Wehrmedizinische Monatsschrift

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Editorial
Editorial
Präventivmedizin
Effizienz beim Marschieren:​ Studie zu Beanspruchung,​ Ermüdung und Leistungserhalt bei militärischen Fußmärschen







Präventivmedizin
Präventivmedizinische Unterstützung im Einsatz gegen ­Hitze und Kälte – Entwicklung einer Klimaweste am Institut für ­Präventivmedizin der Bundeswehr






Präventivmedizin
Operational Resilience Training – Ein für die Ukraine entwickeltes operatives Resilienztraining als Option für die Bundeswehr?





Präventivmedizin
Impedanzkardiografie zur Erfassung individueller physiologischer ­Beanspruchung – Vergleich mit spiroergometrischen Messgrößen




Präventivmedizin
Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell:​ Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur ­Erfassung von Prädiktoren für militärische Leistung,​ Stressempfinden und ­Gesundheitserleben




Präventivmedizin
Suchtprävention im Kontext der Kriegstüchtigkeit – pathogenetische,​ präventive und therapeutische Aspekte

Präventivmedizin
Vom Gesundheitsarchiv zur Prävention:​ BMI-Entwicklung in der Bundeswehr über sechs Jahrzehnte


Präventivmedizin
AIM:​ Das Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsbeurteilung – Konzeption eines neuen Messinstruments für die präventivmedizinische Forschung in der Bundeswehr



Wehrpharmazie
Untersuchungen zur Gebrauchstauglichkeit einer bundeswehreigenen Autoinjektor-Plattform:​ Ergebnisse der zweiten formativen Studie





Tagungen und Kongresse
Das “5th Symposium on Tropical Medicine and Infectious Diseases in the International Military Medical Context 2026” – wie immer ein guter Grund für einen Besuch in Hamburg

Tagungen und Kongresse
Jahrestagung 2026 der Österreichischen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie
Tagungen und Kongresse
Bericht über die Internationale Tagung der Schweizerischen ­Gesellschaft der Sanitätsoffiziere 2026
Aus dem Sanitätsdienst
Zum 60.​ Geburtstag Oberstapotheker Dr.​ Bernd Klaubert
Aus dem Sanitätsdienst
In Memoriam Flottenarzt a.​ D.​ Dr.​ Harald Brünn
Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage Dezember 2026
Präventivmedizin PDF

Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell: Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur Erfassung von Prädiktoren für militärische Leistung, Stressempfinden und ­Gesundheitserleben*

Basic Training as a Preventive Medical Model: Development of a Standardised Study Design to Detect ­Predictors of Military Performance, Stress Perception and Health Experience

Alexander Witzkia, Kristina Küpera, Nils-Alexander Simona,b, Manuela Andrea Hoffmanna, c-d

* Die in diesem Beitrag verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich immer gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen. Auf eine Doppelnennung und gegenderte Bezeichnungen wird im Allgemeinen, zugunsten einer besseren Lesbarkeit, verzichtet.

a Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach und ASt ­Koblenz

b Verbindungsstabsoffizier des Heeres am Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr – Ausbildungskommando, Leipzig

c Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

d Medizincampus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Zusammenfassung

In der Grund- bzw. Basisausbildung erlernen Rekrutinnen und Rekruten die Grundlagen militärischer Tätigkeiten und werden im Soldatenberuf sozialisiert. Diese erste militärische Ausbildungsphase wird häufig als belastend empfunden und eignet sich daher als Modell zur wissenschaftlichen Untersuchung der mit dem Soldatenberuf verbundenen Anforderungen. Das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr (InstPrävMedBw) plant, diesen Modellcharakter in einem bevorstehenden Forschungsprojekt zu nutzen, um Personenfaktoren zu identifizieren, die positive Auswirkungen auf die Bewältigung der Herausforderungen und Belastungen militärischer Tätigkeiten haben. Untersucht werden soll, ob und in welchem Ausmaß individuelle Merkmale wie Resilienz und Selbstwirksamkeit Einfluss auf das Gesundheits- und Stressempfinden sowie die militärische Leistungsfähigkeit von Rekrutinnen und Rekruten haben. Das geplante Studiendesign und die Messinstrumente zur Operationalisierung wurden im Vorfeld mittels zweier Pilotuntersuchungen getestet, die hier beschrieben werden.

Die für die Hauptstudie geplante Vorgehensweise ermöglicht es, mit geringem Aufwand wichtige präventivmedizinische und militärpsychologische Erkenntnisse zur Verbesserung der individuellen Konstitution (Stress- und Gesundheitsempfinden) von Soldatinnen und Soldaten sowie ihrer militärischen Leistungsfähigkeit zu gewinnen und damit einen wichtigen Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) zu leisten.

Schlüsselwörter: Präventivmedizin, Militärpsychologie, Grundausbildung, Basisausbildung, Resilienz, Belastung, Beanspruchung, subjektive Gesundheit, militärische Leistungsfähigkeit

Summary

In basic training, recruits learn fundamental military skills and are first socialised as a soldier. This initial phase of military training is frequently perceived as stressful, and is thus a good model for the scientific investigation of the demands associated with military service. The Bundeswehr Institute of Preventive Medicine plans to apply this model in an upcoming research project in order to identify personal factors that have a positive impact on coping with the challenges and stresses of military service. The study aims to investigate whether and to what extent individual characteristics such as resilience and self-efficacy impact the health and stress perception as well as the military performance of recruits. The study design and measures used to operationalise these characteristics were tested in two pilot studies. The approach intended for use in the main study provides important preventive medical and military psychological insights. These can be used to improve soldiers’ constitution (subjective stress and health) as well as military performance with minimal effort, thus generating an important contribution to national and alliance defences.

Keywords: preventive medicine; military psychology; basic training; resilience; stress; strain; subjective health; military performance

Einleitung und Hintergrund

Angehörige von Streitkräften waren schon immer besonderen physischen und psychischen Härten, Entbehrungen und Belastungen ausgesetzt [1].

Wie das Zitat aus dem Handbuch Innere Führung herausstellt, ist der Beruf der Soldatinnen und Soldaten von besonderen Anforderungen und Belastungen geprägt. Dies wird vor allem in stark belastenden Ausnahmesituationen, im Einsatz und in Gefechtssituationen deutlich, die eine sehr hohe individuelle Resilienz erfordern (siehe Bilder am Anfang des Beitrags). Deshalb war und ist das „Streben nach einem höheren Maß an Resilienz“ schon immer Teil des Soldatenberufs [1].

Mit der militärischen Grund- bzw. Basisausbildung1 beginnt die militärische Sozialisation, also das Hineinwachsen jeder einzelnen Person in das Militär mit seinen Regeln und Anforderungen [3]. Entsprechend wird in dieser Phase auch die Basis für die Bewältigung der besonderen beruflichen Herausforderungen des Soldatenberufs gelegt [26]. Jeder Soldat muss sie durchlaufen, unabhängig von seiner späteren Verwendung und Zugehörigkeit zu einer Teilstreitkraft oder einem Organisa­tionsbereich. In dieser Phase wird die allgemeinmilitärische Grundbefähigung des militärischen Personals erworben, deren Ausbildungsinhalte in der Allgemeinen Regelung „Ausbildung zum Herstellen und Halten der individuellen Einsatzbereitschaft“ A-221/6 VS-NfD [10] festgelegt sind. Die in der Grundausbildung erworbenen bzw. verstärkten Eigenschaften, wie beispielsweise individuelle Resilienz und Techniken zum Umgang mit Stress, wirken sich nicht nur positiv in der Bundeswehr aus, sondern haben, durch die gesellschaftliche Teilhabe von Reservisten, Veteranen und Soldaten als aktiven Bürgern in Uniform, auch positive Auswirkungen auf die zivile Gesellschaft.

Herausforderung für das Individuum

Die Grundausbildung ist für den einzelnen Rekruten mit einer Vielzahl von Veränderungen und neuen Erfahrungen verbunden. Die in Abbildung 1 dargestellten Einflüsse und die damit verbundenen Beanspruchungen können individuell sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Abb. 1: Beispiele Individueller Belastungsfaktoren während der Grundausbildung (Bildrechte Silhouette: pixabay.com)

Viele dieser Belastungsfaktoren bzw. deren Auswirkungen sind durch internationale Studien belegt. Beispielsweise gibt Zeder [33] einen Überblick über Stressoren in der schweizerischen Rekrutenschule und benennt konkret den Verzicht auf Gewohntes, den Verlust der Individualität, soziale Herausforderungen sowie körperliche und psychische Belastungen. In vielen anderen Studien werden einzelne Aspekte beleuchtet; so berichten Larsen et al. von substanziellem Schlafmangel bei australischen Rekruten während der Grundausbildung [17], und Adrian et al. weisen in einer US-amerikanischen Studie darauf hin, dass Schlafprobleme während der Grundausbildung möglicherweise ein Indikator für Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung in das Militär seien [2]. Ein anderes Beispiel ist der Zusammenhang zwischen den körperlichen Trainingsanforderungen und dem subjektiven Befinden während der Grundausbildung, der u. a. in Australien dokumentiert wurde [9]. Die Bedeutung der Trennung von Familie und vertrautem Umfeld als Belastung für neue Militärangehörige in Deutschland zeigt sich zum einen darin, dass sowohl im Dienst verbleibende als auch vorzeitig ausscheidende Soldaten in Befragungen längere Fahrzeiten sowie bestehende Anforderungen und Belastungen im Privat- und Familienleben als die wichtigsten Gründe angeben, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Bundeswehr zu verlassen [27]. Zum anderen verlässt der Großteil der vorzeitig ausscheidenden Soldaten die Bundeswehr bereits in den ersten Ausbildungsmonaten [24]. Dabei ist die Trennung von Familie und vertrautem Umfeld sicherlich ein gewichtiger, aber nicht der einzige Grund für dieses frühe Ausscheiden.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Grundausbildung, als erste militärische Ausbildungszeit, häufig als psychisch belastend empfunden wird [25]. Möglicherweise ist dies einer der Gründe, warum in der Vergangenheit häufig mehr als 20 % der Rekruten bereits innerhalb der ersten sechs Ausbildungsmonate wieder aus der Bundeswehr ausgeschieden sind [12]. Die Herausforderung einer hohen Abbrecherquote unter Rekruten ist nicht neu und wird von den Armeen vieler anderer Nationen geteilt (vgl. z. B. [7][11][16][17][28]). Dementsprechend bildete sich beispielsweise bereits Anfang der 2000er Jahre eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der NATO zur Rekrutierung und Bindung von militärischem Personal [21], an der sich acht Nationen beteiligten.

Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell

Es liegt nahe, dass diejenigen Soldaten, die die Grundausbildung und den damit verbundenen Ausbildungsstress besser kompensieren können, über Eigenschaften und Verhaltensmuster verfügen, die sie auch die Belastungen ihres späteren Dienstalltags besser bewältigen lassen. Diese Annahme wird durch eine schweizerische Untersuchung gestützt, in der die Resilienz von Rekruten zu Beginn der dortigen Basisausbildung das Stressempfinden und die militärische Leistung nach 12 Wochen voraussagte [25]. Wie in dieser Studie exemplarisch am Faktor Resilienz gezeigt wurde, bietet sich die Grundausbildung als erste Phase militärischer Belastungen und Herausforderungen als Untersuchungsmodell für Faktoren an, die den Soldatenberuf langfristig und grundlegend beeinflussen können. Dies gilt insbesondere für Personenfaktoren2, die eine gewisse zeitliche Stabilität aufweisen und zugleich grundsätzlich veränderbar sind. Persönlichkeitseigenschaften, die nicht oder nur schwer veränderbar sind, eröffnen im militärischen Kontext nur wenige praktische Handlungsoptionen und sind daher im Rahmen der militärpsychologischen Forschung, außerhalb von Auswahlentscheidungen, von geringem Interesse. Einige Personenfaktoren sind zentral für die Ausbildungsziele der Grundausbildung. Beispielsweise ist eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit ein notwendiges Ziel der Ausbildung [20]. Andere Faktoren wirken indirekt, z. B. indem sie die Abbruchquote positiv beeinflussen können oder förderlich sind für eine erfolgreiche Karriere im militärischen Bereich. Idealerweise können diese Faktoren und ihr Zusammenspiel identifiziert und Maßnahmen zu ihrer Förderung entwickelt bzw. umgesetzt werden. Die Grundausbildung eignet sich somit besonders gut, um persönliche Merkmale und Eigenschaften der Rekruten unter vergleichbaren Bedingungen zu beobachten und allgemeingültige Personenfaktoren zu analysieren. Die Nutzung der Grundausbildung als Untersuchungsmodell hat dabei eine Reihe von Vorteilen: Sie ist unabhängig von der Verwendung und muss, im Gegensatz zu anderen Ausbildungen, von allen Soldaten durchlaufen werden. Somit lassen sich allgemein relevante Faktoren identifizieren. Gleichzeitig werden diese Faktoren früh im militärischen Berufsleben erkannt, wodurch die Möglichkeit einer frühzeitigen Förderung eröffnet wird.

Psychologische Einflussfaktoren

Der Modellcharakter der Grundausbildung wird im Rahmen einer laufenden, präventivmedizinisch orientierten Untersuchung des InstPrävMedBw genutzt, um psychologische Einflussfaktoren und deren praktische Relevanz für die militärische Leistung sowie das Stress- und Gesundheitserleben zu erfassen. Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, um Eigenschaften zu fördern, die zur langfristigen Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit beitragen, und den Abbau ggf. vorhandener Defizite hinsichtlich dieser Eigenschaften zu ermöglichen.

Zur Erreichung dieser Ziele wurden in einem ersten Schritt im Rahmen einer Literaturrecherche Faktoren gesammelt, die als Prädiktoren dienen können, d. h., für die im militärischen Kontext eine positive Indikation vorliegt. Hierbei wurden neben der bereits erwähnten Resilienz Selbstwirksamkeit [13] und Achtsamkeit als positive Einflussfaktoren insbesondere auf das Stresserleben und die Stresskompensation identifiziert. Beispielsweise konnten Krick et al. [15] zeigen, dass eine höhere Achtsamkeit die subjektiv empfundene Arbeitsbelastung reduziert und dass ein positiver Zusammenhang mit dem allgemeinen Gesundheitsempfinden besteht. Darüber hinaus wurden in der Studie Puffereffekte von Achtsamkeit auf die Auswirkungen von Stress nachgewiesen [15].

Pilotstudien

Nach der Identifikation möglicher Prädiktoren wurden in Ausbildungskompanien des Heeres das Studiendesign, die Vorgehensweise und die verwendeten psychologischen Skalen in zwei Pilotstudien getestet, um das ­bestmögliche Studiendesign zu entwickeln und die Hauptgütekriterien der Hauptstudie zu optimieren. Studienteilnehmende waren freiwillig teilnehmende volljährige Rekrutinnen und Rekruten ohne militärische Vorerfahrung3.

Die Hauptstudie ist als längsschnittliche Fragebogenstudie mit zwei Erhebungszeitpunkten angelegt. Die erste Erhebung findet am ersten Tag im Rahmen der Aufnahme der Rekruten statt, um den Einfluss der Erfahrungen mit der neuen Lebenswelt der Studienteilnehmenden zu minimieren. In einer ersten Pilotstudie wurde die beste Vorgehensweise getestet, um die Datenerhebung so zu gestalten, dass sie die Abläufe bei der Aufnahme der neuen Rekruten nicht behindert und die Durchführungsobjektivität der Untersuchung optimiert. Die Abschlusserhebung ist am Ende der Basisausbildung geplant. Der beste Zeitpunkt für die Datenerhebung wurde in einer zweiten kleineren Pilotstudie ermittelt. Dabei wurden die Zeitpunkte vor der Abschlussübung (Testung 1), direkt nach der Abschlussübung (Testung 2) und in der letzten Woche der Ausbildung, ggf. nach einigen Urlaubstagen (Testung 3) verglichen (Abbildung 2). In dieser Studie wurden keine signifikanten Unterschiede in den von den Rekruten ausgefüllten Skalen gefunden. Als Termin für die Abschlussuntersuchung wurde daraufhin die letzte Ausbildungswoche festgelegt, um die Objektivität der Durchführung und die externe Validität der Studie sicherzustellen.


Abb. 2: Zeitpunkte für die Befragung am Ausbildungsende, die in Pilotstudie 2 verglichen wurden. (Bildrechte: Bundeswehr/S. Kästner, J. Neumann, C. Vierfuss (v.l.))

Zur Erfassung der psychologischen Konstrukte wurden in den beiden Pilotstudien die folgenden Skalen getestet.

Individuelle Resilienz wurde mit der Resilienzskala RS-11 [23][29] erfasst. Der Skalenwert wird als Summe der elf Items (siebenstufige Likertskala von 1 = ‘nein, stimme nicht zu’ bis 7 =‘ja, stimme völlig zu’) berechnet. Selbstwirksamkeit wurde mit der Allgemeinen Selbstwirksamkeits-Kurzskala (ASKU) [5][6] erfasst und als Mittelwert der drei Items (fünfstufige Likertskala von 1 = ‘trifft, gar nicht zu’ bis 5 = ‘trifft, voll und ganz zu’) berechnet. Achtsamkeit wurde operationalisiert mit der Skala ‘Mit Aufmerksamkeit Handeln’ der deutschen Version des Five Facet Mindfulness Questionnaire4 (FFMQ-D) [4][18]. Die Skala wird als Summe der umgekehrt kodierten Items (fünfstufige Likertskala von 1 = ‘fast nie’ bis 5 = ‘fast immer’) berechnet. Gesundheitsempfinden wurde mit der Subskala ‘General Health’ des Fragebogens zum Gesundheitszustand (SF-36) [32] gemessen und entsprechend dem Manual [19] berechnet. Stressempfindenwurde mittels der deutschen Kurzversion des Perceived Stress Questionnaire (PSQ20) erfasst und berechnet [14]. Es konnte keine geeignete Skala zur Erfassung der militärischen Leistungsfähigkeit identifiziert werden. Deshalb wurde das Andernacher Inventar für Militärische Leistungsfähigkeit (AIM) am InstPrävMedBw entwickelt und in den Pilotstudien getestet. Weitere Informationen zu dem Inventar finden sich in diesem Heft im Artikel „AIM: Das Andernacher Inventar zur militärischen Leistungsmessung (AIM) – Konzeption eines neuen Instruments für präventivmedizinische Forschungsprojekte“ (WMM 2026;70(11):553-557).

Die Qualität psychologischer Skalen wird anhand von (Test-)Gütekriterien beurteilt. Bei der Verwendung standardisierter Verfahren sind die meisten dieser Kriterien als gegeben anzunehmen, da sie bereits im Rahmen der Testkonstruktion geprüft und bei Bedarf geeignete Anpassungen vorgenommen wurden. Dies gilt insbesondere für die Validität, also die Frage, ob ein Testverfahren misst, was es messen soll, und die Objektivität, also die Unabhängigkeit der Testergebnisse von der durchführenden und auswertenden Person. Die ebenfalls im Rahmen der Testkonstruktion sichergestellte Reliabilität (Zuverlässigkeit) eines Testverfahrens wird üblicherweise anhand der internen Konsistenz an der jeweiligen Stichprobe erneut verifiziert. Im Falle einer Fragebogen-Skala beschreibt die interne Konsistenz, inwieweit die einzelnen Fragen der Skala dasselbe zugrunde liegende Merkmal erfassen. In den vorliegenden Pilotstudien wurden die in Tabelle 1 aufgeführten Cronbachs Alphas als Indikatoren der internen Konsistenz berechnet. Hierbei gelten Werte ab 0,7 als akzeptabel [8]. Entsprechend ist lediglich die interne Konsistenz der Erfassung des Gesundheitsempfindens zu t1 als fragwürdig einzustufen [8]. Vor diesem Hintergrund wurde für die zweite Pilotstudie und die Hauptstudie zur Basisausbildung der in der ersten Pilotstudie verwendete SF-36 durch die Short-Form Health Survey (SF-12) [22][31] ersetzt. Dieses Instrument basiert auf der gleichen Grundlage wie der SF-36 [30] und kann, aufgrund seiner im Vergleich zum SF-36 geringeren Itemzahl, komplett in die Studie integriert werden. Dieses Vorgehen hat den zusätzlichen Vorteil, dass zwischen physischem und psychischem Gesundheitsempfinden differenziert werden kann und nicht nur ein allgemeines Gesundheitsempfinden erhoben wird.

Tab. 1: Interne Konsistenz der verwendeten Skalen zu den verschiedenen Testzeitpunkten
Hinweis: t1 = Cronbachs Alpha der Messungen am Anfang der Grundausbildung; t2 = Cronbachs Alpha der Messungen am Ende der Grundausbildung; Testung 3 = Cronbachs Alpha der dritten Testung in der zweiten Pilotstudie (siehe Abbildung 2); - = zu diesen Messzeitpunkten wurden keine Daten dieser Kategorie erhoben; * = in Pilotstudie 1 wurde der SF-36 genutzt, während in Pilotstudie 2 der SF-12 verwendet wurde.

Diskussion und Fazit

Die Grundausbildung ist eine herausfordernde erste militärische Ausbildungsphase, die alle Soldaten durchlaufen. Wie erläutert, ist sie als Modell für die allgemeinen Anforderungen des Soldatenberufs geeignet und bietet für die wissenschaftliche Untersuchung dieser Anforderungen eine Reihe von Vorteilen. Zur idealen Nutzung des ­Modellcharakters der Grundausbildung wurde durch das InstPrävMedBw ein Studiendesign entwickelt und Erhebungsinstrumente zur Erfassung von Stress- und Gesundheitsempfinden, Resilienz, Selbstwirksamkeitserwartung und Achtsamkeit identifiziert und eine neue Skala zur Erfassung der militärischen Leistung entwickelt. Das Design und die Instrumente wurden in zwei Pilotstudien erfolgreich getestet und optimiert.

Das gewählte Studiendesign ermöglicht die Ermittlung des Einflusses verschiedener psychologischer Faktoren auf die militärische Leistungsfähigkeit, das Stresserleben und das Gesundheitsempfinden. In weiterführenden Studien kann anschließend differenzialdiagnostisch festgestellt werden, für welche Verwendungen oder andere Kontexte die identifizierten Faktoren von hoher oder geringer Bedeutung sind. Studien und wissenschaftliche Analysen präventivmedizinischer und militärpsychologischer Fragestellungen können mithilfe eines standardisierten Designs mit vergleichsweise geringem Aufwand durchgeführt werden.

Eine potenzielle Herausforderung des Designs besteht in der Erhebung durch wissenschaftliches Personal an den Ausbildungsstandorten. Diese Vorgehensweise limitiert die Anzahl paralleler Erhebungen auf derzeit maximal drei Standorte5, sodass beispielsweise die Erhebung eines gesamten Jahrgangs nicht möglich ist. Alternative Wege sind aktuell (noch) nicht praktikabel (Online-Datenerhebung) oder (noch) nicht ausreichend erforscht. So ist beispielsweise bisher unklar, ob die Datenqualität bei einer standardisierten Erhebung durch nicht wissenschaftlich ausgebildetes Personal beeinträchtigt würde. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich möglicher Optimierungsansätze.

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die hier vorgestellte Vorgehensweise ermöglicht, mit geringem Aufwand wichtige präventivmedizinische und militär­psychologische Erkenntnisse zur Verbesserung der ­individuellen Konstitution (Stress- und Gesundheits­empfinden) der Soldaten und ihrer militärischen Leis­tungsfähigkeit zu gewinnen und damit einen wichtigen Beitrag zur LV/BV zu leisten.


 

Kernaussagen

  • In der Grundausbildung erworbene bzw. geförderte Fähigkeiten, wie z. B. Resilienz, wirken sich positiv in der Bundeswehr und der zivilen Gesellschaft aus.
  • Die Grundausbildung ist mit einer Vielzahl von Veränderungen und neuen Erfahrungen für Rekruten und Rekrutinnen verbunden. Die daraus resultierende Beanspruchung kann jedoch individuell stark variieren.
  • Die Grundausbildung kann als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell zur Analyse von Personenfaktoren im militärischen Kontext genutzt werden.
  • Der Modellcharakter der Ausbildung wird in einer Studie genutzt, um psychologische Einflussfaktoren auf militärische Leistung sowie auf Stress- und Gesundheitserleben zu identifizieren.
  • Aus den Studienergebnissen sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, um Eigenschaften zu fördern, die langfristig zur Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Soldatinnen und Soldaten beitragen.

Literatur

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Manuskriptdaten

Zitierweise

Witzki A, Küper K, Simon NA, Hoffmann MA. Grundausbildung als präventivmedizinisches Untersuchungsmodell: Entwicklung eines standardisierten Studiendesigns zur Erfassung von Prädiktoren militärischer Leistung, Stressempfinden und Gesundheitserleben. WMM 2026; 70(11):540-545.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-1001

Für die Verfasser

Regierungsdirektor Dr. Alexander Witzki

Fachbereich A3 – Psychische Leistungsfähigkeit

Abteilung A – Gesundheits- und Leistungsförderung, Koblenz

Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach

Aktienstrasse 87, 56626 Andernach

E-Mail: InstPraevMedBwA3@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Witzki A, Küper K, Simon NA, Hoffmann MA. [Basic training as a preventive medical model: Development of a standardised study design for the detection of predictors of military performance, stress perception and health experience].

WMM 2026;70(11):540-545.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-1001

For the Authors

Dr. Alexander Witzki

Division A3 – Performance Psychology

Department A – Health- and Fitness Promotion, Koblenz

Bundeswehr Institute of Preventive Medicine, Andernach

Aktienstrasse 87, D-56626 Andernach

E-Mail: InstPraevMedBwA3@bundeswehr.org


1 Soweit sich die Aussagen sowohl auf die Grund- als auch die Basisausbildung beziehen, wird in diesem Beitrag der Begriff „Grundausbildung“ verwendet und auf eine Doppelnennung, zugunsten einer besseren Lesbarkeit, verzichtet.

2 Unter „Personenfaktoren“ werden hier interindividuelle Unterschiede von Soldaten verstanden. Diese können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. Unter Letztere fallen zeitlich stabile Persönlichkeitsmerkmale wie z. B. Kontaktorientierung, Sozialkompetenz, Gewissenhaftigkeit oder Verträglichkeit.

3 Die Autoren danken der Führung und den Angehörigen der 10./FschJgRgt 26 und 5./PzBtl 104 für ihre Unterstützung.

4 Die Autoren danken Herrn Prof. Dr. Felfe und Frau PD Dr. Krick (Professur Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg) für ihre Beratung und Unterstützung bei der Identifikation geeigneter Skalen.

5 Die Autoren danken der Führung und den Angehörigen den Kompanien 10./FschJgRgt 26, 5./PzBtl203 und 6./JgBtl1 für ihre Unterstützung.

 

Präventivmedizin PDF

Suchtprävention im Kontext der Kriegstüchtigkeit – 
pathogenetische, präventive und therapeutische Aspekte

Addiction Prevention in the Context of Combat Readiness – Pathogenetic, Preventive and Therapeutic Aspects

Markus Staudta, Rebecca Mohra, Peter Lutz Zimmermannb, Manuela Andrea Hoffmanna, c, d

a Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach und ASt Koblenz

b Bundesministerium der Verteidigung, Berlin

c Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

d Medizincampus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Zusammenfassung

Bewaffnete Konflikte gehen mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen einher und können den missbräuchlichen Konsum psychoaktiver Substanzen begünstigen. Berichte aus dem Ukrainekrieg beschreiben insbesondere den Einsatz von Cannabis und Amphetaminen sowie den Off-Label-Gebrauch verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Substanzen werden unter anderem zur Reduktion von Angst und psychischer Belastung, zur Steigerung der Wachheit sowie zur Erleichterung von Erholung und Schlaf eingesetzt. Demgegenüber stehen erhebliche gesundheitliche und einsatzbezogene Risiken. Präventiv sind substanzbezogene Aufklärung, Resilienz, Emotionsregulation, soziale Kohäsion und der Umgang mit moralischen Konflikten von Bedeutung. Bei Suchterkrankungen sind medizinische und psychotherapeutische Behandlungen sowie psychosoziale Unterstützungsangebote erforderlich.

Schlüsselwörter: Präventivmedizin, Resilienz, Substanzmissbrauch, Suchtprävention, moralische Konflikte

Summary

Armed conflicts are associated with significant physical and psychological stress and can promote the misuse of psychoactive substances. Reports from the war in Ukraine describe the use of cannabis and amphetamines, as well as the off-label use of prescription drugs. These substances are taken to reduce anxiety and psychological stress, increase alertness, and facilitate recovery and sleep. However, consumption of these drugs is associated with serious health and operational risks. Preventive measures include substance-related education, resilience training, emotion regulation, social cohesion, and managing moral conflicts. For addiction disorders, medical and psychotherapeutic treatment, along with psychosocial support services, is necessary.

Keywords: preventive medicine; resilience; substance abuse; addiction prevention; moral conflicts

Substanzmissbrauch in bewaffneten Konflikten

Aktuelle deutschsprachige Medien sowie Berichte der Nichtregierungsorganisation „Global Initiative Against Transnational Organized Crime“ thematisieren den Konsum von Alkohol, Nikotin und anderen psychoaktiven Substanzen im Zusammenhang mit Krieg und bewaffneten Konflikten. Dabei wird beschrieben, dass psychoaktive Substanzen von Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden, um Angst, Depression und Belastungen durch Alltags- sowie psychotraumatische Erfahrungen zu reduzieren, die Wachheit und Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten oder während kurzer Ruhephasen leichter Erholung und Schlaf zu finden. Auch moralische Konflikte können mit einem erhöhten Missbrauchsrisiko einhergehen [9][11][19][20][21].

Der anhaltende Krieg in der Ukraine bietet Einblicke in den militärischen Alltag eines hochintensiven bewaffneten Konflikts in Europa. Trotz der begrenzten Evidenz der vorliegenden Erkenntnisse liefern sie Hinweise auf Risikofaktoren für einen missbräuchlichen Substanzkonsum im Rahmen von Kampfeinsätzen.

Um die Suchtproblematik unter den Bedingungen eines aktuellen bewaffneten Konflikts auf europäischem Boden zu beleuchten, wurden die jüngsten Schilderungen eines Frontsoldaten der ukrainischen Armee herangezogen [21]. Das anonymisierte Interview mit dem ukrainischen Soldaten vermittelt exemplarische Einblicke in den berichteten Einsatz von Arzneimitteln und psychoaktiven Substanzen an der Front in der Ukraine. Beschrieben werden sowohl der Off-Label-Use verschreibungspflichtiger Medikamente (sogenannte „Battle Meds“) als auch der Konsum illegaler Drogen. Die Untersuchungen der „Global Initiative Against Transnational Organized Crime“ergaben, dass unter kämpfenden Soldaten insbesondere Cannabis, Amphetamine sowie das verschreibungspflichtige Arzneimittel Pregabalin konsumiert werden [9].

Die Beschaffung von legalen und illegalen Substanzen ist nach diesen Berichten keine große Herausforderung, obwohl in der ukrainischen Armee jede Art des Konsums von Drogen oder stark wirksamen Medikamenten ohne ärztliche Verschreibung verboten ist [21].

Im oben genannten Bericht wird der Konsum psychoaktiver Substanzen unter anderem auf außergewöhnliche körperliche und psychische Belastungen an der Front zurückgeführt [9]. Neben der dauerhaften psychischen Beanspruchung erschweren insbesondere Schlafmangel, körperliche Erschöpfung und die Notwendigkeit, über lange Zeiträume einsatzfähig zu bleiben, eine ausreichende Regeneration und können so die Einsatzfähigkeit und Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten deutlich vermindern [10][14].

Dabei zeigt sich, dass psychoaktive Substanzen offenbar gezielt aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkungen eingesetzt werden [13][21]. Die Wirkung stimulierender Substanzen wie Amphetamin kann Müdigkeit vorübergehend unterdrücken und Aufmerksamkeit sowie Wachheit steigern. Weiterhin wird der Konsum von Pregabalin berichtet, einem Arzneimittel, das zur Behandlung neuropathischer Schmerzen, Epilepsie und generalisierter Angststörung zugelassen ist [8]. Aufgrund seiner beruhigenden und angstlösenden Wirkung wird Pregabalin offenbar auch außerhalb der zugelassenen Indikationen an der Front eingesetzt.

Den kurzfristig angestrebten positiven Effekten stehen erhebliche Risiken entgegen. Der Konsum von Drogen ist grundsätzlich mit beträchtlichen gesundheitlichen Risiken verbunden und kann sowohl akute als auch langfristige körperliche, psychische und soziale Folgen haben [5]. Im militärischen Kontext kommen weitere einsatzrelevante Aspekte hinzu. Neben dem hohen Abhängigkeitspotenzial können Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, des Urteilsvermögens, der Impulskontrolle und der Regenerationsfähigkeit die individuelle Einsatzfähigkeit vermindern und dadurch die Sicherheit der betroffenen Soldatinnen und Soldaten sowie die militärische Auftragserfüllung gefährden [12].

Die Berichte aus dem Ukrainekrieg verdeutlichen, dass der missbräuchliche Einsatz verschreibungspflichtiger Arzneimittel sowie der Konsum illegaler Drogen auch unter den Bedingungen eines bewaffneten Konflikts, trotz bekannter gesundheitlicher Risiken und rechtlicher Konsequenzen, auftreten können [9][21]. Es liegt daher nahe, dass psychoaktive Substanzen unter den besonderen physischen und psychischen Belastungen eines Kriegseinsatzes als vermeintliche Bewältigungsstrategie genutzt werden. Mit zunehmender Dauer und Intensität eines Einsatzes können sich die psychischen und physischen Belastungen für die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten weiter verstärken [1].

Der Krieg in der Ukraine hat auch die sicherheitspolitische Debatte in Deutschland nachhaltig geprägt. Mit der verstärkten Ausrichtung der Bundeswehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung und dem Ziel, die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen [7], rücken auch Fragestellungen in den Fokus, die die Lebenswirklichkeit und die gesundheitliche Einsatzfähigkeit von Soldatinnen und Soldaten unter den Bedingungen eines bewaffneten Konflikts betreffen.

Präventive und therapeutische Aspekte

Im Rahmen präventiver und einsatzvorbereitender Maßnahmen für Soldatinnen und Soldaten ist daher auch der Erwerb von Kompetenzen im Umgang mit außergewöhnlichen Belastungen von Bedeutung. Neben der Vermittlung substanzbezogenen Wissens und der Sensibilisierung für die Gefahren des Substanzkonsums gelten Resilienzfaktoren, Stressbewältigungsstrategien und Emotionsregulationskompetenzen als relevante Schutzfaktoren [4][16][17]. Darüber hinaus kann die Förderung sozialer Schutzfaktoren, insbesondere einer hohen Einheitskohäsion, zur Prävention eines missbräuchlichen Substanzkonsums beitragen [18]. Als eine weitere präventive Option wurden in jüngster Zeit die Thematisierung und Aufarbeitung militärbezogener moralischer Konflikte konzipiert und erfolgreich erprobt [22].

Die Akutbehandlung einer Suchterkrankung erfolgt in erster Linie im medizinischen und psychotherapeutischen Versorgungssystem. Zusätzliche psychosoziale und präventive Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Begleitung, Stabilisierung und Rückfallprävention [6]. Suchtprävention und die Behandlung von Suchterkrankungen erfolgen in der Bundeswehr im Zusammenwirken verschiedener militärischer und ziviler Akteure. Eine Anlaufstelle für Bundeswehrangehörige und deren Familienangehörige ist die Zentrale Ansprechstelle für Suchtprävention der Bundeswehr am Zentrum Innere Führung [2][15]. Des Weiteren stehen die Akteure des Psychosozialen Netzwerks der Bundeswehr sowie der Verein Suchtselbsthilfe Bundeswehr e. V. mit Beratungs-, Unterstützungs- und Präventionsangeboten zur Verfügung [2][3].

 

 

Kernaussagen

  • Bewaffnete Konflikte können durch extreme körperliche und psychische Belastungen den missbräuchlichen Substanzkonsum an der Front begünstigen.
  • Im Ukrainekrieg werden insbesondere Cannabis, Amphetamine sowie verschreibungspflichtige Arzneimittel missbräuchlich eingesetzt.
  • Psychoaktive Substanzen werden unter anderem zur Angstreduktion, Leistungssteigerung, zur Förderung der Wachheit und zur Erleichterung der Regeneration konsumiert.
  • Substanzkonsum kann Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen und Impulskontrolle beeinträchtigen und dadurch die militärische Sicherheit gefährden.
  • Präventive Angebote sollten unter anderem substanzbezogene Aufklärung, die Steigerung der Resilienz, soziale Kohäsion sowie die Thematisierung moralischer Konflikte umfassen.

Literatur

  1. Buckman JEJ, Sundin J, Greene T et al. The impact of deployment length on the health and well-being of military personnel: a systematic review of the literature. Occup Environ Med 2011;68(1):69-76. mehr lesen
  2. Bundeswehr: Zentrale Ansprechstelle für Suchtprävention: Schutz vor Abhängigkeit[Internet]. Bundeswehr 2026.[letzter Zugriff 20. August 2026];verfügbar unter: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/zentrum-innere-fuehrung/zentrale-ansprechstelle-fuer-suchtpraevention. mehr lesen
  3. Bundeswehr: YNSIDE: Suchthilfe und Suchtprävention in der Bundeswehr[Internet].Bundeswehr 2026. [letzter Zugriff 18. August 2026];verfügbar unter: https://ynside.extranet-bw.de/de/rund-um-dienst/gesundheit/suchthilfe-suchtpraevention.(nicht öffentlich zugänglich)
  4. Cusack SE, Wright AW, Amstadter AB. Resilience and alcohol use in adulthood in the United States: A scoping review. Prev Med 2023;168:107442. mehr lesen
  5. Degenhardt L, Hall W. Extent of illicit drug use and dependence, and their contribution to the global burden of disease. Lancet 2012;379(9810):55-70. mehr lesen
  6. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.: Akutbehandlung [INTERNET].DHS 2026. [letzter Zugriff 20. August 2026];verfügbar unter: https://www.dhs.de/suchthilfe/akutbehandlung. mehr lesen
  7. Deutscher Bundeswehrverband - DPA: Pistorius: Müssen in der Lage sein, Verteidigungskrieg zu führen [Internet].DBWV 2023.[letzter Zugriff 20. August 2026];verfügbar unter: https://www.dbwv.de/ticker/pistorius-muessen-in-der-lage-sein-verteidigungskrieg-zu-fuehren. mehr lesen
  8. Gelbe Liste Online-Redaktion: Missbrauch von Pregabalin - Verordnungen prüfen [Internet. Gelbe Liste 2026. [letzter Zugriff 20. August 2026];verfügbar unter: https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/pregabalin-missbrauch mehr lesen
  9. Global Initiative Against Transnational Organized Crime: Collateral damage: Assessing substance use in Ukraine's military [Internet].Globalinitiative2025.[Letzter Zugriff: 8. September 2026]; verfügbar unter: mehr lesen
  10. Good CH, Brager AJ, Capaldi VF, Mysliwiec V. Sleep in the United States Military. Neuropsychopharmacology 2020;45(1):176-191. mehr lesen
  11. Kemper W-R: Drogen im Kriegseinsatz. Medikamente für Soldaten. Deutschlandradio 2. Dezember 2015 [Internet]. Deutschlandradio 2015.[Letzter Zugriff: 8. September 2026];verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/medikamente-fuer-soldaten-drogen-im-kriegseinsatz-100.html. mehr lesen
  12. Lande GR, Marin BA, Staudenmeier JJ, Hawkins D: Substance use and abuse in the military. In: Combat and operational behavioral health. Textbook of military medicine 2011:473-484. mehr lesen
  13. Larson MJ, Wooten NR, Adams RS, Merrick EL. Military Combat Deployments and Substance Use: Review and Future Directions. J Soc Work Pract Addict 2012;12(1):6-27. mehr lesen
  14. Mantua J, Bessey A, Sowden WJ et al. A Review of Environmental Barriers to Obtaining Adequate Sleep in the Military Operational Context. Mil Med 2019;184(7-8):e259-e266. mehr lesen
  15. Ohm J: Suchtprävention als Baustein der Inneren Führung.Wehrmedizin und Wehrparmazie 2020;4:49 mehr lesen
  16. Piscitello J, Heyman RE, Smith Slep AM, Hogan JN. A Systematic Review of Evidence-Based Prevention Approaches for Alcohol Problems with Viability for Military Implementation. Mil Med 2025;190(11-12):e2328-e2338. mehr lesen
  17. Stellern J, Xiao KB, Grennell E, Sanches M, Gowin JL, Sloan ME. Emotion regulation in substance use disorders: a systematic review and meta-analysis. Addiction 2023;118(1):30-47. mehr lesen
  18. Ward RN, Erickson AJ, Carlson KJ, Yalch MM. The role of unit cohesion and perceived resilience in substance use disorder. Mil Psychol 2024;36(4):403-409. mehr lesen
  19. Weigelt J: Auf Drogen kämpfen, dank Drogen schlafen: Drogen im Krieg [Internet].Deutschlandfunk 2025. [letzter Zugriff 21. August 2026];verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/drogen-soldaten-krieg-cannabis-alkohol-amphetamine-100.html. mehr lesen
  20. Weigelt J: Pillen zum Wachbleiben – oder Sterben: Drogen im Krieg [Internet]. Deutschlandfunk 2025.[Letzter Zugriff 21. August 2026]. Verfügbar unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/drogen-im-krieg-pillen-zum-wach-bleiben-oder-sterben-neu-100.html. mehr lesen
  21. Weigelt J: Wer schläft, stirbt [Internet].Reservistenverband 2025.[letzter Zugriff 21. August 2026];verfügbar unter: https://www.reservistenverband.de/magazin-loyal/drogen-und-krieg/. mehr lesen
  22. Zimmermann P: Trauma und moralische Konflikte: Einführung und Manual für die präventive nd therapeutische Arbeit mit Einsatzkräften. Stuttgart: Klett-Cotta; 2022.

Manuskriptdaten

Zitierweise

Staudt M, Mohr R, Zimmermann P, Hoffmann MA. Suchtprävention im Kontext der Kriegstüchtigkeit – pathogenetische, präventive und therapeutische Aspekte. WMM 2026;70(11):546-548.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-995

Für die Verfasser

Oberfeldapotheker Dr. Markus Staudt

Fachbereich A1 – Angewandte Gesundheitsförderung

Abteilung A – Gesundheits- und Leistungsförderung, Koblenz

Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr, Andernach

Aktienstraße 87, 56626 Andernach

E-Mail: InstPraevMedBwA1@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Staudt M, Mohr R, Zimmermann PL, Hoffmann MA. [Addiction Prevention in the Context of Combat Readiness – Pathogenetic, Preventive and Therapeutic Aspects]. WMM 2026;70(11):546-548.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-995

For the Authors

Lieutenant Colonel (MC Pharm) Dr. Markus Staudt

Division A1 – Applied Health Promotion

Department A – Health- and Fitness Promotion, Koblenz

Bundeswehr Institute of Preventive Medicine, Andernach

Aktienstrasse 87, D-56626 Andernach

E-Mail: InstPraevMedBwA3@bundeswehr.org

 

 

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