Mehr als die Hälfte dieser Empfehlungen wurde direkt umgesetzt. Bei zahlreichen weiteren war eine Umsetzung im weiteren Verlauf unklar, aber auch nicht auszuschließen. Die Ergebnisse der Hamburger Studie unterstreichen den Bedarf an klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen in der Versorgung an einem BwKrhs zur Verbesserung der Patientensicherheit.
Spezifika eines Bundeswehrkrankenhauses
Das BwKrhs Hamburg verfügt über eine Kapazität von bis zu 300 Betten. Anders als Krankenhäuser dieser Größe, beispielsweise in kommunaler oder privater Trägerschaft, liegt der Schwerpunkt eines BwKrhs jedoch primär auf der Ausbildung von Gesundheits- und Pflegefachkräften für Aufgaben innerhalb der Bundeswehr. Ein Universitätsklinikum hat neben der Patientenversorgung auch einen Forschungs- und Lehrauftrag. Insofern positioniert sich das BwKrhs vermutlich zwischen kleineren privaten bzw. kommunalen Krankenhäusern und Universitätsklinika. Die geringere Bettenzahl bedeutet jedoch auch, dass der Umfang des Apothekenpersonals (trotz des Ausbildungsauftrags) kleiner ist als an einem Universitätsklinikum. Daher ist eine Spezialisierung in einem Bundeswehrkrankenhaus nicht im gleichen Maße möglich wie an einem Universitätsklinikum. Bei Personalengpässen, beispielsweise krankheitsbedingt, kann die geringere Anzahl an Apothekern in einer solchen Einrichtung die Ausfälle besser kompensieren als an Universitäten. Dies hat auch Vorteile, da so das Fachwissen aus allen pharmazeutischen Bereichen besser erhalten bleibt. Personalengpässe machen sich in einem kleineren Krankenhaus allerdings schneller bemerkbar.
An Universitätsklinika erfolgt die Finanzierung klinischer Apotheker häufig durch die medizinischen Abteilungen. In einem BwKrhs müssen diese Kosten jedoch entweder von der Apotheke selbst getragen werden oder es stehen (sehr begrenzte) zusätzliche Mittel zur Bereitstellung von Dienstleistungen zur Verfügung. Unabhängig davon, ob die unterschiedlichen Bedingungen positiv oder negativ ausfallen, machen sie den Autoren zufolge deutlich, dass klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen auch in BwKrhs evaluiert werden sollten und dass Daten aus anderen Einrichtungen mit abweichenden Bedingungen oder aus dem Ausland nicht einfach übernommen werden können.
Ausblick
Aufbauend auf den hier vom Autorenteam präsentierten Ergebnissen sind in Hamburg weitere Entwicklungen geplant, um die klinische Pharmazie bei der Aufnahme und Entlassung besser zu vernetzen. Während die klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen während des Krankenhausaufenthalts am BwKrhs Hamburg bereits gut etabliert sind, sehen die Autoren bei der Entlassung noch Entwicklungspotenzial. Es soll eine nachhaltigere Umsetzung der von klinischen Apothekern empfohlenen Therapieanpassungen erreicht werden.
Ein weiterer Bereich, der ausgebaut werden soll, ist die patientenbezogene Beratung. Insbesondere die Inhalationsschulung für Patienten ist den Autoren zufolge bereits gut angenommen und wird häufig durchgeführt. Aus den Ergebnissen leiten die Autoren allerdings ein hohes Potenzial ab, die patientenbezogenen Dienstleistungen zukünftig zu erweitern, wenn die Patienten die Medikamenteneinnahme ambulant selbst übernehmen.
Nicht zuletzt sollte die hier dargestellte Bewertung klinischer Risiken durch die durchführenden klinischen Apotheker weiterentwickelt werden, indem klinische Ergebnisse und validierte Indikatoren berücksichtigt werden, die frühzeitig auf ein Risiko hinweisen, bevor ein Patient Schaden erleidet.
Die Umsetzungsrate ist dabei als zentraler Aspekt zu betrachten, der künftig optimiert werden kann. Über 50 % der Empfehlungen der klinischen Apotheker wurden umgesetzt. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass ein beträchtlicher Teil der über 30 % arzneimittelbezogenen Probleme, die nicht weiterverfolgt werden konnten, dank der Empfehlungen noch gelöst werden kann. Dennoch könnte die interprofessionelle Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern – nicht nur in Hamburg – zukünftig noch weiter ausgebaut werden.
Kernaussagen
- 1 000 untersuchte klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen bei über 500 Patienten an fast 17 000 Behandlungstagen lieferten ein repräsentatives Bild am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg.
- Mehr als 15 % der identifizierten arzneimittelbezogenen Probleme hatten bereits zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen geführt, bevor Empfehlungen ausgesprochen wurden.
- Die aktive Beteiligung von Klinischen Apothekern an den Visiten erwies sich als sinnvoll, um arzneimittelbezogene Probleme gezielt zu identifizieren.
- In 1 000 klinisch-pharmazeutischen Dienstleistungen wurden 932 konkrete Empfehlungen zur Lösung arzneimittelbezogener Probleme gegeben.
- Jede zweite Empfehlung wurde von den behandelnden Ärzten umgesetzt. In zahlreichen weiteren Fällen konnte die Umsetzung nicht ausgeschlossen werden.
Erklärung zum Urheberrecht
Bei dem Artikel handelt es sich um die Kurzfassung des als Originalarbeit veröffentlichten Beitrags:
Zube O, Schlüter W, Dicken J, Hensen J, Bertsche T. The Spectrum of Clinical Pharmacy Services in a Non-University Hospital – A Comprehensive Characterization Including a Risk Assessment for Drug-Related Problems and Adverse Drug Reactions. Pharmacy (Basel) 2025;13(6):164 (https://doi.org/10.3390/pharmacy1306016).
Die Originalarbeit basiert auf den Ergebnissen der Diplomarbeit von Wiebke Schlüter und entstand aus der zivil-militärischen Zusammenarbeit der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg und der Abteilung für Klinische Pharmazie des Instituts für Pharmazie sowie dem Zentrum für Arzneimittelsicherheit der Universitätsmedizin Leipzig.
Autoren und Verlag sind mit der Veröffentlichung als Kurzfassung einverstanden
Literatur (Auszug aus der Originalpublikation)
- Bertsche T, Pfaff J, Schiller P, et al. Prevention of adverse drug reactions in intensive care patients by personal intervention based on an electronic clinical decision support system. Intensive Care Med. 2010 Apr;36(4):665-672. mehr lesen
- Garin N, Sole N, Lucas B, et al. Drug related problems in clinical practice: a cross-sectional study on their prevalence, risk factors and associated pharmaceutical interventions. Sci Rep. 2021 Jan 13;11(1):883. mehr lesen
- Hilgarth H, Wichmann D, Baehr M, Kluge S, Langebrake C. Clinical pharmacy services in critical care: results of an observational study comparing ward-based with remote pharmacy services. Int J Clin Pharm. 2023 Aug;45(4):847-856. mehr lesen
- Lavan AH, Gallagher P. Predicting risk of adverse drug reactions in older adults. Ther Adv Drug Saf. 2016 Feb;7(1):11-22. mehr lesen
- Paudyal V, Okuyan B, Henman MC, et al. Scope, content and quality of clinical pharmacy practice guidelines: a systematic review. Int J Clin Pharm. 2024 Feb;46(1):56-69. mehr lesen
- Powell JR, Cook J, Wang Y, Peck R, Weiner D. Drug Dosing Recommendations for All Patients: A Roadmap for Change. Clin Pharmacol Ther. 2021 Jan;109(1):65-72. mehr lesen
- Mwakawanga DL, Mutagonda RF, Mlyuka HJ, et al. Improving the provision of clinical pharmacy services in low- and middle-income countries: a qualitative study in tertiary health facilities in Tanzania. BMJ Public Health. 2025 Jan 20;3(1):e001776. mehr lesen
- Schmidt SJ, Wurmbach VS, Lampert A, et al. Individual factors increasing complexity of drug treatment-a narrative review. Eur J Clin Pharmacol. 2020 Jun;76(6):745-754. mehr lesen
- Simonetti L, Lefrant JY, Cireașă B, Poujol H, Leguelinel-Blache G. Pharmacoeconomic and clinical impact of pharmaceutical service in the intensive care unit: a systematic review. Eur J Hosp Pharm. 2025 Oct 24;32(6):495-500. mehr lesen
- Wang C, Li M, Huang Y, Xi X. Factors influencing clinical pharmacists' integration into the clinical multidisciplinary care team. Front Pharmacol. 2023 Jun 12;14:1202433. mehr lesen
- World Health Organization. Guide for Good Prescribing [Internet].WHO 1994.[Letzter Zugriff: 18. August 2025]; verfügbar unter: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/59001/WHO_DAP_94.11.pdf. mehr lesen
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel das generische Maskulinum verwendet. Die in der Arbeit verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich – sofern nicht anders kenntlich gemacht – auf alle Geschlechter.
Manuskriptdaten
Zitierweise
Zube O, Schlüter W, Dicken J, Hensen J, Bertsche T. Klinisch-pharmazeutische Dienstleistungen der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg zur Prävention arzneimittelbezogener Probleme und unerwünschter Arzneimittelwirkungen. WMM 2026;70(6):299-303.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-894
Für die Verfasser
Oberstapotheker Olaf Zube
Apotheke Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Lesserstraße 180, 22049 Hamburg
E-Mail: olafzube@bundeswehr.org
Oberstapotheker d. R.
Prof. Dr.rer.nat. Thilo Bertsche
Klinische Pharmazie des Pharmazeutischen Instituts, Universitätsmedizin Leipzig
Zentrum für Arzneimittelsicherheit, Universitätsklinik Leipzig
Bruederstraße 32
04103 Leipzig
E-Mail: thilo.bertsche@uni-leipzig.de
Manuscript Data
Citation
Zube O, Schlüter W, Dicken J, Hensen J, Bertsche T. [Clinical-pharmaceutical services of the Pharmacy Department at Bundeswehr Hospital Hamburg to prevent drug-related problems and adverse drug reactions]. WMM 2026;70(6):299-303.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-894
For the Authors
Colonel (MC Pharm) Pharmacist Olaf Zube
Pharmacy Department, Bundeswehr Hospital Hamburg
Lesserstraße 180, 22049 HAMBURG, GERMANY
E-Mail: olafzube@bundeswehr.org
Colonel (MC Pharm Res) Prof. Dr.rer.nat. Thilo Bertsche
Medical Faculty/Institute of Pharmacy, Leipzig University
Drug Safety Center, Leipzig University Hospital
Bruederstraße 32, D-04103 Leipzig
E-Mail: thilo.bertsche@uni-leipzig.de